Von Kinshasa nach Atzendorf: Der Zweite Außenminister und gleichzeitig Minister für Internationale Zusammenarbeit der Demokratischen Republik Kongo, Franck Mwe di Malila, besuchte gestern den Salzlandkreis. Seine Delegation war auf das Gut Atzendorf von Sebastian Hauser eingeladen.

Atzendorf l Diese Zahlen beeindruckten sogar die weitgereisten Gäste des afrikanischen Kontinents. Auf einer Fläche von 500 Hektar bewirtschaftet der landwirtschaftliche Betrieb von Sebastian Hauser aus Atzendorf den fruchtbaren Bördeboden. Insgesamt zählt das Unternehmen aber nur vier Mitarbeiter. Der Zweite Minister für auswärtige Angelegenheiten und Minister für Internationale Zusammenarbeit, Franck Mwe di Malila, fragte beim Dolmetscher nochmals nach. "Ja vier Leute bewirtschaften diese riesige Fläche", bestätigte der Honorarkonsul der Demokratischen Republik Kongo, Gernot C. Wagner.

Von Kinshasa in Kongo nach Atzendorf in Deutschland: Dass die zehnköpfige Delegation mit der Botschafterin der Demokratischen Republik Kongo, Clémentine Shakembo Kamanga, ausgerechnet in den Salzlandkreis kam, hatte einen Grund. Der Minister wünschte sich ausdrücklich, einen größeren mittelständischen Bauernhof zu besichtigen, um sich über die Erfahrungen berichten zu lassen. Franck Mwe di Malila staunte nicht schlecht und zog die Ausführungen von Sebastian Hauser immer wieder zu Vergleichen heran. So berichtete der deutsche Landwirt unter anderem, dass der Ertrag pro Hektar Mais - je nach Sorte und späterer Verwendung - zwischen 60 und 120 Tonnen beträgt. Im Kongo werden von der gleichen Fläche nur 10 Tonnen Mais erwirtschaftet.

"Wie machen Sie das? Welche Technik verwenden Sie, Welchen Dünger?" Minister Franck Mwe di Malila zeigte sich sehr interessiert. Wie fast überall auf der Welt stehen nicht nur deutsche Qualitätsprodukte hoch im Kurs, sondern auch das Know How. Landwirt Sebastian Hauser nahm sich mehr als eine Stunde Zeit, um der Delegation aus dem Kongo jede einzelne Frage ausführlich zu beantworten.

Und wieder war das Staunen groß, mit welcher (deutschen) Akribie Kartoffeln nicht nur angebaut, sondern später auch geerntet und gelagert werden. Hochmoderne Technik teilweise Computer- und GPS-gesteuert sorgen für den bestmöglichen Ertrag. "Das fängt schon beim Legen der Pflanzkartoffeln an", berichtete Sebastian Hauser. Technisch ist es inzwischen möglich, unter die gelegten Kartoffeln den Dünger im Boden gezielt auszuspritzen. Satellitengesteuerte Vermessung des Feldes sorgt später für eine genaue Ausbringung des Flüssigdüngers, der wiederum nicht "frei Schnauze" in den Boden gebracht wird, sondern nach einem ausgeklügelten System. "Zu viel ist eben auch nicht gut, da leidet am Ende die Qualität der Pflanzen", so der deutsche Landwirt.

Damit nicht genug, denn auch bei der Lagerung der Erdäpfel hat High-Tech auf den Bauernhof Einzug gehalten. Wurden die Kartoffeln früher noch lose auf gut vier Meter hohe Haufen gelagert, sind sie nun in kleine Kisten gefüllt, die in einem Kühlhaus bei 3 bis 5 Grad Celsius (je nach Sorte) dunkel und kalt gehalten werden. Sensoren messen dafür ohne Unterbrechung Temperatur und Luftfeuchtigkeit und regeln die Anlage.

Für die Gäste aus dem fernen Kongo schier unbegreiflich: Kartoffeln, die mit Hilfe von Strom in riesigen Hallen heruntergekühlt werden, um sie länger haltbar zu machen? "Viele Menschen in der Demokratischen Republik Kongo verfügen gar nicht durchgängig über Strom. Das ist dort ein Luxus", berichtet Silke Hüttenrauch, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Leipziger Firma Evagor, die seit langer Zeit geschäftliche Beziehungen mit der Demokratischen Republik Kongo pflegt. Der Chef des Unternehmens, Dr. Gernot C. Wagner, ist gleichzeit Honorarkonsol des afrikanischen Landes.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit, das Problem der effektiven Nahrungsmittelerwirtschaftung und die Energieversorgung standen im Mittelpunkt der viertägigen Reise der Delegation aus Kongo. Neben einem Gespräch im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Besuch des landwirtschaftlichen Betriebes in Atzendorf stand die Besichtigung des Kraftwerkes Lippendorf in Böhlen auf dem Programm. Heute schon nach den Besuchen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen wird die Delegation wieder nach Hause fliegen.

Im Gepäck werden die Gäste aus Kongo viele neue Erfahrungen haben. Und vielleicht auch die Hoffnung, dass es einen Wandel in der deutschen Entwicklungspolitik geben wird: weg von der profanen Überweisung von Geld, hin zur Aus- und Weiterbildung der Menschen vor Ort sowie der Unterstützung beim Aufbau von Industrie und Landwirtschaft. "Am Ende zählt der Fakt, dass die Menschen einen Grund haben, im Land zu bleiben und nicht den gefahrvollen Weg nach Europa antreten", so Silke Hüttenrauch. Denn das, so bestätigt es auch Minster Mwe di Malila, ist derzeit eines der größten Problem der Demokratischen Republik Kongo.