In Hecklingen tüfteln Kinder regelmäßig Strategien aus, wie sie am Schachbrett eine gute Figur machen. Der Denksport ist für sie mehr Hobby als Unterricht.

Hecklingen. Die Schulglocke hat längst geläutet. Es ist Freitagmittag. Die Lehrbücher sind im Ranzen verstaut und eigentlich hat das Wochenende in der Hecklinger Grundschule schon angefangen. Freizeit ist angesagt. Viele Kinder toben an der frischen Luft. Nicht so Timo (7) und Moritz (8). Die zwei sitzen im Klassenraum, zwischen ihnen ein Schachbrett. Zug um Zug bewegen sich die Figuren. Bauer, Pferd und Turm gehen voran. Das Spiel scheint verinnerlicht. Und tatsächlich: Für die Buben ist es längst nicht mehr neu.

Damit sind Timo und Moritz an ihrer Schule nicht allein. Insgesamt 19 Kinder trainieren in zwei Gruppen regelmäßig Schach. Jede Klassenstufe ist in den Teams vertreten. Seit nunmehr vier Jahren wird Schach als Arbeitsgemeinschaft angeboten. Der Zuspruch ist über die Jahre gewachsen. Mehr Kinder als noch anfangs 2007 sind mit sichtlich viel Spaß dabei. Das kann ihre Trainerin bestätigen. Svitlana Slobodyan führt den Nachwuchs an den Denksport heran. Für die ausgebildete Sportlehrerin stehen die Kinder im Mittelpunkt. Ihre Begeisterung für das Spiel zu wecken, ist ein Anliegen, das der jungen Frau vor allem am Herzen liegt. Nicht nur in Hecklingen. Auch in anderen Schulen des Kreises stößt sie mit ihrem Unterricht auf Zuspruch. Und der ist bei den Kindern umso größer, je mehr sie sehen, das Fortschritte möglich sind.

Jüngst geschehen in Hettstedt. Auf einem Regionalausscheid gingen die Hecklinger gegen andere junge Schachspieler aus dem gesamten Salzlandkreis und dem Landkreis Mansfeld-Südharz an den Start. Rund 70 Teilnehmer waren dabei. Für Hecklingen aus Sicht der Trainerin beachtlich. Denn jede Klassenstufe war im Team vertreten; anders als bei vielen anderen Gruppen, die ausschließlich Profis schickten. Nicht so Hecklingen. Sogar Anfänger aus der ersten Klasse schlugen sich wacker. Umso mehr sind Kinder und Lehrer mit ihrem Ergebnis zufrieden. Von 19 Mannschaften den fünften Platz – das kann sich sehen lassen.

Im Klassenraum werden die Schachpartien fortgesetzt. Die Theorie kommt nicht zu kurz, steht aber keinesfalls im Vordergrund. "Learning by doing" – das Erfolgsrezept beim Aufbau der richtigen Strategie den Gegenüber Schachmatt zu setzen, bleibt kein Geheimnis. "Im Unterricht spielen sie ohne Schachuhr." Dabei schaut die Lehrerin ihren Schützlingen über die Schulter, gibt Hinweise. Und nicht immer treten leistungsgleiche Schüler gegeneinander an. Das komme zwar eher selten vor, aber sei ab und an geeignet, um dem ein oder anderen zu zeigen, wo er spielerisch steht. So sieht er auch, dass es auch Schüler gibt, die noch besser sind.

Und die Vorteile, die der Sport weiter mitbringt, sind altbekannt: "Er fördert Ausdauer, Konzentration und das logische Denken", zählt Svitlana Slobodyan auf.

Die Kinder jedenfalls mögen es. Nicht nur in den Pausen, sondern auch daheim mit der Familie. "Oma und Mama besiege ich fast immer", sagt die kleine Henrike stolz und Moritz freut sich: "Bei uns kann schon die halbe Familie Schach."