Calbe / Schönebeck / Staßfurt. Der Januar 2010 hatte es in sich. Doch viele ältere Menschen empfanden ihn als ganz normal. Eine geschlossene Schneedecke lag den ganzen Monat und liegt noch heute im Februar. Es wurden 23 Eistage, Tage an denen Dauerfrost herrschte, ermittelt. An zehn Tagen war es sehr kalt. So herrschten vom 4. bis 8. Januar Minimaltemperaturen um minus 16 Grad Celsius und vom 23. bis 26. Januar Temperaturen um minus 17 Grad Celsius. Eine Durchschnittstemperatur von minus 4, 45 Grad Celsius ermittelte die Wetterstation von Mark Schröder in Biere.

Dieser Januar gilt als zu trocken

Der Deutsche Wetterdienst meldete für ganz Deutschland eine durchschnittliche Temperatur von minus 3, 7 Grad Celsius. Durch den massiven Kälteeinfluss aus Ost- und Nordeuropa war es bei uns wesentlich kälter als im gesamten deutschen Raum. Legt man das langjährige Mittel von minus 1, 2 Grad Celsius für den Januar zu Grunde, so war es um 3, 3 Grad Celsius viel zu kalt und man lese und staune zu trocken, wenn man sich die Niederschlagskarte betrachtet. Die Werte liegen im Vergleich zum langjährigen Mittel von 70 Millimeter pro Quadratmeter um 40 Prozent niedriger. Paul Grebarsche aus Eickendorf hatte schon andere Niederschlagsextreme gemessen. Im Januar 1987 konnte er 71 Millimeter pro Quadratmeter und im Januar 1990 nur 8 Millimeter pro Quadratmeter messen. Diese Unterschiede treten von Jahr zu Jahr immer wieder auf.

Die Niederschläge im vorigen Monat fielen vorwiegend als Polarschnee oder populärer als Pulverschnee. Doch " Pulverschnee und Sonnenschein " war nicht, denn die Sonne machte sich sehr rar und schien im gesamten Monat nicht einmal 20 Stunden.

Es wurden Schneehöhen von 26 bis 31 cm in der Region gemessen. Bei Verwehungen lagen sie örtlich höher. Allerdings schrumpften sie dann regelmäßig. Überlaufende Dachrinnen und lange Eiszapfen waren an der Tagesordnung.

Der Physiker Dr. Thoralf Winkler aus Elbenau hat dazu eine plausible Erklärung : " Zu einem Problem führt die Schneehöhe immer wieder. Durch die isolierende Wirkung des Schnees verlagert sich die Null-Grad-Grenze in die Schneeschicht hinein. Deshalb taut der Schnee trotz Minusgraden. Da die gefrorenen Dachrinnen das Wasser nicht abführen können, bilden sich an vielen Häusern ganze Reihen von Eiszapfen ". Für die Landwirtschaft ist Schnee wegen des Wärmeschutzes für die Pflanzen und wegen der gespeicherten Feuchtigkeit auf den Äckern vorteilhaft. Im letzten Winter ( 2008 / 2009 ) war das wegen Schneemangels anders. So erfroren einige Ziersträucher und Wintersaaten.

Bei allen Wetterbetrachtungen dürfen wir bei diesem Extremwinter nicht unsere Vogelwelt vergessen. So verfütterte Horst Osterloth aus Hohenerxleben in diesem Winter bereits 60 Kilo Sonnenblumenkerne und viele Kilo ungesalzener Fettflomen an seine hungrigen Gäste.

Wie war der Januar vor 100 Jahren ? Um es vorweg zu sagen : Der Januar vor hundert Jahren ähnelte mehr den meisten Januaren der letzten milden Winter. Wie aus dem Calbeschen Stadt- und Landboten von 1910 zu entnehmen ist : war der Januar 1910 mild, vorfrühlingshaft und hatte keinen " Biss ", also ein totaler Gegensatz zu unserem eisigen Hartung ( Januar ) 2010.

1910 waren die ersten Tage wolkig und mild

Die ersten Tage 1910 waren wolkig und recht mild. Seit dem 7. wurde es etwas kühler und nebliger, teilweise regnete es.

Die Temperaturen blieben immerhin im positiven Bereich. Mit dem 14. Januar wurde es dann noch milder, Regen fiel in Schauern, manchmal wehte der Wind böig. Leichter Frost stellte sich seit dem 20. ein, und es gab einige Schnee- oder Graupelschauer. Der 28. Januar brachte dann wieder einen Wetterumschwung, der an den Monatsanfang erinnerte. Es wurde angenehm mild. Der Januar vor hundert Jahren bildete, wie wir heute wissen, den Auftakt zu einem überdurchschnittlich warmen Jahr 1910. So etwas wie in den vergangenen Jahren gab es also auch schon zu Zeiten unserer Vorfahren.