Von den ersten schwarz-weiß Geräten bis zu den modernsten Flachbildfernsehern. Morgen Abend eröffnet das Kreismuseum in Bad Salzelmen seine Ausstellung " Als die Welt farbig wurde – 40 Jahre Farbfernsehen in Deutschland ". Neben den technischen Aspekten informiert die Ausstellung auch über die politischen Hintergründe.

Schönebeck. Walter Ulbricht wollte 1000 Fernsehgeräte. Zum 7. Oktober 1969, dem 20. Jahrestag der DDR, sollten sie dem Vorsitzenden des Staatsrates symbolisch übergeben werden. Und Staßfurt sollte liefern. Denn dort stand das VEB Fernsehgerätewerk " Friedrich Engels ", der führende Empfängerproduzent der DDR. Und Staßfurt konnte liefern : den " Colour 20 ", der erste Farbfernseher der ehemaligen DDR. Die 20 stand dementsprechend auch für den 20. Jahrestag. Am 7. Oktober 1969 startete das Farbfernsehen in der DDR mit dem 2. DFF-Programm.

Schon zwei Jahre zuvor, am 25. August 1967, war das Farbfernsehen in der BRD auf Sendung gegangen. Willy Brandt hatte den berühmten roten Knopf auf der Internationalen Funkausstellung in West-Berlin gedrückt : Aus Schwarzweiß wurde Farbe.

Für Walter Ulbricht war Brandts Knopfdruck ebenfalls ein Startsignal : Er wollte auf den technischen Vorsprung der BRD aufholen.

Die Geschichte des Farbfernsehens ins Deutschland : Vielfältig, bunt und eben auch ein wenig politisch. Grund genug für das Kreismuseum in Bad Salzelmen, dem Thema eine eigene Ausstellung zu widmen.

Mehr als 20 große Fernsehgeräte hat Initiator Olaf Busch organisiert. Schmuckstück des stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins Kreismuseum ist eine " Colour 20 ". " Diese werden wir zur Ausstellung auch anschließen und kleine Ausschnitte darauf vorführen ", sagt Busch.

Doch die Ausstellung beginnt nicht mit " Colour 20 ", es wird eine Art Vorgeschichte erzählt – in Form von Fernsehapparaten. Von glänzend poliertem Edelholz umhüllt werden auch alte Schwarz-Weiß-Geräte zu sehen sein. Wie die " Elbia ", die in Schönebeck gefertigt wurde. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kamen gewiefte Bastler auf die Idee, alte Wehrmachtstechnik zu Fernsehern umzubauen und gründeten " Elbia " in der Nähe des heutigen Klinikums. In den frühen 1950 er Jahren zog der Betrieb nach Calbe.

Die Ausstellung führt aber auch in die Gegenwart : Noch heute werden in Staßfurt Fernseher produziert – natürlich nur noch Flachbild und einige Designerstücke, die vom Karlsruher Künstler Luigi Colani entwickelt worden sind. Auch diese sind im Kreismuseum zu sehen. " Wir werden im Rahmen der Ausstellung auch Vorträge zu modernen Fernsehern geben ", sagt Olaf Busch. " Wir wollen etwas Klarheit schaffen – auf was muss man beim Kauf eines neuen Geräts achten ?" Die Volksstimme wird diese Vorträge ankündigen.

Auf Schaubildern erfahren Besucher viel Interessantes über die Geschichte und die Entstehung des Farbfernsehens. In Vitrinen kann man selbstgebaute Decoder besichtigen, die DDR-Bürger an ihre Fernsehgeräte angeschlossen haben, um auch West-Programme in Farbe sehen zu können. Die DDR-Regierung hatte sich für das so genannte SECAM-Farbsystem entschieden, während ARD und ZDF in PAL sendeten. Damit wollte man das West-Fernsehen möglichst unattraktiv machen, so als wäre es nur schwarz-weiß. Erst in den 1980 er Jahren schwenkt die DDR auf PAL um und " holte sich so den Klassenfeind in Farbe ins Haus ", sagt Busch scherzhaft.

Am Freitag, 6. November um 19 Uhr wird die Ausstellung im Kreismuseum durch die " Freunde der Staßfurter Rundfunk- und Fernsehtechnik " eröffnet und bis zum 7. Februar 2010 zu sehen sein.