Staßfurt. Der Heimkehrerverband Staßfurt löst sich zum Jahresende auf. Der Vorsitzende Rudolf Nentwig und sein Schriftführer Hans Ungewickell kündigten diesen Schritt jetzt schweren Herzens an. Doch die schwindende Mitgliederzahl macht es einfach erforderlich. " Wir sind noch elf Mitglieder von anfänglich 26 ", erklärt Rudi Nentwig. Und das Ziel, das man sich 1992 stellte, als der Heimkehrerverband Staßfurt gegründet wurde, ist erreicht. Teilweise zumindest. Maximal 1500 Euro hatte man für ehemalige Kriegsgefangene und Spätheimkehrer in Ostdeutschland erkämpfen können, für die jedenfalls, die noch lebten. Die Kameraden in den alten Bundesländern hatten nach Kriegsende bis zu 12 000 D-Mark erhalten.

Dennoch sind die Staßfurter Heimkehrer stolz darauf, überhaupt noch etwas bekommen zu haben. " Bei unserer ersten Beratung, damals trafen wir uns noch im, Schwarzen Ross ‘, hatten wir sehr viele Besucher, die darauf hofften, entschädigt zu werden ", erinnert sich Hans Ungewickell, wie alles begann und der Verband alles daran setzte, die Bundesregierung doch noch dazu zu bewegen, dass auch die Spätheimkehrer im Osten Deutschlands entschädigt werden. Viele warfen danach das Handtuch, als der Erfolg aussichtslos erschien. Das Thema bestimmte dennoch weiter über Jahre jede Mitgliederversammlung.

Rudi Nentwig ( 82 ) und Hans Ungewickell ( 92 ) denken, dass die Staßfurter einen großen Anteil daran hatten, dass sich in Sachen Entschädigung schließlich überhaupt noch etwas tat.

Kleiner Staßfurter

Trupp kämpfte für alle

" Ja, wir haben uns wirklich große Mühe gemacht. Und wir wollen noch einmal daran erinnern, dass der kleine Trupp in Staßfurt nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass alle im Osten noch eine Entschädigung erhielten. "

Besonders große Unterstützung fanden sie im damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Hartmut Büttner und Bürgermeister Martin Kriesel, denen die Senioren bis heute dankbar sind. " Sie standen uns stets zur Seite. " Hans Ungewickell hat nicht gezählt, wieviele Briefe er im Auftrag der Staßfurter Heimkehrer an wieviele hochrangige Politiker in Berlin geschrieben hat. Merkel sei dabei gewesen, Stoiber, Kauder, Küster, Kasparick und Heynemann, sogar Bundespräsident Köhler. " Bis auf Stoiber haben alle geantwortet. "

Akt der Entschädigung kam für viele zu spät

Am 25. Juni 2003 waren die Staßfurter im Innenausschuss des Bundestages, als ein entsprechender Gesetzentwurf behandelt wurde. 2007 wurde endlich das Entschädigungsgesetz beschlossen, am 1. Juli 2008 trat es in Kraft, erinnern sich die beiden Neundorfer. " Der erste Empfänger in Sachsen-Anhalt war unser Mitglied Erich Heidenreich, der elf Jahre in Kriegsgefangenschaft verbracht hat. " Viele ihrer Kameraden haben unterdessen diesen mehr oder weniger symbolischen Akt der Entschädigung nicht mehr erlebt.

Wenn sich die Mitglieder des Heimkehrerverbands Staßfurt am 17. Dezember zu ihrer letzten Weihnachtsfeier treffen und der Verband zum 31. Dezember 2009 aufgelöst wird, blicken sie auch auf ein geselliges Vereinsleben zurück. Dazu gehörten wie erwähnt Weihnachtsfeiern und auch Busfahrten bis in den Spreewald. " 2002 feierten wir unser zehnjähriges Bestehen und zeichneten Kameraden aus ", erinnert sich Rudolf Nentwig. Auch an den ersten Vorsitzenden Heinz Ritter.

So wie es die Gesundheit zulässt, wollen sich Hans Ungewickell und Rudi Nentwig dennoch weiter in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität in Staßfurt mit ihren Kameraden treffen und die Freundschaften pflegen.