Güsten. Zum ersten Mal veranstalteten die evangelische Kirchengemeinde St. Vitus und die katholische Pfarrei St. Marien in Güsten am vergangenen Sonnabend einen " Basar rund ums Kleinkind ". " Es geht in erster Linie darum, einen Ort der Begegnung zu schaffen ", erklärt Karoline Simmering, Pfarrerin der Parochie Güsten, das Anliegen hinter der besonderen Premiere. Heutzutage laufe vieles nebeneinander, die Menschen würden sich in vielen Fällen kaum in ihren Sorgen, Bedürfnissen aber auch Freuden wahrnehmen und aufeinander reagieren. " Hier ist ein Platz, an dem man sich umeinander kümmert ", macht die Pfarrerin klar.

Die Idee zur Veranstaltung entstand im März aus den beiden Kirchengemeinden der Stadt Güsten heraus. Die Ökumene sei hier sehr lebendig, berichtet Pfarrerin Simmering. Sie nennt gemeinsame Martinsfeiern oder den Austausch bei Gemeindefesten. " Das Beste ist, man probiert es einfach, war die Devise für die Börse ", sagt die Geistliche. Anfang August starteten die Gemeinden den Aufruf. Vier Wochen später war die Anmeldefrist vorbei. Anfang September war klar, die Warentische werden übervoll. So wurden viele Dinge für kleinere und kleinste Kinder angeboten – Kleidung, Schuhe, Spielzeug, Kinderwagen, Ausstattung. Für kleines Geld konnten die Besucher die Ware kaufen. Das Angebotssystem war anonymisiert, die Käufer konnten nicht nachvollziehen, von wem die Dinge kommen. " Die eigentlichen Akteure sind die Eltern, wir kümmern uns lediglich um die Rahmenbedingungen. " Bis zu sieben Freiwillige halfen den gesamten Tag über in der Diakonie und standen als Ansprechpartner zur Verfügung. Und mit der Resonanz sind die Initiatoren, fast ein bisschen überrascht, hoch zufrieden. Verkäufer kamen aus Güsten, Staßfurt, Hohenerxleben, Schackstedt, Amesdorf oder Rathmannsdorf. Das Angebot – so der erklärte Wille – sollte Bezug nehmen auf die Bedürftigkeiten vieler. Familien, die nicht genug Geld hätten. Aber nicht nur das. Kinder, das wussten die Beteiligten, wachsen schnell aus ihrer Kleidung heraus. Ständig neue Sachen kaufen zu müssen, könne zu einer enormen finanziellen Belastung der Eltern führen. Auch für diese Väter und Mütter wollte man da sein. " Die diakonische Arbeit der Kirche, auf die sich ja der Kleiderbasar gründet, bedeutet, im geschützten Rahmen Menschen zu helfen, die sich helfen lassen wollen. Das hat im Grunde gar nichts mit dem sozialen Status zu tun. Kein Mensch ist zum Beispiel heutzutage vor Arbeitslosigkeit geschützt Viele geraten auch ohne jegliches Zutun in schwierige Lagen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Menschen zu Kinderkleiderbasaren kommen, die gerne gut erhaltene gebrauchte Kleidung oder auch andere Dinge kaufen –denn diese sind neu oft sehr preisintensiv, zudem wachsen die Kinder schnell aus der Kleidung heraus oder haben kein Interesse mehr an vormals attraktiven Spielzeugen. Hier eine Möglichkeit des Austauschs zu bieten ist eins der Anliegen des Basars ", sagt die Pfarrerin.

Doch nicht nur der Handel stand im Mittelpunkt des Tages im Haus der Diakonie. Es gab auch einen Kuchenbasar und Kreativangebote für die Kleinsten.

Der Erlös des Tages geht zurück an die Anbieter, einen kleinen Teil bekommt die Vitusgemeinde, die damit die Arbeiten an ihrem neuen Gemeinderaum voranbringen kann. Die Gemeinden überlegen jetzt, den Tag mindestens einmal in jedem Jahr wieder durchzuführen.