Amesdorf. Die Kraftfahrer, die gestern Amesdorfs Ortsteil Warmsdorf passierten, rieben sich verdutzt die Augen, denn auf den nagelneuen Ortseingangsschildern findet sich nun unter dem Namen die Mitteilung, dass die Gemeinde zur Stadt Staßfurt gehört. " Haben uns unsere Gemeindeväter etwa über ‘ s Ohr gehauen ? Haben sie nach dem langen hin und her mit Güsten über eine Eingemeindung zum 1. Januar 2010 nur zum Schein verhandelt, um am Ende doch den Vorteilen von Staßfurt zu erliegen ?

" Es bleibt dabei : Wir gehen definitiv mit Güsten zusammen ", stellte Amesdorfs Bürgermeister Wolf Beinroth gestern klar. Aus seiner Sicht handelt es sich hier um einen Fehler der Straßenmeisterei des Landes, die für die Beschilderung der durch Warmsdorf führenden Landesstraße 72 verantwortlich ist. Diese habe sicherlich vor ein bis zwei Jahren, als noch offen gewesen sei, ob sich die Gemeinde Amesdorf / Warmsdorf von Staßfurt oder Güsten eingemeinden lässt, die künftige Beschilderung der Ortseingänge aufgenommen und nun offensichtlich umgesetzt.

Landkreis- und Stadtverwaltung wiesen gestern jede Schuld von sich.

Der Chef der Straßenmeisterei Aschersleben, Guido Soika, konnte sich nicht erklären, wieso die Schilder in Warmsdorf von seinen Mitarbeitern ausgetauscht wurden. " Der Kollege, der diese Frage beantworten kann, kommt erst am 27. September wieder ", sagte er. Soika sicherte zu, die alten Ortseingangsschilder wieder anbringen zu lassen und dann erst nach der erfolgten Eingemeindung in Richtung Güsten wieder zu ändern. Die Tafeln mit der Aufschrift " Stadt Staßfurt " will er aber trotzdem aufheben. " Wer weiß, was bis Januar passiert. Die politischen Entscheidungen sind nicht immer nachvollziehbar ", sagte Soika mit einem Schmunzeln.

Güstens Bürgermeister Helmut Zander ( SPD ) konnte über den " Schildbürgerstreich " gestern gar nicht lachen. " So etwas darf einfach nicht passieren ", sagte er. Für ihn ist dieser Vorfall ein Zeichen dafür, " dass wir scheinbar noch zu viel Geld haben ".

Auch " Saale-Wipper " -Verwaltungsleiter, Steffen Globig, äußerte sich verwundert über den völlig unsinnigen Schilderwechsel, zumal sich die Warmsdorfer bei der Bürgeranhörung noch stärker als die Amesdorfer für eine Eingliederung ihres Ortes in die Stadt Güsten ausgesprochen hatten.

" Das Ganze ist aber nicht nur lustig. Das kostet auch unnütz Geld ", gab Globig zu bedenken.

Aus seiner Sicht handelt es sich hier wohl um das letzte Aufbäumen der Staßfurt-Befürworter. " Hier war vielleicht der Wunsch Vater des Gedankens ", so Globig nicht ganz ernst gemeint. Er geht davon aus, dass dieses Kuriosum in die Chronik eingehen wird.

Zugleich schlug er vor, den Staßfurtern eine der beiden historisch wertvollen Ortseingangstafeln am 31. Dezember als Abschiedsgeschenk zu überreichen.

Für den Fall, dass es nicht dazu kommen sollte, hat Staßfurts Oberbürgermeister René Zok ( parteilos ) gestern sozusagen als kleinen Trost schon mal selbst ein paar Fotos gemacht.