" Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz " dumm " wird ( alte Übersetzung ), womit soll man salzen ? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und es von den Leuten auf der Straße zertreten wird.

Ihr seid das Licht der Welt. Die Stadt, die auf dem Berge liegt, kann nicht verborgen sein. Auch zündet man nicht ein Licht an und stellt es unter einen Eimer, sondern man stellt es auf einen Leuchter, damit es allen leuchtet, die im Hause sind. " ( Evangelium nach Matthäus, Kap. 5, Verse 13-15 ).

Salz gehört zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit, dringend gebraucht zum Würzen und Konservieren.

Mohandas Karamchand Gandhi, der tief religiöse Lehrer Indiens, hat die übermächtige britische Kolonialmacht auf friedlichem Wege zur Aufgabe ihrer Herrschaft über den Subkontinent veranlasst : Er ließ seine Anhänger mit großen Tüchern Salz aus dem Meer schöpfen und brach so das Salzmonopol der Briten. Was aber das Salz " adelt ", sind die Zusätze, das Mineral pur ist ungenießbar.

" Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzt ", mahnt der Apostel die Christen in Kolossae ( Kap-4, V. 6 ).

Licht lernt man schätzen in dunkler Zeit, dann kommt die Sehnsucht nach diesem Urelement des Lebens in uns auf.

Der kleine elfjährige Junge, der seinen morgendlichen Schulweg zu Fuß im Winterhalbjahr machen musste, als die Uhren auf Moskauer Zeit auch in der Ostzone gestellt waren, weiß wovon er spricht.

Bei nachmittäglicher Stromsperre und Kerzenlicht mussten die lateinischen Vokabeln und Geschichtszahlen der Völkerwanderung gelernt werden, — und doch war jene Zeit nach dem Krieg eine von innen erhellte, wenn ich mich an die abendlichen Gesprächsbeiträge der Eltern erinnere.

" Hier ist ein grundsätzlicher Sinneswandel gefordert,

eine echte Umkehr "

Da war dann die Rede von Jesus Christus als dem " Licht der Welt " ( Johannesevangelium ) nichts Fremdes. Dieses Licht beginnt dem aufzugehen und zu scheinen, der sich auf ihn, Christus, einlässt, sein eigenes Leben von ihm erhellen lässt.

Denn er ist einer, den man in der Tat kennen und lieben lernen kann, indem man nämlich beginnt, auf sein Wort zu hören und nicht auf die eigenen Vorurteile.

Der geistliche Reichtum des Neuen Testaments beruht gerade darauf, dass so viele ihrer Lebenserfahrung und Auffassungsweise nach ganz unterschiedliche Menschen sich auf diesen Jesus eingelassen haben. Eben in der Vielfalt der Schilderungen bekommt diese einzigartige nicht nur der " Historie " zugehörige prophetische Gestalt Konturen, die unverwechselbar sind, um eine Wirkung, die bis heute anhält.

Es gibt allerdings nicht trägeres als unsere Menschenwelt, in die hinein er geboren wurde.

Darin liegt unsere Tragik begründet, unser geschichtliches Versagen. " Die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht " ( Evangelium nach Johannes 3, Vers 19 ). Das klingt beschämend und ist doch wahr.

Hier ist ein grundsätzlicher Sinneswandel gefordert, eine echte Umkehr.

Genau diese mutet Christus uns zu, und zwar an dieser Stelle nicht wie bei Markus 1, 15 in direkter Rede und Aufforderung (" Tut Buße und glaubt an das Evangelium !"), sondern durch die erstaunliche Feststellung " Ihr seid das Licht der Welt " und die " Stadt auf dem Berge ".

Und er hält es für möglich, dass wir uns diese seine Feststellung zu eigen machen. Ich finde darin eine große Ermutigung.

Bitten wir den HERRN also um die Vollmacht und Kraft, zu werden wie er uns bereits sieht : Träger des Lichts, das ER selbst ist. Amen.