Mit dem IBA-Projekt "Neugestaltung der historischen Mitte" in Staßfurt bewerben sich die beiden Architekten Winfried Häfner und Jens Betzke aus Berlin um den mit 15000 Euro dotierten Deutschen Städtebaupreis 2012.

Staßfurt l Damit werden städtebauliche Projekte prämiert, die sich durch nachhaltige und innovative Beiträge zur Stadtbaukultur auszeichnen. Sie sollen den aktuellen Anforderungen an zeitgemäße Lebensformen ebenso Rechnung tragen wie den Herausforderungen an die Gestaltung des öffentlichen Raums, dem sparsamen Ressourcenverbrauch sowie den Verpflichtungen gegenüber der Orts- und der Stadtpflege.

Ob die völlig umgestaltete Staßfurter Innenstadt mit dem neuen Stadtsee und der Brücke in Verlängerung der Kottenstraße diesen Kriterien entspricht, davon überzeugte sich gestern das Mitglied der siebenköpfigen Jury, Landschaftsarchitektin Martina Voser aus Zürich, persönlich in Staßfurt. Dabei wurde sie von Oberbürgermeister René Zok, den beiden Architekten sowie Horst Müller von der Landesentwicklungsgesellschaft SALEG, der die Altstadtsanierung in Staßfurt betreut und das Projekt seit fast 15 Jahren verfolgt hatte, begleitet.

Wie Martina Voser informierte, befinden sich insgesamt 17 aus ganz Deutschland eingereichte Projekte im Rennen um den Deutschen Städtebaupreis 2012. Dass Staßfurt mit dazu gehöre, sei eine ganz große Ehre für die Stadt, sagte die Züricherin.

Auf die Frage, wie die Chancen der Salzstadt stehen, antwortete Martina Voser diplomatisch: "Das Projekt in Staßfurt ist bei allen auf großes Interesse gestoßen. Wir waren in der Jury einstimmig der Meinung, dass es in der ersten Runde angeschaut werden muss." Die Objekte, die nach einer Vorauswahl in die engere Wahl gekommen seien, werden von einem Jurymitglied vor Ort besichtigt. Danach nominiert die Jury in einer zweiten Sitzung diejenigen Bewerber, denen sie den Deutschen Städtepreis 2012 beziehungsweise den parallel dazu mit 5000 Euro ausgestatteten Sonderpreis sowie weitere Auszeichnungen zuerkennen will.

Eine Vorhersage für Staßfurt zu treffen sei angesichts der vielen eingereichten Bewerbungen schwierig. Die Bekanntgabe der Preisträger erfolge im Oktober in einem festlichen Rahmen voraussichtlich in Berlin, sagte die Jurorin. Sie interessierte sich gestern Mittag am Stadtsee besonders für die Konzeption, die der Umgestaltung des ehemaligen Wendelitz-Geländes zugrunde gelegen hatte, sowie dafür, wie die neue Mitte in Staßfurt gelebt wird.

Müller informierte die Landschaftsarchitektin darüber, dass in Folge der ersten Kalischächte der Welt, die in der Stadtmitte geteuft wurden, ein Bergsenkungsgebiet von 200 Hektar entstand war. Durch die Senkungen von teils mehr als sieben Meter habe man rund 800 Gebäude, darunter auch das Rathaus und die Kirche abbrechen müssen. Der SALEG-Mitarbeiter bezeichnete es als großen Verdienst der Internationalen Bauausstellung, für die Revitalisierung der Innenstadt eine völlig neue Diskussionskultur unter Einbeziehung der Bürger geschaffen zu haben. Zok verwies darauf, dass die neue Mitte in das Stadtleben einbezogen und von den Bürgern angenommen werde, zum Beispiel beim Salzlandfest oder bei Staßfurt in Flammen. Er würde sich freuen, wenn dort jährlich einmal auch ein Gottesdienst an den Resten der alten Johanniskirche stattfinden würde.

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