• 19. April 2014



Sie sind hier:



Klassentreffen des Abiturjahrganges von 1952 im Staßfurter Dr. Frank-Gymnasium


60 Jahre nach dem Abitur bringen die Gedanken des Einen die Erinnerungen des Anderen hervor

12.10.2012 02:13 Uhr |


Von Karolin Aertel


60 Jahre Abitur: Zum Jubiläums-Klassentreffen trafen sich am Mittwochnachmittag 18 der einst mehr als 50 Schüler des Abiturjahrgangs von 1952 im Dr. Frank-Gymnasium. Als die Damen und Herren noch zur Schule gingen waren Karl Benkert und später Gustav Hinkelmann ihre Direktoren.

60 Jahre Abitur: Zum Jubiläums-Klassentreffen trafen sich am Mittwochnachmittag 18 der einst mehr als 50 Schüler des Abiturjahrgangs von 1952 im Dr. Frank-Gymnasium. Als die Damen und Herren noch zur Schule gingen waren Karl Benkert und später Gustav Hinkelmann ihre Direktoren. | Foto: Karolin Aertel 60 Jahre Abitur: Zum Jubiläums-Klassentreffen trafen sich am Mittwochnachmittag 18 der einst mehr als 50 Schüler des Abiturjahrgangs von 1952 im Dr. Frank-Gymnasium. Als die Damen und Herren noch zur Schule gingen waren Karl Benkert und später Gustav Hinkelmann ihre Direktoren. | Foto: Karolin Aertel

18 Ehemalige des einst mehr als 50 Schüler umfassenden Abiturjahrganges von 1952 trafen sich am Mittwoch in der Aula des Dr. Frank-Gymnasiums, um ihre Erinnerungen an die "Penne" aufzufrischen.

Anzeige

Staßfurt l Eine Schulzeit im Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg, die Kapitulation der Deutschen und die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik - die Absolventen des Abiturjahrganges von 1952 durchlebten in ihrer Kindheit und Jugend ein politisches Wechselbad. 60 Jahre nach ihrem Abschluss besuchten 18 der einst über 50 Absolventen ihre frühere Schule - das heutige Dr. Frank Gymnasium. In dem anmutend-historischen Ambiente der Schul-Aula kamen die Absolventen mit jungen Schülern ins Gespräch. Woran sie sich nach so langer Zeit noch erinnern, wollten die Schüler von ihnen wissen.

"Nun zu guter Letzt" war ein Lied, das vor gut 60 Jahren traditionell zum feierlichen Abschied der Absolventen gesungen wurde. Wolfgang Einbrodt (vorn, am Klavier) konnte sich noch sehr gut daran erinnern. Der alten Zeiten Willen hat er den Text für seine damaligen Mitschüler kopiert und mitgebracht. Gemeinsam stimmten die 18 zum Klassentreffen erschienenen Absolventen das Lied an, dessen Text von Hoffmann von Fallersleben und dessen Melodie von Felix Mendelssohn-Bartholdy stammt. Wolfgang Einbrodt begleitete den musikalischen Ausflug in die Vergangenheit am Klavier.

"Nun zu guter Letzt" war ein Lied, das vor gut 60 Jahren traditionell zum feierlichen Abschied der Absolventen gesungen wurde. Wolfgang Einbrodt (vorn, am Klavier) konnte sich noch sehr gut daran erinnern. Der alten Zeiten Willen hat er den Text für seine damaligen Mitschüler kopiert und mitgebracht. Gemeinsam stimmten die 18 zum Klassentreffen erschienenen Absolventen das Lied an, dessen Text von Hoffmann von Fallersleben und dessen Melodie von Felix Mendelssohn-Bartholdy stammt. Wolfgang Einbrodt begleitete den musikalischen Ausflug in die Vergangenheit am Klavier. | Foto: Karolin Aertel "Nun zu guter Letzt" war ein Lied, das vor gut 60 Jahren traditionell zum feierlichen Abschied der Absolventen gesungen wurde. Wolfgang Einbrodt (vorn, am Klavier) konnte sich noch sehr gut daran erinnern. Der alten Zeiten Willen hat er den Text für seine damaligen Mitschüler kopiert und mitgebracht. Gemeinsam stimmten die 18 zum Klassentreffen erschienenen Absolventen das Lied an, dessen Text von Hoffmann von Fallersleben und dessen Melodie von Felix Mendelssohn-Bartholdy stammt. Wolfgang Einbrodt begleitete den musikalischen Ausflug in die Vergangenheit am Klavier. | Foto: Karolin Aertel

Die Erinnerungen, die dabei zu Tage kamen, waren vielfältig, aufschlussreich, bisweilen sogar schockierend. So erinnerten sich beinah alle an ein junges Mädchen aus der damaligen Wachtelstraße (heute Langestraße), dass kahlgeschoren im offenen Wagen in einem Käfig durch die Stadt gefahren wurde; vorweg der Fanfarenzug. An den Seiten des Wagens habe so etwas gestanden wie "wer so ein Schandfleck, wie ich ist, gehört in Deutschland auf den Misthaufen". Der Grund: Das Mädchen hatte eine Liebschaft mit einem polnischen Fremdarbeiter, die damals auf den Bauerhöfen in und um Staßfurt arbeiten mussten. Wie später bekannt wurde, sei der Vater des Mädchens in ein Konzentrationslager gekommen. Die Familie habe Kellermann geheißen, meinen sie.

Hanno Knoppe erinnert sich daran, dass er als Kind an der Panzerfaust ausgebildet worden war. "Man hat von uns erwartet, dass wir in der Berliner Straße sitzen und die feindlichen Truppen unter Beschuss nehmen", erzählt er. Doch soweit sei es glücklicherweise nicht gekommen, denn wenn er sich recht erinnere, habe ein Herr Adam am 12. April 1945 weiße Laken an das Fenster gehängt. "Es ist möglich, dass der Herr Adam dadurch Staßfurt gerettet hat", erzählt er und verweist darauf, dass wenige Tage vorher Halberstadt in einer ähnlichen Situation war und in Schutt und Asche gelegt wurde. "Das Schicksal hätte uns auch geblüht. Wir waren besorgt, weil Staßfurt ja eine Lazarettstadt war."

Karl-Heinz Hartung erinnerte sich derweil an die Ankunft der Schotten, die mit den Amerikanern kamen: " Die logierten im Bahnhofshotel und wir waren so neugierig. Keiner hatte ja vorher Männer in Röcken gesehen."

"Das war eine Zeit, in der ein Perserteppich gegen einen Sack Kohle getauscht wurde"

Elenor Rudolph (geborene Pielert) erinnert sich daran, dass sie als Schülerin Unmengen an Heilkräutern sammeln mussten und dass viele Menschen die Kohle von Güterwagen geklaut haben. "Das war eine Zeit, in der ein Perserteppich gegen einen Sack Kohle getauscht wurde."

Hans Georg Knoche erinnert sich daran, dass er Rüben verziehen musste: "Sie müssen sich vorstellen, man hat eine Reihe zu verziehen deren Ende nicht in Sicht war und dafür gab es dann eine Mark am Ende des Tages. Erwachsene mussten täglich zwei Reihen verziehen und bekamen dafür zwei Mark", erzählt er. Dass vor allem auch Altpapier gesammelt werden musste, daran denkt Alfred Trippo zurück, dessen Vater eine Druckerei in Staßfurt besaß.

"Es kamen Fragen in der Prüfung ran von Themen, die wir nie gelernt hatten"

Auch an den ein oder anderen Lehrer erinnerten die Absolventen sich, ebenso wie an die Tatsache, dass sie der erste Jahrgang waren, der gewissermaßen ein Zentralabitur ablegen musste. In den Fächern Deutsch, Mathe und Russisch habe es einheitliche Fragen gegeben, die auch die Lehrer nicht kannten, was zur Folge hatte, dass eine 3,4 die beste Note war. "Es gab ja keinen einheitlichen Lehrplan, ganz im Gegenteil, die wechselten jährlich. Es kamen Fragen von Themen in der Prüfung ran, die wir nie gelernt hatten", erinnert sich Sibylle Bries (geborene Crampe).

Und so reihte sich Erinnerung an Erinnerung. Die Gedanken des Einen brachten die Gedanken des Anderen hervor und aus dem Klassentreffen wurde eine Geschichtsstunde, die gut und gerne noch hätte Stunden dauern können. Jedoch stand auch noch ein Rundgang durch das Schulgebäude auf dem Programm, was das kollektive Zurückblicken zumindest in der Aula beendete.



Kommentare 0 Kommentare


Dokumenten Information
Copyright © Volksstimme 2014
Dokument erstellt am 2012-10-12 02:13:56
Letzte Änderung am 2012-10-12 02:13:56

Newsletter kostenlos abonnieren und keine Nachricht mehr verpassen!


Der Volksstimme.de-Newsletter: Das Wichtigste vom Tage kostenlos per E-Mail. Bitte tragen Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein und klicken anschließend auf "Absenden" (Mit dem Eintragen und Abschicken Ihrer E-Mail-Adresse haben Sie unsere Datenschutzbestimmungen akzeptiert.):
Hier E-Mail-Adresse eintragen


Sicherheitscode



Newsletter abonnieren


Volksstimme.de weiterempfehlen



Sie vermissen einen Artikel?


Die Volksstimme komplett als E-Paper

Bestellen Sie sich jetzt die tagesaktuelle Ausgabe der Volksstimme bequem als digitales E-Paper für nur 1,00 Euro in unserem Onlinekiosk.


Anzeige

Staßfurt


Anzeige

Lokales



Stellenangebote in der Region Staßfurt

Stellenanzeigen in der Region Staßfurt Sie suchen eine neue Stelle oder einen neuen Job in Staßfurt und Umgebung? In unserem Stellenmarkt finden Sie aktuelle Stellenangebote.
Stellenanzeigen in der Region Staßfurt finden

Immobilien und Wohnungen
in der Region Staßfurt

Immobilienanzeigen in der Region Staßfurt Ob Wohnungen, Häuser, Grundstücke, Gewerbe - aktuelle Angebote für Staßfurt und Umgebung finden Sie im Immobilienmarkt.
Immobilien in der Region Staßfurt finden

Fahrzeugangebote in der Region Staßfurt

KFZ-Anzeigen in der Region Staßfurt Auto, Motorrad, Transporter - suchen Sie ein neues Fahrzeug? In unserem KFZ-Markt für Staßfurt und Umgebung finden Sie die aktuellen Angebote.
KFZ-Anzeigen in der Region Staßfurt finden

Trauerfälle in der Region Staßfurt

Traueranzeigen in der Region Staßfurt Traueranzeigen, Danksagungen, Nachrufe und Gedenkanzeigen zu Trauerfällen in Staßfurt und Umgebung finden Sie in unserem Trauermarkt.
Traueranzeigen in der Region Staßfurt

Volksstimme Branchenbuch: Unternehmen aus Staßfurt





Bilder aus Staßfurt


"Krah Krah" in Neundorf

Neundorf (dw) "Krah Krah" ist der Ruf beim Neundorfer Karneval ... jetzt hallte er zum ersten Mal... weiterlesen


09.02.2014 19:10 Uhr
  • Kamera


Weitere Bildstrecken

Lokalsport


Celina Müller hilft im Tor aus

Die weibliche B-Jugend des HC Salzland 06 fuhr in der Handball-Bezirksliga einen deutlichen 28:17... weiterlesen


17.04.2014 00:00 Uhr


Steigerung wird nicht mit Sieg belohnt

Wefensleben (sro/chj) l Die weibliche F-Jugend des HC Salzland 06 hatte eine weite Reise vor sich:... weiterlesen


17.04.2014 00:00 Uhr


Atzendorfer stolz auf vierten Rang bei Meisterschaft

Volleyball l Atzendorf (nbr/chj) Inspiriert vom Gedanken, aus der Außenseiterrolle heraus einen Tag... weiterlesen


17.04.2014 00:00 Uhr


Tobias Deutscher trifft in letzter Sekunde
Wacker Westeregelns Steven Mack (beim Wurf) markierte elf Treffer gegen Ilsenburg und war neben Tobias Deutscher der Matchwinner beim umkämpften Unentschieden.

Mit einer dünn besetzten Bank reiste Handball-Verbandsligist Wacker Westeregeln zum HV Ilsenburg und... weiterlesen


16.04.2014 00:00 Uhr


Candy Riedel und Volker Link besiegeln Klassenerhalt
Candy Riedel (l.) und Volker Link sicherten im Entscheidungsdoppel den Klassenerhalt für Bode Löderburg II.

Löderburg (lde/chj) l Mit einem wichtigen 9:7-Sieg über G-W Klein Mühlingen sicherte sich die zweite... weiterlesen


16.04.2014 00:00 Uhr


Kinoprogramm


Das aktuelle Kinoprogramm für Ihre Region.
weiter

Neueste Leserkommentare


Ich glaube, dass das keine überzogene Darstellung ist. So und viel schlimmer wird die geplante Polizeireform die Einsätze bestimmen. Nicht nur in Blankenburg, sondern im ganzen Land wird sich die Situation verschlimmern. Die Kriminalität wächst, die Verkehrssituation auf den Straßen wird wird auch ständig brisanter und die Polizisten hetzen von einem Tatort zum anderen Verkehrsunfall im 100 km entfernten Einsatzort. Darunter leiden müssen die weiteren Einsatzkräfte wie Feuerwehr und Rettungsdienst und natürlich die Bevölkerung, also die Geschädigten. Gespart wird an an den falschen Stellen,nur nicht an den Diäten.

von Leser1102 am 18.04.2014, 20:49 Uhr

Wie gut ausgebaut war mal die Leipziger Str.? 2spurig inkl. Gleise in Mittellage pro Richtung. Heute - Zick-zacktour und alle paar Meter eine Verkehrsflussverhindererampel. Den größten Bock schiesst dabei die Ampel am Südfriedhof ab. Das was dort geschieht grenzt schon fasst an Nötigung der Autofahrer zum Verkehrsvorteil der Strassenbahn. Das Grün am Südfriedhof ist dann so außer Takt das dann an der Kreuzung wieder zwangsgehalten werden muss wegen Strassenbahnhalt am Südfriedhof. Wenn so dann die Große Diesdorfer Str. zerhackstückelt werden soll nur damit die MVB ihre Haltestelleninseln bekommt, dann gute Nacht.

von joergimd am 18.04.2014, 18:21 Uhr

Weitere Leserkommentare

Meine Klasse von ...


Hier Klassenfotos ansehen und hochladen!
Hier klicken!

Rund um die Volksstimme


Facebook



Sudoku spielen


Sudoku spielen auf Volksstimme.de. Hier klicken.

Anzeige
Anzeige
Nutzerlogin

Loggen Sie sich auf Volksstimme.de ein, um

- kostenlos den Volksstimme.de-Newsletter zu abonnieren
- Artikel auf Volksstimme.de zu kommentieren
- Ihre eigene Startseite (Nachrichtenbereich) zu gestalten

Sind Sie noch kein Nutzer auf Volksstimme.de? Dann registrieren Sie sich doch einfach und kostenlos!

Für die Anmeldung müssen Cookies in Ihrem Browser aktiviert sein.
Wichtiger Hinweis für Volksstimme.digital-Nutzer: Bitte nutzen Sie diesen Link oder klicken Sie auf E-Paper Login in der oberen Navigation

Benutzername: Passwort:

Jetzt anmelden Passwort vergessen