Stendal l "Ihr erstes Wort dürfte Paparazzi sein", merkte Assistenzarzt Quassem Massri gestern schmunzelnd an, als ein Blitzlichtgewitter über Carla, Fiona und Leonard hereinbrach. Das Medieninteresse war verständlich - Drillinge sind nicht nur in der Stendaler Klinik keine Alltäglichkeit.

Die Wahrscheinlichkeit einer Drillingsgeburt liege deutschlandweit lediglich bei 0,01 Prozent, berichtet Hans-Peter Sperling, Chefarzt der Kinderklinik. Das heißt, jede 10.000. schwangere Frau bringt Drillinge zur Welt. Zwillinge hingegen gebe es, so der Chefarzt, im Durchschnitt bei jeder 80. Geburt. Kein Wunder also, dass Sperling von einer "tollen Sache für uns" spricht. Während die Uni-Klinik in Magdeburg in der Regel zwei Drillingsgeburten pro Jahr verzeichnet, sei das in Stendal "alle zehn Jahre mal der Fall". Sperling erlebte allerdings "schon" die zweite Drillingsgeburt binnen 61 Monaten. "Seit November 2008 arbeite ich in Stendal, einen Monat später hatten wir dann eine Drillingsgeburt", erinnert sich der Chefarzt.

In ein oder zwei Wochen geht es nach Hause

Als tolle Sache empfinden der Chefarzt und sein Team die Ankunft der Drillinge auch, weil die Geburt komplikationslos und ohne Dramatik verlief. Dass Carla, Fiona und Leonard per Kaiserschnitt acht Wochen vor dem Termin auf die Welt geholt wurden, ist bei Mehrlingsgeburten nichts Außergewöhnliches. Zwei Kinder brachten je 2110 Gramm auf die Waage, das dritte 2120 Gramm.

"Es war natürlich eine logistische Herausforderung", erläutert Sperling. So könne vor allem bei Frühchen die Atmung aussetzen - dann müsse sofort reagiert werden. Und natürlich musste die Klinik gleich dreifach für den Fall der Fälle gewappnet sein.

So setzte sie drei sogenannte Erstversorgungsteams ein. Die meisterten Geburt und die Betreuung kurz danach. "Seit Montag sind die Kinder aus dem Inkubator raus. Ihnen geht es gut", schätzt Sperling ein, der die enge Zusammenarbeit mit Oberarzt Alexander Neumann, Spezialist für Geburtsmedizin, hervorhebt.

Das freut auch die glückliche Mutti. "Als ich erfuhr, dass wir Drillinge bekommen, war ich natürlich überrascht. Es ist ein schönes Geschenk", sagt die Frau, die wie ihr Mann nicht allzuviel über ihr Privatleben preisgeben möchte. Sie verrät lediglich, dass sie in ei- nem Dorf im Tangermünder Raum zu Hause sind und ihr Dreifachnachwuchs eine Schwester hat.

Viele lobende Worte finden die Eltern für die Kinderklinik und die dortige Geburtshilfe. Ihre Entscheidung für die Frauen- und Kinderklinik sei "goldrichtig" gewesen, habe sie doch ein "tolles Team". "Wir lassen unsere Kinder mit einem sehr guten Gefühl in der Obhut der Frühchenstation", sagen die Eltern.

In ein bis zwei Wochen, sagt Chefarzt Sperling, dürfen Carla, Fiona und Leonard voraussichtlich nach Hause.