Hinter dem Musikforum gibt es diesen kleinen, verwaisten Hof. Nur der alte Roland lagert hier in Bestandteilen in einem Schuppen. Ab Mai soll es belebter werden - dank einer neuen Kulturinitiative.

Stendal l Noch ist das Zwitschern der Vögel im Geäst umstehender Bäume das einzige Geräusch, das den kleinen Hinterhof am Musikforum Katharinenkirche erfüllt. Höchstens noch das Rascheln alten trockenen Laubes, wenn mal ein Mitarbeiter des Altmärkischen Museums oder des Musikforums hier zu tun hat. Ansonsten aber ist es ein eher stiller, unbelebter Ort. Und ein bisschen ein vergessener und unentdeckter. Fand der Musiker Max Heckel und hatte auch gleich eine Idee, wie sich daraus etwas machen ließe.

"Der Kulturelle Hinterhof" heißt diese Idee und wird ab Mai Folkloristen, Liedermacher, Kleinkünstler, Schauspieler, Zauberer und viele andere hier auf die Bühne bringen. Ein Veranstaltungsformat, mit dem Heckel (27) vor allem das Liedermacher- und Alternativtheater-Genre bedienen möchte. "Das fehlt hier in der Region. Es soll nicht unbedingt hochkarätig oder gar elitär zugehen, sondern vor allem erbaulich, in einem kleinen illustren Rahmen, wobei Künstler und Publikum auch in Kontakt kommen können."

Den Auftakt zu dieser neuen Veranstaltungsreihe, für die Initiator Heckel ohne großes Überreden auch Museumsleiterin Gabriele Bark und die Stadtverwaltung schnell auf seiner Seite hatte, macht Max Heckel samt seiner Band "Nobody Knows" am 9. Mai gleich selbst - und zwar mit deren neuem, etwas ruhigerem Lyrikprogramm. Es folgen ein Zaubererauftritt zur Kulturnacht, die Bands "Chapeau" und "Sally Gardens" und ein Gastspiel des Theaters der Altmark.

Ein Forum für heimische Kulturschaffende

Auch wenn es der Titel "Kultureller Hinterhof" vielleicht nahelege, aber Kultur solle damit nicht an einen abseitigen Ort verbannt werden, sagt Max Heckel. "Eher soll der Name alles andere als das aussagen: Dass nämlich auch dort, wo man es nicht vermuten mag, kulturelles Treiben auflebt." Insbesondere heimische Bands und Kulturschaffende sollen eine Bühne finden. Die gibt es dabei nicht nur bildlich, sondern ganz konkret. "Eine kleine Holzbühne wird aufgebaut, umrahmt von rotem Stoff", sagt Heckel, der dafür tatkräftige Unterstützung von Mario Kreibe bekommt.

Und mal angenommen, das Publikum mag den "Kulturellen Hinterhof" und Heckels Plan geht auf, dann will er auch seine Vision von Museumsprojekten für Kinder und Jugendliche umsetzen, historisches Handwerk wie Drechseln oder Papierschöpfen anbieten. Auch Puppentheater wäre eine Sparte, die Max Heckel hier gern verwirklicht sähe.

Fürs Erste jedoch sind er und Gabriele Bark gespannt darauf, wie diese Idee beim Publikum ankommt. "Ich finde es schön, dass hier etwas Kleines, Feines angeboten wird, und auch dass dieser Hof damit belebt wird", sagt Bark. "Die Leute können so wieder einen unbekannten Ort in Stendal entdecken."

http://derkulturellehinterhof.de