Der Tangermünder Heinz Adloff fand erst recht spät zu den Tauben. Nun sind die Vögel aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken.

Tangermünde l Heinz Adloff und seine Tauben sind über die Grenzen Tangermündes hinaus bekannt. Zu vielen Gelegenheiten lässt er seine weißen Vögel in den Himmel steigen. Ob auf Schul- oder Kindergartenfesten, Hochzeiten oder runden Geburtstagen - Adloff und seine Tauben, die nach dem Auflassen am Himmel ihre Kreise ziehen, sind Höhepunkt vieler Veranstaltungen, bringen vor allem Hochzeitspaaren Glück. Die Feiernden genießen den Anblick, Adloff genießt es, Freude bereitet zu haben.

Zu den Tauben fand der Tangermünder allerdings erst recht spät. In jungen Jahren hatte er sich dem Hundesport verschrieben, bildete Schäferhunde zu Fährtenhunden aus. Krankheitsbedingt musste er diese Passion an den Nagel hängen. Ziertauben hielt er zu dieser Zeit allerdings schon in einer Voliere. Sein Freund Manfred Tüngler infizierte ihn nun mit dem Taubensport-Virus, Adloff wurde Anfang der 80er Jahre Mitglied des Tangermünder Vereins "Heimatliebe 06895", engagierte sich später im Vorstand als Hauptkassierer.

Tauben geben noch immer Rätsel auf

Zahlreiche Urkunden, Medaillen und Pokale zeugen noch heute vom Erfolg seiner Vögel. Strecken bis zu 700 Kilometer legten sie zurück. Zu DDR-Zeiten wurde innerhalb der Republik oder aber im sozialistischen Ausland aufgelassen. Nach der Wende eroberten Tangermünder Tauben auch die westlichen Gefilde. Von diesen Leistungen der Vögel ist Adloff noch immer fasziniert, sie machen für ihn den Reiz des Sportes aus. "Es ist immer wieder erstaunlich, wie solch kleiner Vogel mit solch kleinem Köpfchen immer wieder nach Hause findet." Man habe es noch immer nicht geschafft, genau diesem Phänomen wissenschaftlich auf den Grund zu gehen. Es sei vorgekommen, dass selbst zwei Jahre nach seinem Start ein verloren geglaubter Vogel wieder im Schlag hinter dem Haus auftauchte.

Eine Taube kann aber auch auf andere Art Freude bringen: Knusprig braun gebraten und gut gefüllt ist sie ein Genuss. Adloff schwärmt besonders von Taubensuppe und deren kräftigender Wirkung auf den menschlichen Körper. Vor der Wende stellten Mitglieder des Taubenvereins sogar Vögel für das Tangermünder Krankenhaus zur Verfügung. Für so manchen Schwerkranken trug die Taubensuppe zur Genesung bei. Heute versorgt Heinz Adloff seine Freunde und Verwandten mit Täubchen: "küchenfertig und ohne Chemie gefüttert".

Mittlerweile 76 Jahre alt, hatte der Tierfreund die aktive Laufbahn als Taubensportler vor drei Jahren verlassen. Um seinen Mitmenschen Freude durch das Auflassen zu bereiten, hält er noch etwa 50 Tiere in seinem Schlag. Extra dafür sattelte er noch einmal züchterisch um. Früher tummelte sich ein bunter Farbenmix in seinem Schlag. "Entscheidend war damals die Leistung, nicht das Aussehen", begründet er. Nunmehr verlange seine "Kundschaft" aber weiße Exemplare, es sieht eben festlicher aus.

Reich werden kann Heinz Adloff mit diesem Hobby nicht. Lässt er seine Vögel vor Kindern in den Himmel steigen, sei das stets kostenlos. Das Strahlen der Kinderaugen sei Belohnung genug. Auch Bekannte und Verwandte kommen in den kostenlosen Genuss des Schauspiels. Aber auch fremde Menschen engagieren den Tangermünder, um beispielsweise einer Hochzeit oder einem Jubiläum eine besondere Note zu geben. Sie zahlen einen kleinen Obolus, der wieder in Futter investiert wird. Etwa 30-mal pro Jahr sind der Tangermünder und seine gefiederten Boten unterwegs, die Nachfrage wächst.

Wer sein Geld nicht kann liegen sehen, lässt Tauben fliegen - in dieser oder ähnlicher Form macht seit Jahrzehnten ein Spruch in Taubenzüchterkreisen seine Runde. "Da ist etwas dran", macht Heinz Adloff klar, dass es sich um kein ganz preiswertes Hobby handelt. Er rechnete durch, dass rund 50 Tauben jährlich 1000 Euro kosten. Das beginne bei den Vereinsbeiträgen und Ringen und höre bei Futter und Impfungen noch nicht auf. Denn wer sportlich erfolgreich sein möchte, müsse auch in entsprechende Technik investieren, die registriert, wann genau ein Vogel nach seinem Flug wieder im Schlag landet.

Taubensportler sind aussterbende Spezies

Unter anderem dem Geld sei es geschuldet, dass Taubensportler mittlerweile zur aussterbenden Spezies gehören. Gab es vor der Wende über 40 organisierte Zuchtfreunde in der Kaiserstadt, seien es derzeit nur noch zwei, bedauert Adloff. Der einst starke Tangermünder Verein "Heimatliebe 06895" existiert nur noch formal. Die organisatorischen Fäden des Taubensports werden schon längst aus Stendal gezogen.

Der Nachwuchs bleibt aus. Die Jugend wende sich lieber dem Computer zu, als Taubenschläge zu reinigen und Verantwortung für Tiere zu übernehmen. Eines Tages, so fürchtet Adloff, wird der Taubensport von der Bildfläche verschwunden sein.

Solange es seine Gesundheit zulässt, will er aber auf seine Tauben nicht verzichten. Vielleicht findet doch noch jemand Gefallen an den Vögeln, wenn er diese in den Himmel steigen lässt. Eine bessere Werbung für dieses Hobby kann es nicht geben.