Stendal l Seit Montag graben Archäologen und Studenten auf dem Krepe-Hügel zwischen Borstel und Groß Schwechten. Sie vermuten, dass dort eine markgräfliche Burg gestanden haben muss. Erste Hinweise, die diese Vermutung bestätigen, entdeckten sie bereits.

"Genau wissen wir es aber erst, wenn wir das Zentrum, den Turm, gefunden haben", erklärt Dr. Felix Biermann von der Universität Göttingen. Er ist mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Normen Posselt, Studenten der Universität Göttingen und Halle sowie einem Restaurator aus Greifswald vor Ort.

"Wir haben sehr viele Steine und Backsteine gefunden."
Dr. Felix Biermann

Fakt ist, dass dieser Ort im 14. Jahrhunderte als Gerichtsplatz diente. Im Jahr 1335 wurde Krepe erstmals als Landgericht erwähnt. "Daher wissen wir, dass es zu dieser Zeit keine Burg mehr war, da man sich zur Rechtsprechung in der Landschaft getroffen hat", so Biermann. Der aufgeschüttete Hügel nahe der Uchte lässt vermuten, dass zuvor ein burg-ähnliches Gebäude an dieser Stelle stand, etwa zwischen 1200 und 1250.

Dieses muss in der Bauweise einer sogenannten Motte errichtet worden sein. Das heißt, dass der Hügel künstlich aufgeschüttet wurde, der Turm allerdings nicht auf die Erdoberfläche des Hügels gebaut wurde, sondern sich im Zentrum des Hügels selbst befindet, also mit in den Hügel eingeschüttet, "eingemottet", wurde.

Typisch für diese Bauweise ist, wie der Experte erklärt, dass vorwiegend ein Burgtyp in Holzbauweise errichtet wurde. Auf der Krepe muss aber ein großes Gebäude gestanden haben "Wir haben sehr viel Steine und Backsteine gefunden", erklärt Dr. Biermann. Wie er ausführt, konnte um 1200 nur ein bedeutender Bauherr ein solches Gebäude errichten: "Wir gehen davon aus, dass es sich um eine markgräfliche Burg handelt, die mit den Askaniern in Verbindung stehen sollte."

Sicher ist, dass Scherben aus der Zeit um 1200 gefunden wurden. Weitere Funde während der Grabungen, der ersten wissenschaftlichen Untersuchung der Krepe überhaupt, sind Balken, die als Befestigung des im Durchmesser etwa 60 Meter großen Erdhügels dienten. Einige dieser rund 1,60 Meter großen Balken werden untersucht, um sie dendrochronologisch datieren zu können.

"Wenn sich das bestätigt, kommt Krepe in der Landesgeschichte neue Bedeutung zu."
Dr. Felix Biermann

Gestern kam bei den etwa 1,20 Meter tiefen Grabungen vermutlich der Sockel des Turmes zum Vorschein. Wird ein solcher Turm gefunden, ist es Gewissheit, dass es sich um eine markgräfliche Burg handelt. "Es sieht ganz danach aus", so Biermann im Volksstimme-Gespräch. "Wenn sich das bestätigt, kommt Krepe in der Landesgeschichte neue Bedeutung zu." Biermann vermutet, dass die Erben Albrecht des Bären an der Uchte einen repräsentativen Sitz errichteten, den sie allerdings nach wenigen Jahrzehnten wieder aufgaben. Da viele Wildtierknochen ausgegraben wurden sowie ein metallener Armbrustbolzen, könne sich Biermann vorstellen, dass Krepe als Jagdsitz diente.

Die Grabung auf der Krepe ist Bestandteil eines Forschungsprojektes, das dem Phänomen der Turmhügel auf den Grund geht. Es ist ein Projekt der Universität Göttingen, Seminar für Vor- und Frühgeschichte, in Kooperation mit dem Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte Halle.

Im Rahmen dieses Projektes erfolgten bereits Grabungen in Lindstedt. Insgesamt werden acht solcher Hügel untersucht. Neben den beiden genannten in der Altmark erfolgen zwei Grabungen in der Prignitz, zwei im Fläming sowie zwei in Niederschlesien (Polen).

Die Grabungen bei Stendal werden heute abgeschlossen. Die entstandenen Schächte werden heute von den Studenten wieder verschlossen.

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