Im Mehrgenerationenhaus in Nahrstedt steht seit wenigen Tagen ein "offener Bücherschrank". Das ist eine Netzwerk-Initiative der Kaschade Stiftung, des Vereins Bücherfreu(n)de und der Altmärkischen Bürgerstiftung. Bücher können dort ausgeliehen und ausgetauscht werden.

Nahrstedt l Wer in Nahrstedt Lust bekommt, ein Buch zu lesen, muss nicht extra erst in die Stadt, um in der Buchhandlung eines zu kaufen oder sich Lektüre in der Bibliothek auszuleihen. Seit gestern hat Nahrstedt selbst eine kleine Bücherei. Es ist der "offene Bücherschrank" der Netzwerk-Initiative von der Kaschade-Stiftung, dem Verein Bücherfreu(n)de der Stadtbibliothek Stendal und der Altmärkischen Bürgerstiftung Hansestadt Stendal.

Das Ausleihen der Exemplare erfolgt ganz unkonventionell. Es sind keine Öffnungszeiten oder Ausleihfristen zu beachten. "Wer Lust hat, kommt, holt sich ein Buch oder tauscht es gegen ein anderes aus", erklärt Prof. Hans-Jürgen Kaschade das Prinzip des "offenen Bücherschranks".

Mit Nahrstedt hat die Netzwerk-Initiatve mittlerweile insgesamt 13 offene Bücherschränke in der Region realisiert, neben Stendal unter anderem in Arneburg und Goldbeck. Unter den ländlichen Ortsteilen der Hansestadt Stendal ist Nahrstedt der erste Standort. Helga Zimmermann vom Verein Bücherfreu(n)de stellte die Initiative in den Landgemeinden vor. "Die Hansestadt Stendal hat diese Orte eingemeindet, nun wollen wir unsere Initiative auch in diese Ortschaften bringen", erklärte sie.

Nahrstedts Ortsbürgermeister Wilhelm Jacob zeigte rasch Interesse. Nun steht das erste Bücherregal. "Als ehrenamtlicher Bürgermeister hatte ich vor 20 Jahren die Vorgabe bekommen, die Dorfbibliothek in Nahrstedt aufzulösen. Jetzt kann eine solche wieder ohne großen Aufwand, ohne Personalkosten und Karteikarten betrieben werden" erklärte er. Der Ortsbürgermeister sieht den "offenen Bücherschrank" als Bereicherung für den rund 280 Einwohner zählenden Ort. Im Mehrgenerationenhaus in Nahrstedt bietet er zudem einen Treffpunkt für die Dorfbewohner.

Eingeräumt wurden die Bücher von Monika Hollstein, die sich ehrenamtlich für die Belange im Ort einsetzt, und einigen Helferinnen. Das ist ein Novum, wie Prof. Kaschade mitteilte: "Bisher mussten wir die Regale überall selbst einräumen. Das es hier einen Ort gibt, wo schon jemand gefunden wurde, der ein Auge darauf hat, das ist toll."

Das Netzwerk sieht sich nicht als Konkurrenz zur Stadtbibliothek. Es ist ein zusätzliches Angebot. Das Interesse an "offenen Bücherschränken" steigt, so Kaschade. So sind weitere solcher Aktionen bereits im Gespräch. Das Netzwerk stellt Bücher und Regale zur Verfügung. Kommunen, Institutionen oder Betriebe, die ebenfalls einen "offenen Bücherschrank" aufstellen wollen, können sich bei der Kaschade-Stiftung, dem Verein Bücherfreu(n)de der Stadtbibliothek Stendal oder der Altmärkischen Bürgerstiftung Hansestadt Stendal melden. Zahlreiche Bücher sind noch im Lager vorhanden, berichtete Prof. Kaschade. "Meist ist es die Enkelgeneration, die uns Bücher spendiert, wenn sie den Hausrat ihrer Großeltern auflösen. Und meist sind es sehr gut erhaltene Bücher."

Jürgen Lenski, Vorsitzender der Altmärkischen Bürgerstiftung, freut es, dass gerade in kleinen Orten der Altmark die Initiative so gut angenommen wird. "Wir wollen kleine Orte unterstützen. Ich wünsche, dass recht viel gelesen wird. Lesen fördert schließlich die Toleranz."