Stendal l Es gehe ihr bei ihrem Engagement darum, dass behinderte Menschen selbstbestimmt leben können, sagte Katrin Gaenseke am Wochenende bei einer Klausurtagung mehrerer Landesverbände der SPD-Arbeitsgemeinschaft "Selbst aktiv" in Stendal. Dies scheitere heute immer noch zu oft an den Rahmenbedingungen.

Mehrkosten werden häufig nicht übernommen

"Es gibt viele Unwegbarkeiten gerade bei der beruflichen und schulischen Integration", sagte Gaenseke. So werde ein Übergang für einen behinderten Menschen von einer Behindertenwerkstatt in den ersten Arbeitsmarkt dadurch erschwert, dass es eine Rückkehr in die Werkstätten nur mit großer Mühe gebe, wenn der Versuch einer regulären Arbeit scheitere. "Dann wird das gesamte Verfahren wieder neu aufgerollt." Es werde immer nach den Grundsätzen des Finanzierungs- und Mehrkostenvorbehaltes agiert. "Das muss wegfallen", sagte die Landesvorsitzende aus Gersdorf (Börde). So würde das Ansinnen eines jungen behinderten Menschen, zu Hause auszuziehen, abgelehnt, wenn dieses höhere Folgekosten nach sich ziehe. "Da geht Selbstbestimmung verloren."

Auch müssten Behinderte "von Anfang an Zugang zur Bildung" haben. Wenn jemand erst einmal fünf Jahre zur Förderschule gegangenen sei, dann sei ein Herausziehen daraus zum Scheitern verurteilt. Allein schon, weil es "Barrieren im Kopf" gibt, sagte Gaenseke. "Ein Förderschulabschluss ist für den Mülleimer", sagte sie mit drastischen Worten. Es müsse darum gehen, mittels eines persönlichen Budgets, behinderte Menschen in regulären Schulen zu unterrichten.

Auch Nichtbehinderte profitieren von Maßnahmen

"Es gibt viele gut ausgebildete Förderschullehrer, die an die regulären Schulen wechseln können", sagt Gaenseke. Außerdem müsse eine Fortbildung für Lehrer verpflichtend sein.

Es gehe aber nicht nur um Menschen, die von Geburt an behindert sind. "Wenn ein barrierefreier Zugang geschaffen wird, dann profitieren auch Ältere, Schwangere und andere davon", so Gaenseke.

"Ich werde viel aus der Diskussion mit in den Gesundheitsausschuss nehmen können", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Marina Kermer, die die Tagung begleitete.