Wunderbar kindlich, schauspielerisch grandios und musikalisch überzeugend, so beeindruckte das Stück "Hänsel und Gretel" bei seiner Bühnenpremiere am Sonntag im Theater der Altmark. Höchstens für Mütter gibt es einen kleinen Kritikpunkt.

Stendal l Vier Schauspieler und viele Puppen, manche klein, manche lebensgroß, ein paar Bäume und Häuserfassaden. Mehr braucht es nicht, um die Illusion perfekt zu machen. Die Ausstattung stammt von Mark Späth, die Puppen von Kerstin Dathe. Da gibt es etliche Tiere, das kleine Taumännchen, den großen Sandmann, das Männlein mit dem "purpurroten Mäntelein" und natürlich die furchteinflößende Hexe. Fabian Feder und Friederike Ziegler spielen Hänsel und Gretel. Wunderbar kindlich, möchtegerngroß und klein und ängstlich. Stets bereits zu einem Geschwisterstreit. Gleichzeitig spielen sie auch ihre Figuren als Handpuppen und können so in Bäume klettern und zwischen Ästen auftauchen. Regisseur Jürg Schlachter hat das allseits bekannte Märchen der Gebrüder Grimm ein wenig neu erzählt - so findet sich hier neben der bösen Hexe auch eine gute. In weißem Tüll gekleidet, wirbelt Claudia Tost über die Bühne, verwandelt sich in die böse Mutter oder lässt die Puppen tanzen. Grandios!

Traute Dreisamkeit ohne die Mutter

Der arme Besenbinder, Vater von Hänsel und Gretel, wird von Tilman Frieser gespielt. Er steht der guten Hexe auch als Musikus zur Seite, als "Engelbert" mit seinem Akkordeon. Der Name verweist auf Engelbert Humperdinck, an dessen Oper sich Jürg Schlachter in seiner Inszenierung stark orientiert hat. Inhaltlich und musikalisch. So gibt es durchweg immer wieder Lieder von Humperdinck: "Suse, liebe Suse" oder "Brüderchen, komm tanz mit mir". Jakob Brenner, musikalischer Leiter des Theater der Altmark, hat aufgestockt und unter anderem das "Hexenlied" komponiert. Ein Lied, das viele noch den restlichen Tag im Ohr hatten! "Hänsel und Gretel" ist absolut sehenswert. Und hörenswert. Die gesangsstarken Darsteller überzeugen in allen Aspekten.

Nur eine Sache ist kritisch anzumerken: Mütter kommen nicht gut weg! Anders als bei Grimm oder Humperdinck, gibt es auf der Stendaler Bühne kein "Happy End" für die gesamte Familie. Es gibt lediglich eine traute Dreisamkeit mit Vater, Sohn und Tochter. Die Mütter im Publikum haben dem Regisseur hoffentlich verziehen. Weil der Rest so schön war!