In Groß Schwechten gibt es nun Bücher aus der Telefonzelle. Diese ist ein "Offener Bücherschrank", eine Netzwerk-Initiative der Kaschade-Stiftung, des Vereins Bücherfreunde und der Altmärkischen Bürgerstiftung. Bücher können dort ausgeliehen und ausgetauscht werden.

Groß Schwechten l Auf dem Dorfplatz in Groß Schwechten steht seit kurzem eine Telefonzelle. Zum Telefonieren ist diese allerdings nicht geeignet. In die Zelle ist ein Bücherregal eingebaut. 250 Bücher finden dort Platz. Es ist ein "Offener Bücherschrank", aufgestellt in Kooperation der Kaschade-Stiftung, des Vereins Bücherfreu(n)de und der Altmärkischen Bürgerstiftung. Wer in Groß Schwechten Lust auf Lesen hat, muss nun nicht extra erst in die Stadt in die Buchhandlung oder Bibliothek. Die 320 Einwohner können nun vor Ort zum Buch greifen.

Groß Schwechten ist mittlerweile der 15. Standort eines "Offenen Bücherschranks". Weitere stehen beispielsweise in Stendal, Werben, Nahrstedt oder Arneburg. Das Ausleihen der Bücher erfolgt ganz unkompliziert. Es sind keine Öffnungszeiten oder Ausleihfristen zu beachten. "Hier können Bücher getauscht, ausgeliehen oder einfach nur abgestellt werden. Wenn jemand ein Buch mit nach Hause nimmt, ohne es wiederzubringen, freuen wir uns, denn das zeigt doch, dass jemand es unbedingt haben möchte", erklärt Hans-Jürgen Kaschade.

Hier können Bücher getauscht, ausgeliehen oder einfach nur abgestellt werden."

Hans-Jürgen Kaschade

Als die Netzwerk-Initiative die Idee des "offenen Bücherschranks" im vorigen Frühjahr vorstellte, konnte sich Groß Schwechtens Ortsbürgermeister Norbert Kammrad sofort vorstellen, einen solchen in seinem Dorf aufstellen zu lassen. Im Dorfgemeinschaftshaus sollte dieser aber nicht stehen, schließlich ist das Gebäude nicht immer zugänglich. Die Kaschade-Stiftung besorgte daraufhin eine ausgediente Telefonzelle und übernahm auch die anfallenden Kosten von 350 Euro. Das Bücherregal baute Ottfried Schlangstedt auf. Bestückt wurde es mit Büchern aus der Netzwerk-Initiative. Zur Einweihung gestern brachten auch viele Groß Schwechtener Lesestoff mit.

"Ein positiver Nebeneffekt dieser Telefonzelle ist, dass Bücher quasi rund um die Uhr ausgeliehen werden können", ergänzt Jürgen Lenski von der Altmärkischen Bürgerstiftung. Nach dem Rechten in der "Bücherzelle" wird Birgit Kammrad schauen.

Das Netzwerk sieht sich nicht als Konkurrenz zur Stadtbibliothek, sondern vielmehr als ein zusätzliches Angebot. "Wir unterstützen die Bibliotheken", erklärt Kaschade. Da das Netzwerk auf Bücherspenden angewiesen ist, sind dort vor allem ältere Exemplare zu finden. Über die offene Bücherschränke" kann aber das Interesse am Lesen geweckt werden. "Wir möchten dazu animieren, zum Buch zu greifen", bringt es Kaschade auf den Punkt.

Weitere "Offene Bücherschränke" sind bereits im Gespräch. Das Netzwerk stellt Bücher und Regale zur Verfügung. Kommunen, Institutionen oder Betriebe, die ebenfalls einen "Offenen Bücherschrank" aufstellen wollen, können sich bei der Kaschade-Stiftung, dem Verein Bücherfreu(n)de der Stadtbibliothek Stendal oder der Altmärkischen Bürgerstiftung melden.