Voraussichtlich im Juni, so der Plan, soll der Kreistag über ein Konzept entscheiden, das die Möglichkeiten der Entwicklung des Landkreises bis zum Jahr 2025 vorzeichnet. Dirk Michaelis und sein Team haben es erarbeitet. In dieser Woche stellte es der Leiter des Bauordnungsamtes in den ersten Kreistagsausschüssen vor.

Stendal l Die kommunalen Finanzen werden immer knapper, der demografische Wandel immer deutlicher. Das ist der Hintergrund, vor dem der Landkreistag vor fünf Jahren seine Mitglieder anregte: Erarbeitet in euren Kreisen Konzepte, wie sie sich weiter entwickeln sollen, wie die Kreise in Zukunft aussehen könnten, wo ihre Chancen liegen.

Kompetenz der Fachämter und Kommunen gebündelt

Bauordnungsamtsleiter Dirk Michaelis, Fachmann auf dem Gebiet der Städteplanung, nahm sich der Aufgabe an, bündelte die Kompetenzen seines und anderer Fachämter der Kreisverwaltung, bezog Gemeindeverwaltungen und Touristiker mit ein. Was herauskam, ist ein Papier in Buchstärke - das Kreisentwicklungskonzept "Landkreis Stendal 2025", das Michaelis in dieser Woche den Mitgliedern des Sozial-, des Finanz- und des Kreisausschusses in groben Zügen vorstellte.

Am Anfang steht eine Analyse, eine Zustandsbeschreibung, die auf den ersten Blick düster erscheint. Verglichen mit dem Landesdurchschnitt schneidet der Landkreis schlecht ab, was die Lebensverhältnisse der Einwohner betrifft. Ob das die Arbeitslosigkeit, die Infrastruktur oder den Wohlstand betrifft. In Sachen Attraktivität hat er den Ballungszentren, zwischen denen der Landkreis liegt, wenig entgegenzusetzen. Die Bevölkerungszahl sinkt seit Jahren. Heute leben noch 48 Einwohner pro Quadratkilometer im Kreis. Er ist somit sehr dünn besiedelt. 80 Prozent der Orte haben weniger als 300 Einwohner.

Teilweise positive Basis, um sich zu entwickeln

"Aber auch die müssen versorgt werden", formulierte Michaelis eines der übergreifenden Ziele und macht in dem Entwicklungskonzept Forderungen und Ziele auf, die dafür erfüllt beziehungsweise erreicht werden müssen. In der Gesamtheit, so schätzt das Entwicklungskonzept ein, "produzieren die Rahmenbedingungen ein recht komplexes Problembündel, welches ... wohl die größte Herausforderung für den Landkreis in seiner Geschichte darstellt."

So braucht es zum Beispiel keine neuen Baugebiete in den Kommunen, dafür aber Strategien für den Rückbau leerstehenden Wohnraums und für die Aufwertung von historischen Stadt- und Ortskernen. Diesbezügliche Förderprogramme müssen konsequenter genutzt werden.

Um Straßen und Brücken im erforderlichen Maß zu sanieren, muss der Kreis finanziell besser ausgestattet werden. Dennoch wird sich der Landkreis darauf einstellen müssen, längerfristig auch schmalere und aufgrund ihres Zustandes geschwindigkeitsbegrenzte Straßen zu haben. Aber: Die hohe Dichte von Kreis- und Landesstraßen ist durchaus ein positiv zu bewertender Fakt.

Die Tatsache, dass in den nächsten 15 Jahren 32000 Einwohner ins Rentenalter kommen, aber nur 11000 ins arbeitsfähige Alter nachwachsen birgt aber auch Chancen - Bleibechancen für junge Leute und die Chance für Zuwanderer, die hier ihre Existenz aufzubauen.

Interessant auch, dass der Landkreis bei der Geburtenrate über dem Landesdurchschnitt liegt. Im Bereich der sozialen Daseinsvorsorge sind die Voraussetzungen für positive Entwicklungen nicht schlecht. Die Versorgung mit Krankenhausbetten ist überdurchschnittlich, die Infrastruktur bei Pflegeeinrichtungen im Kreis gut.

Abgeordnete wünschen sich konkretere Ziele

Diskussionsstoff bietet das Entwicklungskonzept aufgrund seiner Fülle von Informationen nahezu auf jeder seiner fast 300 Seiten. Und soviel scheint nach den ersten abendlichen Informationsrunden sicher: Die Kreistagsmitglieder wollen mehr Zeit, um das Konzept zu studieren, darüber zu diskutieren, bevor es beschlossen wird.

Ursprünglich sollten Anregungen und Hinweise zum Konzept bis zum 30. April ans Fachamt gehen. Das erscheint einigen Abgeordneten zu knapp. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) daraufhin: "Es geht uns nicht um Zeit, sondern um Inhalte". Diese Orientierung auf Qualität tragen die Ausschussmitglieder mit. Sie wünschen sich bei der Formulierung der Ziele in dem Entwicklungskonzept mehr Konkretheit. Auch darüber wird in den kommenden Wochen also noch zu reden sein.