Mit dem Projekt "Kita sucht Mann" will die Stadt Stendal die maskuline Komponente bei der Kindererziehung stärken. Welche Chancen, aber auch welche Vorurteile das Thema Männer als Kindererzieher birgt, ist gestern auf einer Auftaktveranstaltung des auf mehrere Jahre angelegten Projekts herausgearbeitet worden.

Stendal. "Jede Frau kann Erzieher werden, aber nicht jeder Mann ist dazu geeignet." Oder: "Männer steigern das Image des Erzieherberufs."

Das waren zwei der vier provokanten Fragestellungen, die gestern im Stendaler Rathaus in vier Workshops diskutiert wurden. Die Stadt Stendal und die Projektträgerin von "Kita sucht Mann", der Verein KinderStärken, hatten alle betei- ligten Partner zu einer großen Auftaktveranstaltung des vom Bund über drei Jahre geförderten Projekts zusammengerufen. Dazu gehören neun Kindertagesstätten, das Jugendamt und die berufsbildenden Schulen des Landkreises, die Agentur für Arbeit, die Hochschule, Sekundarschulen und die Gleichstellungsstellen von Stadt und Landkreis. Projektleiterin Susanne Borkowski und die beiden Koordinatoren Denise Mikoleit und Benjamin Ollendorf erklärten zunächst die Grundzüge des Projekts.

Ganze vier Männer - oder vier ganze Männer? - sind im Landkreis Stendal als Erzieher in Kitas tätig. Das sind 0,9 Prozent, der Bundesdurchschnitt liegt bei 3 Prozent. Das sind entschieden zu wenige, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Zum einen, weil sich in den nächsten Jahren ein Drittel der Erzieherinnen in den Ruhestand verabschiedet und dringend Nachwuchs ausgebildet werden muss. Zum anderen, weil die männliche Komponente in der Klein- kindererziehung gestärkt werden soll. Denn, so Denise Mikoleit: "Kinder brauchen männliche und weibliche Vorbilder."

Männliche Schüler und Berufsschüler für den Erzieherberuf zu interessieren, Strategien für Umschulungen zu erarbeiten, Kita-Kollektive, aber auch die Eltern auf die Tätigkeit von Männern in Kindergarten und -krippe vorzubereiten - darum geht es unter anderem im Projekt "Kita sucht Mann".

Dass auf dem Wege dorthin noch eine Menge Klischees und Vorurteile abzubauen sein werden, zeigte die Diskussion in den vier Arbeitsgruppen. Man müsse aufpassen, dass der Mann in der Kita nicht in die Ecke "Tobemann" - Fußball und Handwerk - abgeschoben wird, wurde zum Beispiel in der Arbeitsgruppe diskutiert, die sich der Frage widmete, ob männliche Pädagogen die Attraktivität einer Kita für die Eltern steigern. Auch den Konkurrenzgedanken der Väter müsse man berücksichtigen. Andere warnten davor, den Erzieherberuf jetzt, da er für Männer attraktiv werden soll, aufzuwerten und dabei zu vergessen, dass Frauen in diesem Beruf bisher gute Arbeit geleistet hätten.

Funktionieren werde das Modell Männer in Kitas nach Meinung der Diskussionsteilnehmer aber nur unter einer Voraussetzung: Wenn die Erziehertätigkeit besser als bisher entlohnt werde.