Die Kinder aus Jarchau, Groß Schwechten, Peulingen und Neuendorf am Speck werden auch weiterhin in ihre angestammten Grundschulen gehen. Erst wenn die Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck im September ein eigenes Schulkonzept vorgelegt hat, soll den Eltern freigestellt werden, ob sie ihre Kinder nach Stendal in die Schule schicken oder nicht.

Stendal. Auch wenn die Stadt Stendal das Recht auf ihrer Seite hat, wie es der Arneburg-Goldbecker Verbandsgemeindebürgermeister Eike Trumpf während der Kreistagssitzung betonte – die Mehrheit des Kreistages sieht das anders. In der Diskussion um die Zuordnung von Jarchau, Groß Schwechten, Peulingen und Neuendorf am Speck zum Schuleinzugsbereich der Stadt Stendal erteilte der Kreistag dem zwischen Stadt und Verbandsgemeinde ausgehandelten Kompromiss mit 26 gegen sieben Stimmen eine Abfuhr.

Der "kleinste gemeinsame Nenner", wie Eike Trumpf die Kreistagsvorlagen zu den beiden Schulen genannt hatte, sah vor, dass die Eltern der Grundschüler aus den eingangs genannten Dörfern frei hätten wählen können, ob ihre Kinder in die Grundschule Sanne (die Jarchauer Kinder betreffend), die Grundschule Rochau (für die Kinder aus Groß Schwechten, Peulingen und Neuendorf am Speck) oder in der Grundschule "Nord" in Stendal gehen. Die Dörfer (außer Jarchau)sind mit der Gebietsreform Ortsteile der Stadt Stendal geworden, und die vertraglichen Regelungen dazu sehen vor, die Kinder in Stendal zu beschulen. Den Eltern der betreffenden Dörfer vorerst freizustellen, in welche Schule sie ihre Kinder schicken, sei eine Übergangslösung, die der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck die Möglichkeit geben würde, ein Konzept für ihre insgesamt sieben Grundschulstandorte zu erarbeiten.

"Es gibt keinen Grund, Druck zu machen"

So sah es zumindest Landrat Jörg Hellmuth (CDU). Er gab allerdings auch zu bedenken, dass sich die Entfernung, die von einem Teil der Kinder dann zur Grundschule nach Stendal zurückgelegt werden müsste, erheblich verlängern würde, dennoch: "Für mich wäre das ein Kompromiss, der den Erhalt der Grundschulen in Sanne und Rochau für die nächsten zwei Jahre sichern hilft", gab er den Kreistagsmitgliedern auf den Weg.

Zwei Jahre, in denen der vom Kreistag 2008 beschlossene und damit bindende Schulentwicklungsplan noch gilt. Das wiederum war eines der Hauptargumente der Schulausschuss- vorsitzenden Edith Braun (SPD), sich zwar nicht gegen den zwischen Stendal und Arneburg-Goldbeck ausgehandelten Kompromiss zu stellen, aber schon dagegen , ihn sofort umzusetzen. "Beide Grundschulen haben laut dem Schulentwicklungsplan bis 2014 Bestand. Es gibt also keinen Grund, in dieser Frage Druck zu machen", so Braun. Vielmehr sollte man der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck die Zeit lassen, ein Konzept für seine sieben Grundschulstandorte auszuarbeiten. Ein halbes Jahr Zeit sollte man ihr dafür einräumen. Stehe dieses Konzept, hätten die Eltern die Sicherheit, die sie bräuchten, um sich für die eine oder andere Grundschule zu entscheiden.

Mit dieser Argumentation stand Braun nicht allein. Sie zitierte aus dem Protokoll der jüngsten Sitzung des Schulausschusses. Dessen Mitglieder hatten sich bereits im März mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Entscheidung darüber, ob die Schuleinzugsbereiche Sanne, Rochau und Stendal "Nord" für die Eltern aus Jarchau, Groß Schwechten, Peulingen und Neuendorf am Speck geöffnet werden, auf den September zu vertagen. Und das war dann auch der Antrag, den Edith Braun in die Kreistagssitzung einbrachte.

Dass der Kreistag überhaupt darüber diskutieren müsse, in welche Schulen diese Kinder gehen sollen, empfand Kreistagsmitglied Frank Wiese (Fraktion Landwirte für die Region) als "schlimm". Den Standpunkt der Stadt Stendal bezeichnete er als "eine Katastrophe" für die Kinder im ländlichen Raum, denn: "Wir reden hier über die Schließung von Schulen. Wenn die Verbandsgemeinde Seehausen ähnlich wie Stendal handeln würde, dann stünde die Grundschule Flessau als nächstes auf der Abschussliste."

"Der Anfang vom Ende für die beiden Grundschulen"

Ähnlich sah es Kreistagsmitglied Ralf Berlin (FDP): "Dieser Kompromiss wäre der Anfang vom Ende für die Grundschulen Sanne und Rochau. Wir haben eine gültige Schulentwicklungsplanung, die den Bestand dieser beiden Schulen bis 2014 sichert. Und das sollte mehr wiegen als ein Ratsbeschluss der Stadt Stendal."

Katrin Kunert (Die Linke) gab zu bedenken, dass auch die im Zuge der Gebietsreform abgeschlossenen Gebietsänderungsverträge zwischen den Orten, heute Ortsteilen, und der Stadt Stendal Gewicht hätten. In ihnen ist auch die Frage der Beschulung der Kinder geregelt. Darüber jedoch sollten beide Partner, sprich Stendal und die Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, noch einmal reden und möglichst vor dem September "zu Potte kommen".Auch Kunert sprach sich dafür aus, die Entscheidung im Kreistag zu verschieben, was der dann auch tat.