Stendal. Zu einem Chorkonzert unter dem Motto " Die Nacht ist kommen " lud am Sonntagnachmittag die Domkantorei unter Leitung von Domkantor Johannes Schymalla ein. Die Damen und Herren des Chores gestalteten das Singen im Gedenken an die Passionszeit Jesu Christi.

Stilvolle Motetten aus Renaissance, Barock und der Hochromantik erklangen neben Kompositionen des Esten Cyrillus Kreek ( 1889 - 1962 ). Heinrich Schütz, der Dresdener Kapellmeister und Komponist, stand mit " Ehre sei dir, Christe " am Beginn. Melchior Francks Motette erinnerte an die Erlöserfunktion des Gottessohns : " Fürwahr, er trug unsere Krankheit ". Und Johann Sebastian Bach steuerte drei mehrstimmige Chorwerke zum Konzert bei.

Der Domchor erwies sich als sicherer Interpret der mehrstimmigen Motettensätze. Zwischen den einzelnen Chorblöcken interpretierte Sandra Schilling von der katholischen St .-Annen-Gemeinde Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, Paul Hindemith und Max Reger.

Im Mittelpunkt der Passionsmusik standen drei Psalmenmotetten des Esten Cyrillus Kreek. Er ist Vertreter seiner heimischen Kompositionskunst, die sich zwar im letzten Jahrhundert an romantische Stilrichtungen Deutschlands orientierte, aber durchaus eigene Melodik und Harmonik hervorbrachte. Die Vertonung der Psalmen " Lobe den Herrn, meine Seele ", " Wohl dem, der wandelt " und " Herr, ich rufe zu dir " gaben dafür interessante Einblicke. Sie wurden noch durch Orgel-improvisationen zu den Choralthemen durch die Organistin verstärkt.

Ein Block mit lateinischen Versen und Aussagen aus dem 16. und 20. Jahrhundert vervollständigte die Musikfolge. " Eli ! Eli !", der Schmerzensruf Christi am Kreuz, vertont von Georgius Bardos ( 1905 - 1991 ), erschütterte hier durch seine emotionale Ausstrahlung besonders. Johannes Brahms, Johann Sebastian Bach und Max Reger vervollständigten mit mehrstimmigen Chorkompositionen zum Thema das Konzert. Eine Stunde besinnlich vorgetragener A-cappella-Musik, im homogenen Chorklang vorgetragen, stimmte die Zuhörer auf die bevorstehenden Ostertage ein.