Mit den Bauern kämpft auch in der Altmark ein ganzer Berufszweig ums Überleben. Entsprechend düster fiel der Jahresbericht von Carola Stallbaum beim gestrigen Kreisbauerntag in der Mensa der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Iden aus.

Iden. Wer gehofft hatte, dass die Weltwirtschaftskrise an den Landwirten vorbeigeht, weil die Menschen immer essen und trinken müssen und weil die Bauern inzwischen längst nicht mehr nur fürs Kulinarische die Rohstoffe liefern, sei eines besseren belehrt worden. " Es kam noch schlimmer, als sich das alle denken konnten ", so die Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Stendal zum Auftakt ihrer Jahresbilanz vor rund 60 Landwirten und Gästen aus Politik und Verwaltung.

" Auch der Letzte sollte nun das Prinzip verstanden haben ", so Stallbaum weiter, " nicht wir Landwirte bestimmen den Preis für unsere Produkte. Wir liefern zum Teil an den Handel, ohne zu wissen, was wir dafür bekommen. Und wenn, dann diktiert uns der Handel den Preis und damit, wie wenig unsere Arbeit wert ist. Kaufen wir Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmittel, Diesel und anderes ein, sagt uns wieder der Handel, was wir zahlen müssen. Plötzlich kommt die Weltwirtschaftskrise

ins Spiel oder der sprichwörtliche Sack Reis, der in China umgefallen ist und die Preise in die Höhe treibt. "

Die in einer breiten Öffentlichkeit geführte Diskussion über Nahrungsmittelpreise habe im vergangenen Jahr gezeigt, dass die Interessen der Landwirte, der Verbraucher, der Politik und des Handels nicht vereinbar wären, so die Bauernchefin mit Blick auf immer neue Kampfpreise des Lebensmittelhandels, der die Milcherzeuger besonders hart treffe. Und die nächste Rabattschlacht läuft bereits. Butter soll schon wieder um bis zu 20 Cent pro Stück billiger werden ( wir berichteten gestern ).

In diesem Zusammenhang dachte Stallbaum über ein Werbeverbot für billige Lebensmittel nach. Werben könne man mit Herkunft und Qualität. Qualitätssicherung sei übrigens längst kein Luxus mehr, sondern erwarteter Standard, für den es aber praktisch keine Gegenleistung ( in Form höherer Preise ) gebe. Um bei der Milch zu bleiben : In der Molkerei-Liefergenossenschaft Osterburg werden inzwischen nahezu 100 Prozent der Milch in der höchsten Qualitätsklasse " S " vermarktet.

Das Wort Kostendeckung – in der Wirtschaftslehre ganz oben stehend – traue man sich als Landwirt schon fast nicht mehr auszusprechen, klagte Carola Stallbaum an und fragte : " Wer redet von kostendeckenden Mindestlöhnen für die Landwirte ?" Dabei betonte sie, dass sich die Landwirte durchaus der Marktwirtschaft stellen wollen, aber nicht durch Quoten staatlich reglementiert oder am Subventionstropf hängend.

Dass sich der Berufsstand nicht kampflos ergibt, zeigten zahlreiche Aktionen, mit denen die Landwirte auf ihre Lage aufmerksam machten und Lösungen von der Politik einforderten. Alle Aktionen fanden aber offenbar nicht das Wohlwollen des Bauernverbandes, zeigte die Anspielung Stallbaums auf hessische Karnevalsveranstaltungen, die die Geschlossenheit des Berufsstandes in Frage stellen würden. Mit dem Druck auf Andersdenkende hätten einige gar den Boden der Rechtsstaatlichkeit unter den Füßen verloren.

So oder so sind indes keine Lösungsansätze in Sicht, die geeignet wären, kostendeckende Preise für Milch und alle anderen landwirtschafftlichen Produkte zu erreichen. Auch das musste die Verbandsvorsitzende einräumen.

Alle Probleme der Landwirtschaft lassen sich allerdings auch nicht in Deutschland lösen. So fordern die altmärkischen Bauern unter anderem Wettbewerbsnachteile gegenüber Berufskollegen in Europa und auf der Welt zu kompensieren. Das fängt bei der Preispolitik der Bundes-, Verwaltungsund Verwertung- Gesellschaft ( BVVG ) an, reicht über eine einheitliche Dieselbesteuerung oder die Harmonisierung der Pflanzenschutzpolitik und hört bei Förderobergrenze für große Betriebe (" jeder Hektar ist gleich viel wert ") oder dem Abbau der wuchernden Bürokratiebelastung für die deutschen Bauern nicht auf.