Lange haben sie es herbeigesehnt – jetzt leben Schüler und Lehrer der Grundschule Nord auf einer Baustelle. Das 1967 eröffnete Schulhaus an der Bergstraße wird saniert. Doch im Grunde wird am Ende eine völlig neue Schule im Stendaler Norden stehen.

Stendal. " Bei uns ist doch Baustelle ", sagt der Schüler stolz und bedeutungsschwer, den wir nach dem umgesiedelten Sekretariat der Schulleitung fragen. In der Grundschule Nord ist zurzeit alles ein bisschen anders. Nicht nur Schulleiterin Petra Brachmann ist umgezogen. Das Lehrerzimmer hat sich in einem Klassenraum eingerichtet, Mittag wird auch woanders gegessen als bisher.

Der seit Jahren ersehnte, umfangreiche Um- und Neubau der Schule hat begonnen. Zunächst wird entkernt und erneuert, was von der alten Schule stehen bleibt : die Aula und die Turnhalle, die den Komplex an der Ost- und der Westseite flankieren, sowie der Funktionsbau zwischen diesen beiden, in dem Verwaltung, Küche, Umkleideräume und dergleichen untergebracht sind. Dieser erste Bauabschnitt, so Hochbauamtsleiter Günter Güldenpfennig gestern auf der Baustelle, soll zum nächsten Schuljahreswechsel fertig werden. Er wird rund eine Million Euro kosten, finanziert aus Bundesmitteln des Konjunkturpakets.

" Dazu gehören intensive Wärmedämmmaßnahmen an Dächern und Fassaden ", erklärt Steffen Klug vom Stendaler Architekturbüro Klautzsch, der als Bauleiter fungiert. Die Fenster an der Südseite erhalten automatisch sich öffnende und schließende Sonnenschutzsegel. Die großzügige Aula, mit ihrer gefalteten Holzdecke ein typischer Bau der 60 er Jahre des vorigen Jahrhunderts, soll ihren Charakter weitgehend bewahren, auch die Bühne bleibt der Schule erhalten. Nur die große Glaswand wird durch moderne Fensterbänder ersetzt

Doch im zweiten Bauabschnitt wird alles ganz anders. Dann wird, nördlich an den sanierten Verbindungsbau anschließend, dort, wo jetzt der Schulhof ist, eine völlig neue Schule gebaut. Es soll ein schlichtes, strikt der Funktion gehorchendes Gebäudes werden, " ohne Schickimicki ", wie Steffen Klug sagt. Wenn das fertig ist, können Lehrer und Schüler – zurzeit 221 – umziehen. Als Letztes folgt dann der Abriss des maroden alten Traktes. Für diesen Neubau, der 2, 3 Millionen Euro einschließlich Außenanlagen kosten soll, erhofft sich die Stadt noch Fördermittel. Solange diese noch nicht zugesichert sind, will sich der Hochbauamtsleiter auf keinen Zeitplan festlegen lassen. Sollte das Projekt nicht gefördert werden, muss die Stadt es allein finanzieren, was die Bauzeit verlängern dürfte.

Schulleiterin Petra Brachmann ist froh, dass es endlich losgeht. " Wir haben ja bis zuletzt nicht richtig dran geglaubt ", denkt sie an das jahrelange Ringen zurück. " Jetzt sind wir glücklich und zufrieden, auch über Staub und Lärm. " Doch sie fügt gleich hinzu : " Wir haben uns ein bisschen eingeschränkt, aber sonst merken die Kinder nicht viel von der Baustelle. " Bauwände trennen den Schul- vom Baubereich ab, geräuschvolle Arbeiten werden auf die Zeit nach Schulschluss verlegt.

Da die Schule praktisch umgedreht wird und sich der bauliche Schwerpunkt nach Norden verschiebt, wird sich auch das Umfeld mit Schulhof, Schulgarten und Laufbahn stark verändern. In diesem Zuge entsteht auch ein zentraler Parkplatz mit Wendeschleife.