Die Altmark nimmt bei der Erzeugung von Bioenergie in Sachsen-Anhalt einen Spitzenplatz ein. Mehr als 50 Biogasanlagen sind bereits am Netz, Anträge für Dutzende weitere liegen in beiden Landratsämtern vor. Und die Reserven sind längst nicht ausgeschöpft, hieß es gestern während des ersten Bioenergieregion-Symposiums in Arendsee.

Arendsee. Durchstarten heißt es jetzt für die Altmark. Sie will eine Bioenergieregion werden. Bei einem Bundeswettbewerb des Bundes-Landwirtschaftsministeriums hat sie es immerhin schon geschafft, zu den 25 Preisträgern zu gehören. Die Altmark ist die einzige Bioenergieregion in Sachsen-Anhalt und kann bis 2012 auf bis zu 400 000 Euro vom Bund hoffen. Gestern gab es nun die Auftaktveranstaltung der Bioenergieregion. Im Kinder- und Erholungszentrum Arendsee diskutierten rund 100 Landwirte, Politiker, Behördenmitarbeiter und Vertreter von Kommunen, wie bislang ungenutzte Biomasse in Strom und Wärme umgewandelt werden kann, wie Kommunen mit Biomasseanlagen Energiekosten sparen und wie bereits vorhandene Biogasanlagen modernisiert werden können.

Zuvor hatte Jürgen Stadelmann, Staatssekretär im Landes-Landwirtschaftsministerium, die Bioenergie als " interessante Entwicklungsoption für ländliche Regionen und weiteres wirtschaftliches Standbein für Landwirte " gekennzeichnet. Er betonte, dass bei der Biomasse die stoffliche vor der energetischen Nutzung stehen müsse. Die Altmark mit ihren 270 000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, darunter 70 000 Hektar Grünland, sieht der Staatssekretär auf einem guten Weg. Zugleich betonte Stadelmann, dass die Kommunen eine Vorbildfunktion haben. Nur, auf dem gestrigen Symposium waren Vertreter der Kommunen eher rar, schätzte Henning Kipp vom Projektbüro Bioenergieregion Altmark ein. Für ihn ein Zeichen dafür, welche Öffentlichkeitsarbeit noch geleistet werden muss.

Für Bioenergie, also Strom, Wärme und Treibstoff aus Biomasse, warb gestern Helmut Lamp. Er ist Vorsitzender des Bundesverbandes Bioenergie und damit Lobbyist einer Branche, die im vergangenen Jahr mehr Energie als alle deutschen Atomkraftwerke produziert hat und in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatz von zwölf Milliarden Euro erzielen wird. " Der Energiemarkt liegt vor der Haustür ", meinte Lamp. Immerhin gebe ein 1000-Seelen-Ort jährlich rund eine Million Euro für Energie aus. Wichtig sei, dass Biogasanlagen nicht nur Strom erzeugen, sondern dass auch die anfallende Wärme als Fernwärme genutzt werde.

Wie das geht, verdeutlichte Willy Boß, Geschäftsführer der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, am Beispiel Tangeln. Dort werden seit September 75 Haushalte – Anschlußgrad von 90 Prozent – von einer Biogasanlage mit Fernwärme versorgt. Boß verwies dabei auf die durchaus lukrative Förderung solcher Projekte. Dass in Tangeln kostete insgesamt rund 830 000 Euro und ist mit 321 000 Euro gefördert worden. Dass die Altmark mit dem höchsten Tierbestand in Sachsen-Anhalt noch Reserven bei der Biomassenutzung besitzt, hat die Landgesellschaft bereits vor zwei Jahren in einer Studie nachgewiesen.

Die vom Regionalverein getragene Bioenergieregion Altmark soll nun dafür sorgen, dass es voran geht. Für drei konkrete Projekte werden jetzt die Ausschreibungen auf den Weg gebracht. So soll am Beispiel Seehausen untersucht werden, wie das Grün an Straßen und von Gewässerschonstreifen für die Bioenergienutzung eingesetzt werden kann. Am Fall des Salzwedeler Stadtforstes soll die wirtschaftliche und ökologische Machbarkeit der Nutzung von Holz aus ökologisch sensiblen Gebieten geprüft werden. Und drittens soll die Modernisierung von 20 Biogasanlagen vorbereitet werden. Reine Investitionen sind mit den bis zu 400 000 Euro aus dem Bundesprogramm nicht möglich. Dafür aber Studien wie die von der Magdeburger Universität zur öffentlichen Akzeptanz von Biogasanlagen.

Fest steht schon jetzt : Der Bekanntheitsgrad der Altmark als Bioenergieregion wird steigen. So werden sich Anfang Dezember die Vertreter der 25 Bioenergieregionen in Salzwedel zum Erfahrungsaustausch treffen.