Das altehrwürdige Refektorium des ehemaligen Franziskanerklosters am Mönchskirchhof bekommt im nächsten Jahr einen modernen Nachbarn. Diesen Anbau an die Stadtbibliothek nimmt die Stadt voraussichtlich im Frühjahr 2010 in Angriff.

Stendal. Er wird ganz anders sein als der fi ligrane gotische Backsteinbau aus dem 14. Jahrhundert. Er wird ihm nicht die Schau stehlen, aber doch mit ausreichend Selbstbewusstsein die Architektur von heute repräsentieren. Der geplante Neubau der Stadtbibliothek am Mönchskirchhof gehört mit dem Entwurf für den Wiederaufbau des westlichen Dom-Kreuzgangfl ügels gegenwärtig zu den interessantesten Bauprojekten in Stendal.

Die Vorarbeiten an der Bibliothek haben bereits begonnen. Wie die Volksstimme berichtete, wird an der Nordseite des Refektoriums die Baugrube für den zweifl ügeligen Neubau ausgehoben, begleitet von intensiven archäologischen Grabungen. " Bei gesicherter Finanzierung sollen die Bauarbeiten im Frühjahr 2010 beginnen ", lautet die Auskunft der Pressestelle der Stadtverwaltung auf Anfrage der Volksstimme. Bis Mitte 2011 könnte dann der winkelförmige zweigeschossige Erweiterungsbau stehen. Die geplanten Kosten in Höhe von 850 000 Euro will die Stadt über das Förderprogramm städtebaulicher Denkmalschutz fi nanzieren.

Der Neubau setzt am Ostgiebel des Refektoriums an, wo er mit einem Türdurchbruch je Geschoss und einer Art Brücke mit dem Altbestand verbunden wird. Die Nordfassade zum Birkenhagen / Parkplatz Wüste Worth wird mit fünf über beide Stockwerke reichende schmale Fensterschlitze, die den gleichen Abstand wie die gotischen Spitzbogenfenster des Refektoriums haben, den Rhythmus des Altbaus aufnehmen. Die dem gotischen Bau zugewandten Seiten werden dagegen großflächig verglast. So soll der Blick auf die historische Fassade ermöglicht und der Innenraum optisch erweitert werden.

Die zwei neuen Flügel werden mit dem Altbau einen Hof bilden. Von hier aus gelangt man künftig in die Bibliothek. Diese wird mit einem Aufzug und einer behindertengerechten Toilette barrierefrei gestaltet. Im Erdgeschoss entsteht unter anderem ein größerer Saal für Veranstaltungen.

Im alten Refektorium sind nur wenige Umbau- und Sanierungsmaßnahmen geplant. Unter anderem sehen sie die Erneuerung der gotischen Fenster im Erdgeschoss vor.

Die Neubaupläne basieren auf der Diplomarbeit der jungen Stendaler Architektin Nicole Seidel, überarbeitet vom Architekturbüro Schwarzbrunn / Bach / Zabries. Die Baukosten mussten von ursprünglich 1, 1 Millionen auf 850 000 Euro gedrückt werden. Hintergrund der Neubaupläne : Die Stadt will das Bibliothekspersonal halbieren und die beiden jetzigen Standorte an einem einzigen konzentrieren.