Stendal ( ro ). Der Altmärkische Gehörlosenverein, der am Sonnabend sein 80-jähriges Bestehen feierte, hat vor allem einen Geburtstagswunsch : Alle Programme in allen Fernsehsendern sollten mit Untertiteln versehen werden. Dafür würden die Gehörlosen auch auf die Befreiung von der Rundfunk- und Fernsehgebühr verzichten. Diesen Wunsch äußerten Vereinsvorsitzender Reiko Lühe und sein Stellvertreter Otmar Mewes auf der Festveranstaltung im Stendaler Hotel " Schwarzer Adler ". In lockerer Dialogform blickten sie auf die 80-jährige Geschichte des Vereins zurück, der heute 56 Mitglieder zählt.

Die Gehörlosen schlossen sich im Jahr 1929 im Haus Bismarckstraße 21 in Stendal zu einem Verein zusammen. Schon damals waren es rund 50 Mitglieder. Der erste Vorsitzende hieß Gustav Volk. Er blieb bis 1945, als er sich das Leben nahm, an der Spitze des Vereins. Vor seinem Selbstmord hatte er sämtliche Unterlagen und Bilder des Vereins verbrannt. " Ein Glück, dass einige Gehörlose Bilder aufgehoben haben, die man noch jetzt sehen kann ", hieß es im rückblickenden Dialog von Lühe und Mewes. Nach dem 2. Weltkrieg, als viele Flüchtlinge in den Landkreis Stendal strömten, stieg die Zahl der Gehörlosen auf 80 bis 90 an. Während der DDR-Zeit wurde eine Gehörlosengruppe für Kegler im Sportverein Einheit gegründet. Seit 1993 unterhält der Verein eine Beratungsstelle für Hörbehinderte, zunächst in der Bahnhofstraße, heute in der Frommhagenstraße. Für Jugend- und Seniorentreffen, politische Diskussionen und Erfahrungsaustausche steht ein Vereinsraum in der Frommhagenstraße zur Verfügung.

Ein Kultur- und Kunsttag mit farbenprächiger Schlangenshow und dem Zauberweltmeister Franz Paulus schloss am Sonnabend die Geburtstagsfeierlichkeiten ab.