Die Abrissarbeiten auf dem alten Militärgelände im Wald bei Mahlwinkel laufen auf Hochtouren. Mit der Sprengung von drei Schornsteinen ging es jetzt wieder ein Stück voran. Ab Ende Mai soll dort, wo einst sowjetische Streitkräfte stationiert waren, per Photovoltaik Energie erzeugt werden.

Mahlwinkel l Die alte Kaufhalle steht noch, der zweietagige Krankenhauskomplex ist hingegen schon längst verschwunden. Für die Bauarbeiter, die den sowjetischen Hinterlassenschaften bei Mahlwinkel seit gut sechs Wochen zu Leibe rücken, ist es auch ein Stück Entdeckungsreise, auf einem solchen Areal zu arbeiten. Eine eigene Kleinstadt stand dort, mitten im Mahlwinkler Wald - mit Badehäusern, Wohnblöcken und Landebahn. Nach der Wende war das Areal immer mehr sich selbst überlassen worden.

1600 Tonnen Wurzeln und 180 Tonnen Altreifen

Auf altmärkischem Sand erbaut, neigten sich manche der Gebäude in den Jahren schon kräftig. Doch die Bagger leisten gründliche Arbeit. Nicht nur die Gebäude selbst, auch der Wildwuchs, Wurzeln und Sträucher werden gründlich beräumt. Meterhohe Wurzelberge türmen sich am Rand des Areals auf.

"Wir haben rund 1600 Tonnen allein an Wurzelwerk gerodet, auch 180 Tonnen alter Reifen sind zusammengekommen", berichtet Abrissunternehmer Matthias Kuhnt aus Eisleben. Zehn Bagger, Radlader, Raupen und Lkw waren noch bis vorige Woche im Einsatz. Ein großer Teil der Arbeit ist inzwischen geschafft. Denn das Ziel steht: Ende Mai sollen die Photovoltaikanlagen ans Netz gehen - mit einer Nennleistung von 11,88 Megawatt.

Seit etwa sechs Wochen wird mit mehreren kleinen Unternehmen Hand in Hand gearbeitet. Auch Sprengmeister Wolfgang Gießler gehörte in der Vorwoche zum Abrissteam. Der Fachmann aus Siehdichum bei Frankfurt/Oder kam, um drei gewaltige Schornsteine, Überbleibsel der alten Heizhäuser für die rund 17 000 stationierten Streitkräfte, in Schutt und Asche zu legen.

Rund 500 solcher Exemplare hat er aber bereits gesprengt - Respekt hat er bis heute vor seiner Arbeit. "Ungesichert fliegt das Mauerwerk bei einer solchen Sprengung bis zu 150 Meter weit", erzählt er und gibt auch gleich einen Vergleich: "Bei einem Stahlbetonschornstein sind es 300 Meter, Beton ist risikoreicher."

30 Meter hoch waren die älteren, wohl aus den 60er Jahren stammenden Schlote, etwa 45 Meter der größte, geschätzte 40 Jahre alt. Aus Klinkersteinen gemauert und mit einem dicken Futter ausgekleidet, waren die Massen in sich zusammengesackt, nachdem Gießler den Knopf gedrückt hatte.

Einige Blöcke müssen vorerst stehen bleiben

Die technischen Voraussetzungen für die Sprengung wie das Ausstemmen der Sprenglöcher haben die am Abriss Beteiligten um Matthias Kuhnt im Vorfeld übernommen, und das sei eine gute Unterstützung gewesen, sagt Gießler. Abgesperrt wurde das ganze Areal, auch innerhalb des Geländes wurde noch einmal separat abgeriegelt, bevor mehrmaliges Tuten die bevorstehende Explosion ankündigte.

Nach Auflagen aus der Naturschutzbehörde müssen in Mahlwinkel übrigens einige Wohnblöcke stehen bleiben. Dort sind Mutterstuben mehrerer Fledermausarten gefunden worden, "12 verschiedene Arten sollen das sein", erzählt Matthias Kuhnt.

   

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