Statt Vorlesungen und Seminaren steht gestern und heute kritische Selbstbetrachtung auf dem Plan der Hochschule. Die "Reflexionstage" finden zum dritten Mal statt.

Stendal l Läuft an der Hochschule in Stendal vieles nicht rund? Sind die Studenten nur unzufrieden? Diesem Missverständnis begegnet Professor Günter Mey mit Entschiedenheit. "Der Ursprung für die Reflexionstage waren zwar die Studentenproteste im Zuge der Bachelor-Master-Umstrukturierung, aber es ist eher als kontinuierlicher Versuch zu sehen, über die Hochschule und ihre Belange nachzudenken." Von dem "Es läuft nicht gut" sei man in den drei Jahren seit der ersten Veranstaltung schon weggekommen, es habe sich ein konstruktiver Austausch entwickelt. "Wir nehmen uns an diesen zwei Tagen Zeit, miteinander zu reden und eine bessere Form von Lehre und Studium zu finden", sagt Mey.

Gestern und heute stecken also zahlreiche Studenten der Angewandten Kindheitswissenschaften und der Rehabilitationspsychologie die Köpfe zusammen, um zu schauen, wo es hakt, und um den ein oder anderen Stein der Verbesserung ins Rollen zu bringen.

Die Workshops, in denen sich in erster Linie die Studenten untereinander austauschen, in denen aber auch die Dozenten zu Wort kommen, befassen sich mit Fragen wie: Was kommt nach dem Bachelor? Wie lässt sich das Lernen optimieren und das Pflichtpraktikum geschickt einbinden? Was könnten andere Lernkonzepte sein? Wie politisch sind wir und wollen wir sein? Welche Verbesserungen könnte es für Studenten mit Handicap geben?

Ein erster Erfolg der Reflexionstage wäre für den Initiator Günter Mey, "wenn am Freitag nicht alles wieder so läuft wie am Dienstag". Dass also die zwei Tage intensiven Austauschs nicht nur eine "nette Beschäftigung" gewesen sind. "Klar, kann man nicht erwarten, dass sich alles ad hoc und eins zu eins umsetzen lässt. Ich ermutige die Studierenden auch, visionär zu sein, an kommende Studentengenerationen zu denken. Aber wichtig ist mir, dass sich die Studierenden nicht als Konsumenten von Bildung begreifen, sondern aktiv mitwirken." Das mache Hochschulen eben auch aus - sie schaffen Freiräume für Selbständigkeit und Partizipation.

"Als wir vor drei Jahren die ersten Reflexionstage angeschoben haben, waren wir uns sicher, dass das etwas Besonderes ist", erinnert sich Mey. Und als er einer Kollegin einer anderen Hochschule von dieser Form der kritischen Selbstbetrachtung erzählte, sei diese auch gleich begeistert gewesen. Erreicht habe man am Hochschulstandort Stendal seit der ersten Reflexionsveranstaltung schon einiges, resümiert Mey und nennt als Beispiele Veränderungen bei Prüfungsbedingungen, die Etablierung von Praxisprojekten.

Von den Themen der Studenten, die sie für die Workshops erarbeitet haben, ist Günter Mey so angetan, dass er sich am liebsten teilen würde, um alles mitzukriegen. "Da das nicht geht, mache ich heute und morgen Workshop-Hopping." Welche Impulse daraus erwachsen, wird sich gewiss bei den Plenumsgesprächen am Ende der beiden Reflexionstage schon herauskristallisieren.