Mit einem Podiumsgespräch im Audimax ging am Sonnabend eine zweitägige Fachtagung zum Thema "Kita und Schule im Dialog" in der Stendaler Hochschule zu Ende. Im Mittelpunkt standen die Defizite beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule.

Stendal l Vier bis fünf Prozent der Kinder, so wird von Experten geschätzt, haben Schwierigkeiten beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule. Das klingt wenig, doch der Anteil liegt bei Jungen, bei Kindern von Migranten und von so genannten bildungsfernen Eltern deutlich höher.

Susanne Borkowski weiß um die Tragweite des Problems. Seit Jahren arbeitet die Stendalerin, Geschäftsführerin des Vereins KinderStärken, ehemals Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte in Stendal, auf Landes- und städtischer Ebene in Arbeitsgruppen an dem Ziel, den Übergang zwischen Kita und Schule verträglicher und ohne größere Brüche zu gestalten. Da gebe es viele Ängste, wie man sich in der Schule zu benehmen habe, da schmerze der Abbruch der Beziehung zur Erzieherin, da belaste der einsetzende Leistungsdruck.

Es gebe große Kommunikationsdefizite zwischen den Fachkräften in den Kindereinrichtungen einerseits und den Schulen andererseits, sagte Susanne Borkowski am Sonnabend im Podiumsgespräch zum Abschluss der Fachtagung "Kita und Schule im Dialog" an der Stendaler Fachhochschule. Die von der Deutschen Telekom Stiftung initiierte Veranstaltung versammelte rund 100 Teilnehmer aus Wissenschaft, Praxis und Politik in Stendal.

Unterschiedliche Wertvorstellungen und Arbeitsmethoden würden die Kooperation von Kita und Schule, die zudem oft als zusätzliche Belastung empfunden werde, erschweren, berichtete die Stendalerin. Auf einem relativ guten Wege sei ihrer Meinung nach die Stadt Stendal, wo sich die Kommune der Problematik angenommen habe und die Vernetzung vorantreibe. Erlasse der Politik allein, so Susanne Borkowski, würden nicht ausreichen.

Von "einer ganzen Reihe wunderbarer Entwicklungen in den letzten Jahren" sprach Dr. Jan Hofmann, Staatssekretär im Kultusministerium Sachsen-Anhalt. So unterhielten 94 Prozent der 505 Grundschulen im Land vertragliche Bindungen mit Kitas, um den Übergang zu gestalten. Defizite gebe es trotzdem. Das bestätigte auch Werner Theisen aus dem Sozialministerium, der sich für die stärkere Verzahnung im Ausbildungsbereich aussprach.

Schärfster Kritiker der Politik auf dem Podium war der Psychologe Dr. Thomas Kliche von der Hochschule: "Wir haben 20, 30, 40 Jahre Torheit und Blindheit der Politik hinter uns." Einen Lösungsansatz des Problems sieht er in Zwischenformen zwischen Kita und Schule wie in den USA.