Mit ihrem Neujahrsempfang hebt die Gemeinde Hötensleben traditionell das Ehrenamt aufs Podest. In Brigitte Stöckel und Horst Scheibel sind wieder zwei überaus verdiente Einwohner für ihr langjähriges engagiertes Wirken zum Gemeinwohl gewürdigt worden.

Hötensleben l "Normalerweise gibt es ja einen Ehrenteller, aber darauf müssen wir heute ausnahmsweise noch verzichten, denn die Firma hat Lieferschwierigkeiten", bat Bürgermeister Dieter Buchwald vorab um Entschuldigung und versicherte: "Die Teller werden auf jeden Fall nachgereicht." Und immerhin - mit den Blumensträußen als Zeichen der Wertschätzung gab es keine Lieferprobleme.

Doch Teller hin, Teller her, wichtiger war die Würdigung Stöckels und Scheibels an sich - und dieser wurde mit warmen Worten der Laudatoren von Herzen Ausdruck verliehen. "Die Ehrenamtlichen sind die Lokomotiven im Ort. Sie leisten einen wertvollen Beitrag für ihre Mitmenschen", schickte Buchwald ein allgemeines Dankeschön voraus. Die Motivation dafür möge individuell unterschiedlich sein, mancher möchte einfach helfen, ein anderer seine Erfahrungen weitergeben und wieder andere suchen eine sinnvolle Beschäftigung, "aber was auch immer die Motivation ist, eine lebendige Bürgerschaft lebt davon, dass es ehrenamtlich engagierte Mitbürger gibt", betonte Buchwald.

Zugegen im Sportlerheim waren Vertreter der Ortsvereine, der Feuerwehr sowie Geschäftsführer von Firmen und Gewerbetreibenden. "Verdiente Bürger in diesem Rahmen auszuzeichnen, hat sich seit 17 Jahren bewährt", erklärte der Bürgermeister eingangs. "Bei der musikalischen Umrahmung haben wir auch in diesem Jahr auf Altbewährtes zurückgegriffen und freuen uns auf die Darbeitungen der Schülerinnen der Kreismusikschule." Er wünschte den Anwesenden für 2015 Gesundheit, Glück und persönliches Wohlergehen und empfahl ihnen, den Neujahrsempfang auch als Zeit der Begegnung und des Erfahrungsaustausches zu nutzen.

"Betriebe in den Orten sind wichtige Stützen für die Vereine."

Mit Blick auf das Ehrenamt galt Buchwalds "besonderer Dank auch den Unternehmern und Betriebsverantwortlichen in Hötensleben, Wackersleben, Barneberg und Ohrsleben, denn sie unterstützen die örtlichen Vereine nicht nur finanziell, sondern zeigen auch immer wieder Verständnis, wenn zum Beispiel ihre Mitarbeiter zu Einsätzen der Feuerwehr gerufen werden."

Günter Schwulera hielt die Laudatio für Brigitte Stöckel. Der Ortschronist zeichnete zunächst den Lebensweg der 1938 geborenen Hötensleberin nach und verriet, dass ein Ereignis sie besonders geprägt habe: "Die Grenzöffnung, die gewaltige und stetige Veränderungen in ihrem Heimatort bedeutete. Darin wollte sie sich einbringen und war ab 1990 im Gemeinderat, wo sie sich besonders für den Erhalt der alten Bausubstanz und Infrastruktur im Ort einsetzte. Brigitte arbeitete aktiv an der Gestaltung der 975-Jahr-Feier mit. Diesen Erfahrungsschatz bringt sie nun in die Vorbereitungen zur 1000-Jahr-Feier ein. Seit drei Jahren ist sie Mitglied im Arbeitskreis Hötensleber Dorfgeschichte und setzt sich hier mit der Geschichte ihres Heimatortes auseinander."

Scheibel will für April-Wahl kandidieren

Das Engagement des Sportsmannes Horst Scheibel ließ Sportvereinsvorsitzender Detlef Bratzke als Laudator Revue passieren: "Horst ist ein Sportkamerad, der nie aufgehört hat zu lernen, sei es beim Handball oder später beim Volleyball, aber auch als Lehrer und Schulleiter. Er war und ist immer offen für neue Ideen im Fußball, setzt sich damit aber auch kritisch auseinander. Er ist jede Woche auf dem Fußballplatz und immer zu erreichen. Er ist wirklich eine der eingangs erwähnten Lokomotiven, und diese Sportanlage, in der wir heute den Neujahrsempfang veranstalten, könnte man durchaus als Horsts Wohnzimmer bezeichnen." Trotz der zeitintensiven Hingabe für den Sportverein sei er stets für seine Kinder und Enkel da und wirkte aktiv im Gemeinde- sowie Verbandsgemeinderat mit. "Und nun will Horst auch für das Amt des Bürgermeisters in Hötensleben kandidieren", gab Bratzke bekannt.

Eine Neuigkeit, die Amtsinhaber Dieter Buchwald begrüßte. Er wird im Sommer seine 25 Jahre währende Bürgermeistertätigkeit abgeben. "Ich habe es gern gemacht und war mit Leib und Seele Bürgermeister, doch mit 73 ist es an der Zeit, das Amt in jüngere Hände zu legen", bekräftigte er abermals seinen Entschluss und rief "alle, denen die Belange der Gemeinde am Herzen liegen" dazu auf, am 12. April zur Wahl seines Nachfolgers zu gehen. Auch richtete Buchwald mahnende Worte an den Gemeinderat mit seinen Vertretern aus allen Ortsteilen: "Bei immer geringeren finanziellen Mitteln ist es wichtig zusammenzuarbeiten."

"Aus Streichungen fürs Ehrenamt folgt Verdruss im Ehrenamt."

Ferner merkte Buchwald an: "Kommunen sollten sich nicht nur auf die Ehrenamtlichen verlassen, sie müssen sie unterstützen und etwas zurückgeben. Oft genug werden Ausgaben fürs Ehrenamt zuerst gestrichen werden, wenn die Einnahmen nicht ausreichen. Dem müssen wir entgegenwirken, sonst ist weiterer Verdruss im Ehrenamt die Folge."

Beim gemeinsamen Abendessen setzten die Empfangsgäste die Empfehlung des Bürgermeisters um und nutzten die Zeit für viele interessante Gespräche beim gemütlichen Beisammensein.