Der erste Zug mit einer Ladung von tausend Tonnen Bioethanol hatte vor knapp drei Jahren über die reaktivierte Zuckerbahnstrecke von Klein Wanzleben über Blumenberg seine Premierenfahrt ab dem Nordzuckergelände genommen. Seither haben Bioethanol-Transporte mit 200 000 Tonnen des biologischen Alkohols das Werk verlassen. Dafür wären ohne die Gleisanbindung 10 000 Tanklastfahrten nötig gewesen.

Klein Wanzleben. Bei der Einweihung jener erneuerten alten Gleisstrecke im Februar 2008, deren Konzession bereits vor 130 Jahren am 25. Februar 1881 der preußische Landtag erteilt hatte, war vor drei Jahren auch Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) mit von der Partie. Er fuhr damals medienwirksam mit dem ersten Bioethanol-Zug in die Zuckerfabrik ein. Gestern ließ er sich zwar "nur" in seiner tiefschwarzen Ministerlimousine vorfahren, ließ es sich nach Einfahrt des Zuges bei minus sechs Grad aber nicht nehmen die Stufen der signalroten Lok zu erklimmen. Dort begrüßte er Gerhard J. Curth, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Regionaleisenbahn GmbH, nebst Lokführer.

Der Anlass für den gestrigen großen Bahnhof am Werksgleis, war die Nachricht, dass in den vergangenen drei Jahren die Bioethanol-Transporte auf der Zuckerbahn-Strecke von Blumenberg nach Klein Wanzleben verdoppelt werden konnten. Anfangs verließ ein Zug pro Woche das Nordzuckergelände. Aktuell verlassen zwei Transporte wöchentlich das Werk, jeweils beladen mit 1000 Tonnen Bioethanol. "Für diese Menge die wir so mit einem Schienentransport zu den Raffinerien in Deutschland fahren können, wären pro Transport 50 Tanklastwagen-Fahrten nötig", erklärt Dr. Albrecht Schaper, Geschäftsführer des Bioethanolwerkes fuel 21. Der Betrieb bietet inzwischen 50 Arbeitsplätze.

Seit Februar 2008 hat die Produktionsanlage für Bioethanol bei Nordzucker die Gesamtmenge von mehr als 200 000 Tonnen des biologischen Alkohols verlassen, für dessen Abstransport rund 10 000 Tanklastwagen-Fahrten nötig gewesen wären. Ebenso konnten so in der vergangenen drei Jahren 80 000 Tonnen Zucker per Bahnwaggon abstransportiert werden. Das entspricht rund 3300 Lkw-Transporten. Mit der Ausweitung der fuel-21-Produktion seit 2008 stieg somit die Anzahl der Schienentransporte. Die zwei Züge, die aktuell pro Woche das Werksgelände zu meist nachts verlassen würden, führen jeweils bis zu 24 Waggons. Das Befüllen eines Zuges inklusive des Rangierens würde bis zu 16 Stunden dauern, erklärte Dr. Schaper. Der Zug habe mittlerweile auch eine Anbindung bis zum Magdeburger Hafen.

"Diese Entwicklung macht deutlich, dass sich das Engagement für den Schienenverkehr lohnt. Die Städte und Gemeinden werden vom Durchgangsverkehr entlastet. Diese Strategie wollen wir auch künftig weiterverfolgen", sagte Minister Daehre bei der gestrigen Werksbesichtigung. Das Land Sachsen-Anhalt hatte sich mit 50 Prozent der Investitionskosten zur Ertüchtigung der Strecke 2007 beteiligt. Es wurden insgesamt 2,7 Millionen Euro investiert.

Das Thema Sicherheit auf der Zuckerbahnstrecke war auch gestern beim Arbeitsbesuch von Minister Karl-Heinz Daehre eines der zentralen Themen. "Auf der Strecke Blumenberg und Klein Wanzleben können sich keine Züge begegnen. Das ist ausgeschlossen. Wir haben hier zudem nur Güter- und keinen Personenverkehr", sagte Daehre.

Weitere Ausführungen zum Abtransport machte Gerhard J. Curth, Geschäftsführer der Deutschen Regionaleisenbahn: "Auf jedem Zug, der das Werk verlässt, sitzt ein Lokführer sowie ein Sicherungsposten. Vor unbeschrankten Bahnübergängen, wie denen in Wanzleben, stoppt der Zug, der mit gerade mal Tempo 20 unterwegs ist. Der Rangierer steigt samt Beleuchtung und Flagge vor dem Übergang ab und stoppt den Autoverkehr manuell."

Eine Installation einer Schrankenanlage an den Wanzleber Bahnübergängen sei laut Curth aktuell nicht erforderlich. "Dazu sind wir auch nicht verpflichtet. Dafür ist die Geschwindigkeit mit der sich der Zug dem Übergang nähert zu gering. Erst wenn auf der Strecke der Zug im Stundentakt fahren würde, was nicht der Fall ist, wäre eine technische Sicherung nötig", sagte er. Die Kosten für eine einfache Sicherungsanlage würden sich beispielweise auf 150 000 Euro belaufen. "Um das realisieren zu können, benötigt man Partner. Das Land müsste sich dann an der Finanzierung für solch eine Schrankenanlage in Wanzleben beteiligen", sagte Curth.

Minister Daehre meinte dazu, dass wenn sich die Anzahl der Bioethanol-Transporte langfristig so weiterentwickeln sollte, man schon darüber nachdenken könne, die Bahnübergänge in Wanzleben technisch zu sichern.

Dr. Michael Gauß, Geschäftsbereichsleiter für Zentraleuropa der Nordzucker AG, wies zudem daraufhin, dass es sich hierbei zwar um einen Gefahrguttransport handeln würde, Bioethanol aber nicht explosiv sei. "Das Produkt ist brennbar, kann aber ohne Einschränkungen transportiert werden. Sollte es ins Wasser oder ins Erdreich gelangen, könnte es vollständig abgebaut werden."

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