Schöningen. Da, wo im Tagebau Schöningen 1995 der erste von acht Holzspeeren gefunden und bald darauf als Weltsensation sogar auf den Titelseiten von " Washington Post " und " New York Times " vermeldet wurde, soll ein Forschungs- und Erlebniscenter entstehen. 15 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II stehen zur Verfügung. Was man mit dem Geld bis zur Eröffnung 2012 alles machen könnte, darüber informierte im Palas des Schöninger Schlosses Prof. Dr. Harald Meller, Landesarchäologe des Landes Sachsen-Anhalt.

Bevor Prof. Dr. Meller, international bekannt durch die Rettung und wissenschaftliche Untersuchung der Himmelsscheibe von Nebra, über die Chancen des Projektes " Schöninger Speere " sprach, ließ Dr. Wolf-Michael Schmid, Vorsitzender des Fördervereins Schöninger Speere, eine Jagdszene, wie sie sich vor 347 991 Jahren am Schöninger See abgespielt haben könnte, sehr bildhaft vor dem geistigen Auge der interessierten Zuhörer ablaufen. Die Jäger, Homo erectus, wollen Wildpferde erlegen. Sie tragen Speere bei sich, wie sie die Forschung bis dahin dem Menschen vor fast 400 000 Jahren noch nicht zugetraut hatte. Als die Jagd vorbei ist, wendet sich Dr. Schmid der Gegenwart und Zukunft zu.

Mehrfach wurde an diesem Abend darauf hingewiesen, dass das Projekt eines Forschungs- und Erlebniscenters ein Baustein sein wird beim Strukturwandel nach dem Ende des Braunkohlenabbaus. Welche Auswirkungen so ein Projekt auf die Region haben kann, erörterte dann an eigenen Erfahrungen Prof. Dr. Meller, unter dessen Führung das Landesmuseum in Halle zu einem der wichtigsten Ausstellungshäuser für Prähistorische Archäologie in Europa geworden ist, am Beispiel der Arche Nebra. Sie ist das Besucherzentrum am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra in Sachsen-Anhalt. Diesem Projekt gehe es wirtschaftlich so gut, dass bereits Refinanzierungen hätten vorgenommen werden können.

Auf das Projekt Schöningen eingehend, zeigte Meller anhand von Beispielen aus Schottland, Spanien, Dänemark und Deutschland was man machen könnte und was unwirtschaftlich wäre. Die größten Kostenverursacher seien Energie- und Personalkosten sowie bauliche Mängel. Was sein sollte : Ein Shop, ein gutes großes Café, viel Kuchen und ausreichend Toiletten.

" Wir brauchen ein Freigelände, gestaltet wie eine Eiszeitlandschaft mit entsprechenden Anpflanzungen und Pferden. Und Hörführungen per Kopfhörer. " Das Erlebniszentrum sollte auf dem Berg stehen mit Blick in den Tagebau, und die Besucher sollten den Forschern über die Schulter schauen können, denn noch etwa fünf bis sieben Jahre würden die Ausgrabungen andauern. Aber es sei ein laufendes Forschungsprojekt. " Wir wissen vieles, aber nicht alles ", so Meller, unter dessen Mitwirkung das Projekt entstehen soll. In den nächsten Monaten beginne die Vorplanung mit dem Architektenwettbewerb. Im Sommer 2012 solle Eröffnung sein.