Haldensleben. Dem Thema Depression widmete sich das nunmehr 6. Herbstsymposium des Ameos-Fachklinikums in Haldensleben. " Quo vadis – Depression ?" lautete das Thema des Symposiums. Zu diesem aktuellen Thema hatten die Krankenhausdirektorin Christiane Kuhne und die ärztliche Direktorin Dr. Gisela Kondratjuk hochkarätige Referenten eingeladen, die über die Wurzeln und Ursachen von Depressionen referierten : Dr. Hans-Joachim Maaz aus der ehemaligen Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Diakoniekrankenhaus Halle, PD Dr. Axel Genz aus der Klinik Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin des Universitätsklinikum Magdeburg sowie Björn Husmann, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut aus Bremen. Zu der Veranstaltung waren Ärzte, Psychologen, Pflegepersonal, Ergotherapeuten und Sozialarbeiter aus ganz Sachsen-Anhalt angereist.

Mit dem Film " Gloomy Sunday " und dem Lied " Trauriger Sonntag " des Pianisten Rezsö Seress wurden die Zuhörer auf das schwere Thema eingestimmt. Das Lied wird auch als " Lied der Selbstmörder " bezeichnet, weil es wegen seiner melancholisch-schönen Art von vielen Selbstmördern kurz vor ihrem Freitod gehört wurde. Iris Herzig, Dezerntin des Landkreis Börde, war als Vertretung für Landrat Webel, der Schirmherr

der Veranstaltungsreihe ist, vor Ort und unterstrich in ihrer Begrüßung, dass die Krankheit Depression ein immer größeres Ausmaß in der Gesellschaft einnimmt : " Bei der Depression kann man von einer Volkskrankheit sprechen. Jeder 10. Mann und jede 4. Frau erkranken einmal in ihrem Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression. Die Ursachen sind vielfältig. Jeder kann in so eine Stimmungslage kommen. " Auch wies sie darauf hin, dass die Krankheitslast, sprich die verringerte Lebensqualität, vor der der Herzkreislauf- und onkologischen Erkrankungen liegt.

Nach der Begrüßung von Dr. Gisela Kondratjuk, hatte Referent Dr. Hans-Joachim Maaz das Wort. In seinem Vortrag " Die psychosoziale Dimension der Depression – im Wechselspiel von Individuum und Gesellschaft " nahm der Psychoanalytiker die Depression von einer zunächst ungewohnten Seite in Augenschein. " Depressiv sein ist die menschlichste aller Erkrankungen, die wir haben. Sie stützt und stabilisiert uns in der Not. In den ersten drei Lebensjahren entwickeln sich die neuronalen Vernetzungen, die für ein Leben gelten ", erklärte Maaz. Das heißt, Einflüsse mütterlicher und väterlicherseits, in der frühkindheitlichen Entwicklung, prägen das gesamte Leben.

Ist beispielsweise ein Kind nicht gewollt, wächst es in einer existenzbedrohenden Umgebung auf. Es wird abgelehnt, nicht geliebt und trägt somit die Veranlagung zu Borderline-Persönlichkeitsstörung in sich. Um nicht an die frühen Kindheitserfahrungen erinnert zu werden und sich zu schützen, kann somit eine Depression entstehen. Selbstmord hat, laut Maaz, immer etwas mit Mord zu tun. Nur kann der Depressive die Aggressionen nicht gegen seinen Peiniger ausleben, wendet sie deshalb gegen sich.

Es sei also gefährlich, wenn Ärzte den Schutz der Traurigkeit durch Tabletten oder Therapien voreilig beseitigen, da so der Weg in die Suizidalität frei gemacht werde. Maaz Meinung nach, ist die Qualität der Früherfahrung ausschlaggebend für das spätere gesellschaftliche Verhalten. Um die Gesellschaft zu verbessern und Depressionen zu veringern, müssten nach Maaz Kinder in optimalen Beziehungen aufwachsen, so dass die neuronalen Netze vielfach nur positiv geprägt werden.