Auch 64 Jahre nach der Befreiung Deutschlands vom nationalsozialistischen Regime ist das gefährliche Gedankengut aus Fremdenhass und Rassenideologie nicht aus allen Köpfen verschwunden. Um Jugendliche über das Thema " Rechtsextremismus heute " aufzuklären, startete die Oschersleber Jugendeinrichtung " Der Treff " ein ehrgeiziges Projekt.

Oschersleben. " It used to be a Funhouse " klingt es dieser Tage oft aus dem Radio. Gemeint ist der Refrain des neuesten Charthits von Punk-Queen " Pink !". Dass die Liedzeile auch eine passende Umschreibung der Jugendeinrichtung " Der Treff " in der Oschersleber Seelmannstraße ist, dürfte der amerikanischen Sängerin wohl eher unbekannt sein. Die Mitarbeiterinnen des " Treff " rund um Leiterin Veronika Hegewald engagieren sich voller Tatendrang, um den Jugendlichen in Oschersleben ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm zu bieten.

Dass es in den Räumen der alten Villa aber auch ruhiger zugehen kann, zeigte jetzt das neueste Projekt, dass sich mit Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit befasste. " Angefangen hatte alles mit einer Demo von Rechtsradikalen in der Stadt ", erinnert sich Veronika Hegewald. " Am Tag darauf kamen unsere Jugendlichen her und sprachen uns darauf an, wollten mehr erfahren über diese fremdenfeindliche Gruppierung. " Kurz entschlossen grübelten Hegewald und ihr Team über ein Projekt, dass den Kindern und Jugendlichen nahe bringen sollte, wie gefährlich das Gedankengut dieser Menschen ist und welchen Schaden solche Fanatiker in der Vergangenheit anrichteten. " Nach kurzer Überlegung entschieden wir uns, mit den interessierten Kids zur Mahnstätte KZ Langenstein-Zwieberge zu fahren um uns die Greueltaten der faschistischen Diktatur vor Augen führen zu lassen ", erklärte " Treff " - Leiterin Veronika Hegewald. Bei leider scheußlichem Wetter machten sich die Jugendlichen mit ihren Betreuern am vergangenen Wochenende auf den Weg nach Halberstadt. " Wir erlebten eine sehr interessante Führung über das Gelände, schauten uns Fotos und einen Film zu dem Thema Konzentrationslager an und erfuhren viel über die Situation der Gefangenen ", so die Leiterin weiter.

Natürlich konnte damit die Aufarbeitung des Themas nicht enden. Also diskutierten die Jugendlichen gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen, wie sie das Thema abschließen könnten. " Da wir während des Projektes ohnehin von der ‚ Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung ‘ unterstützt wurden, hatten wir um eine Anregung gebeten ", so Hegewald. Und bei der Netzstelle hatte man gleich eine passende Idee. " Am Freitag haben wir einen fachkundigen Referenten eingeladen, der mit allen Interessierten das Thema nochmals diskutiert ".

Wer also mehr erfahren möchte und nicht die Augen verschließen will, kann gern heute um 15. 30 Uhr im " Treff " vorbeischauen.