" Um Himmels willen - wo fängt der Himmel an " -so ist der Anfang eines Liedes aus der diesjährigen Religiösen Kinder Woche ( RKW ). Mir ist es zu einem Ohrwurm geworden. Genauso bringt der Anblick von Stufen, Treppen und Leitern meine Gedanken zurück zur Huysburg, wo die RKW stattfand. Alles f ng mit der so genannten " Jakobsleiter " an.

Er, ein Betrüger und Lügner, der mehr wollte, als ihm zustand und sich nicht anpassen konnte, hat letztendlich alles verloren. Die Enttäuschung des Vaters und der Hass des Bruders verfolgten ihn. Die Rede ist von Jakob, dem Stammvater der Israeliten. Sein Werdegang vom verwöhnten Muttersöhnchen zum erfahrenen Stammvater wird uns im ersten Buch des Alten Testamentes erzählt ( Gen 27, 1 ff ). Nach dem hinterlistigen Betrug an seinem Vater und dem Bruder muss Jakob vor der Rache Esaus f iehen, sein behütetes Leben aufgeben und einen Weg in eine ungewisse Zukunft beginnen. Plötzlich ist er allein auf sich selbst gestellt, ohne den Rückhalt seiner Familie und die Sicherheit der Zelte. Der biblische Text erzählt, dass die Sonne untergeht und die Nacht kommt. Es ist nicht nur eine Beschreibung der Natur, sondern auch ein Symbol für Jakobs Situation. Er weiß noch keinen Weg und hat die Orientierung verloren. Er ist gezwungen, jetzt inne zu halten. Dabei fndet er einen Ort, an dem er sich schlafen legen kann. Der Schlaf rettet ihn vor der gefährlichen Realität und führt ihn in seine inneren Tiefen, dort, wo die Träume entstehen. Das ist auch der Ort, an dem sich ihm Gott zeigt. Jakob sieht eine Treppe, die auf der Erde steht und bis zum Himmel reicht. Auf ihr steigen Engel auf und nieder, und an ihrem oberen Ende steht Gott. Die Treppe verbindet die irdische Realität mit der himmlischen Welt. Dadurch ist für die Menschen der Himmel erreichbar und die himmlischen Wesen kommen auf die Erde herab. Austausch ist möglich. Distanzen können überwunden werden. Engel benutzen diese Treppe als Verbindung. Sie tragen die Dinge der Erde zu Gott und bringen Gottes Botschaft in die Welt. Weil es diese Verbindung gibt, schwebt Gott nicht in weiter Ferne, sondern er lässt sich berühren und er berührt, denn durch die himmlische Treppe ist er auch der Erde nahe. Die Treppe steht auf dem Boden der Tatsachen und sie führt in eine himmlische Vision, die dem tatsächlichen Leben Kraft gibt. So erfährt es Jakob. In der tiefsten Nacht seiner ungewissen Zukunft sieht er diese Treppe und hört die Zusage Gottes : " Ich bin mit Dir, ich behüte dich, wohin Du auch gehst und ich bringe Dich in dieses Land zurück. Denn ich verlasse Dich nicht ". ( Gen 28, 15 )

Die Kinder auf der Huysburg haben oft und gern auf der Treppe gesessen, die vom Zeltplatz zum Vorplatz der Kirche führt. Ich selbst saß gern auf der Treppe im Wallfahrtshaus. Treppen führen hinauf und auch wieder hinab und umgekehrt. Ich denke, Treppen haben mit Unterbewusstsein zu tun. Instinktiv deuten sie uns das Unterwegs sein im Leben, sind Zeichen dafür, dass wir nicht den endgültigen, festen Ort unseres Seins f nden, sondern immer auf dem Weg sind - im Auf und Ab.

Liebe Leser, vielleicht wurden Sie durch diese Zeilen angeregt, mit offenen Augen in die Sommerferien zu gehen und dabei neugierig in Innenhöfen und Schlossgärten, Residenzen und Burgen, Klöstern und Kirchen, Portalen und Altären nach Treppenanlagen Ausschau zu halten. Oft sind es Meisterwerke der Architektur. Spielorte von Licht und Schatten. Treppen sind immer etwas wunderbares.

Jakob hat erfahren : Der Himmel ist da, wo Gott mich berührt hat. Ich wünsche Ihnen in diesen Sommerferien auch so eine schöne Erfahrung und Kraft auf den Stufen und Treppen sowie Augen, die staunen über die Ideen von Architekten und Planern und über Ihre eigene Wahrnehmung.