Mit einer Auftaktveranstaltung hat der Blinden- und Sehbehindertenverband Oschersleben eine Reihe von Beratungsterminen begonnen. Ziel ist es, den Betroffenen den Alltag ohne oder mit eingeschränktem Augenlicht zu erleichtern.

Oschersleben. Wie wichtig das Sehen für die kleinsten Dinge im Alltag ist, bemerken die Menschen erst, wenn das Augenlicht nachlässt oder wenn es durch einen Unfall oder Krankheit verloren geht. Wenn es für die Menschen dann schwierig wird, sie sich immer schlechter zurechtf nden und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, gibt es den Blinden- und Sehbehindertenverband sowie eine Oschersleber Selbsthilfegruppe.

" Das fängt beim Uhrenlesen an ", erklärt Bernd Peters, Leiter der Beratungsstelle Magdeburg. Er sitzt im Lesecafé der Oschersleber Bibliothek und hält viele kleine elektrische Helferlein bereit. An seiner Seite Mitarbeitern Regina Schachtzabel, außerdem Mitglieder der hiesigen Selbsthilfegruppe, Karl-Heinz Hoymann sowie das Ehepaar Kurt und Margarete Grünberg. Sie hatten zu einem öffentlichen Beratungstag geladen, wollen von nun an in regelmäßigen Abständen dazu ins Lesecafé bitten. Ratsuchende können dann allerhand erfahren. " Manche kommen zu mir und sagen : Ach, so etwas gibt es auch !", erzählt Peters und schmunzelt darüber, dass die Betroffenen vom menschlichen Erfndergeist immer wieder überrascht werden.

So gibt es beispielsweise Uhren, die sprechen oder die hinter einem Sprungdeckel ein ertastbares Ziffernblatt verbergen. Es gibt Tastpunkte zum Aufkleben an Herd, Schränken oder anderen elektrischen Geräten, so dass für unterschiedliche Stufen jeweils mehrere Punkte stehen. Außerdem können Einlagen in Messbechern die Mengen von Wasser, Zucker oder Mehl erfühlbar werden lassen. Zudem zeigt sich eine praktische Münzbox, in der fein säuberlich fünf-, zehn- und 20-Cent-M ünzen sowie die Euros aufgestapelt sind. " Das ist gut, wenn es an der Kasse mal schnell gehen muss ", erklärt Hoymann. Trotzdem sollten die Mitmenschen darauf Rücksicht nehmen, wenn jemand etwas länger braucht, so Hoymann. Um Verständnis dafür zu wecken, sollte jeder auf das Drei-Punkte-Zeichen zurückgreifen, so die Ratgeber. Die übrigens wissen, wovon sie sprechen. Peters ist selbst sehbehindert, Karl-Heinz Hoymann steht seiner Ehefrau bei ihrem Leiden bei und Margarete Grünberg kämpft seit 1978 mit einem sich verschlimmernden Tunnelblick. " Zuerst konnte ich die Angaben auf der Lebensmittelwaage nicht mehr lesen ", erzählt die ehemalige Köchin von damals. Bis kurz nach der Wende hat sie dennoch gearbeitet – dank mancher kreativer Ideen ihrer Kollegen. Zum Beispiel haben sie die Gewichtsmarken an der Waage farbig gestaltet. So wissen die Betroffenen oft einen Rat.

Wenn es Interesse an den Angeboten gibt, so hoffen die Grünbergs und Hoymann, wenden sich Ratsuchende an sie. Das können auch Angehörige sein, zum Beispiel Eltern. Die Selbsthilfegruppe trifft sich alle zwei Monate, immer am letzten Mittwoch. Der nächste Beratungstag wird zeitnah bekannt gegeben.