20 Jahre nach dem Mauerfall kennen Jugendliche die DDR nur noch aus Geschichtsbüchern. Der Frage " Wie war die DDR ?" gingen in dieser Woche 36 Schüler der 11. Klasse des Börde-Gymnasiums im Rahmen des Schülerprojektes " Erinnerungskultur " mit 48 Schülern aus Braunschweig nach. Dabei stand die gemeinsame Besichtigung der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Magdeburg auf dem Programm.

Wanzleben. Als Michéle Loof gemeinsam mit ihren 35 Klassenkameraden des Wanzleber Börde-Gymnasiums durch den ehemaligen Stasiknast am Moritzplatz in Magdeburg geführt wird, hat sie von der Atmosphäre zeitweise Gänsehaut. Sie erfährt von den abstrusen Verhörmethoden der Staatssicherheit, davon, dass seit 1957 bis 1989 politische Häftlinge in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Magdeburg-Neustadt am Moritzplatz für eine Dauer zwischen sechs Wochen und zwei Jahren untergebracht und hier für die Verhandlung vor einem DDRGericht " vorbereitet " wurden. Das prägende Zitat " Grundsätzlich kann von jedem Beschuldigten ein Geständnis erlangt werden ", trifft den Kern jener Geschichte, die sich hinter diesen Mauern zugetragen hat.

Die 17-jährige Michelé Loof und ihre Freundin Anna Gutbrodt sagen nach der Besichtigung : " Wir haben keine Erfahrungen mit der DDR, aber es ist interessant zu sehen wie sie eben auch war. Wir fühlen hier Betroffenheit. "

Die Diskussion um die Geschichte wird lebendig, als die Braunschweiger Schüler von ihren Interviews mit Zeitzeugen aus der ehemaligen DDR berichten. Auch sie kennen logischerweise die DDR nur aus den Erzählungen ihrer Eltern, der Lehrer oder eben von jenen Zeitzeugen.

An dem Gemeinschaftsschülerprojekt der Volkshochschule Braunschweig und der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt nehmen neben den Wanzleber Gymnasiasten auch 38 Schüler des Hoffmannvon-Fallersleben-Gymnasiums Braunschweig sowie zehn Schüler der Neuen Oberschule teil. Den Abschluss des gemeinsamen Projektes " Erinnerungskultur " soll es anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Mauerfalls im Oktober in Braunschweig geben.

Die Schüler wurden durch den Stasiknast am Moritzplatz von Lehramtsstudenten der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität, geführt. Die 32-jährige Nicole Bütow und ihre Kommilitonin Katrin Buhl meinen : " Wir vermitteln hier kein Geschichtsbild. Der Ort spricht bereits für sich. " Sie erklären, dass die am häufigsten gestellte Frage der Jugendlichen, die nach dem Häftlingsalltag war. In dem Gefängnis saßen von 1957 bis zur politischen Wende 1989 und der damit verbundenen Auf ösung der Staatsicherheit politische Häftlinge in Untersuchungshaft. Jeder Bezirk, in der DDR gab es davon 14, hatte ein solches Untersuchungsgefängnis. Zeitweise bis zu 50 Häftlinge warteten damals in Magdeburg hinter diesen Gittern auf ihren Prozess.