"Natürlich.Schierke" hat Helmuth Müller aus Salzburg seine Vision vom Ganzjahreserlebnisgebiet am Schierker Winterberg betitelt. Die Stadtverwaltung treibt die Planungen für das Millionen-Projekt voran, allein in diesem Jahr will sie dafür 220000Euro ausgeben. Der Stadtrat hat zugestimmt - nach langer Debatte.

Wernigerode/Schierke l Seilbahnen, Skipisten, mystische Wanderwege - all das soll in den kommenden Jahren in Schierke entstehen. Das Ganzjahreserlebnisgebiet, von Planer Helmuth Müller aus Salzburg "Natürlich.Schierke" getauft, soll den Tourismus im Brockenort ankurbeln. Die Stadtverwaltung will in Vorleistung gehen und am Kleinen Winterberg mehrere Millionen Euro investieren. Der Wernigeröder Stadtrat hat dafür am Donnerstagabend grünes Licht gegeben.

Der mehrheitlichen Zustimmung ging eine lebhafte Debatte voraus. So ließ sich Thomas Schatz (Linke) von Baudezernent Burkhard Rudo bestätigen, dass die Abstimmung einzig die weiteren Planungsschritte betrifft, nicht aber bereits die Umsetzung des Projekts. Bedeutet: Sollte beispielsweise das Wirtschaftlichkeitsgutachten derart negativ ausfallen, dass ein erheblicher finanzieller Schaden auf die Stadt zukäme, könnte der Stadtrat das Projekt abbrechen.

"Das ist richtig", sagte Burkhard Rudo. Den Beschluss wertet er aber dennoch als grundsätzliches Bekenntnis zum Ausbau der Freizeitangebote in Schierke.

Um die Vision von Helmuth Müller in die Tat umsetzen zu können, gibt die Stadt allein in diesem Jahr 220000 Euro für die Planung aus. Im Folgejahr werden weitere 800000Euro für die Vorbereitung der Bauarbeiten fällig.

Dem gesamten Projekt bescheinigte SPD-Stadtrat Siegfried Siegel "elementare Schwächen". Zum einen verwies er auf die beabsichtigte künstliche Beschneiung der Skipisten im Winter. "Das steht im Gegensatz zum von uns ursprünglich geplanten sanften Tourismus." Helmuth Müller hatte dieses Argument bereits bei der ersten Präsentation seiner Vision entkräftet. "Sanfter Tourismus hat nicht funktioniert", sagte der Salzburger und hatte damit auf missglückte Projekte in anderen Regionen hingewiesen. Seiner Meinung nach müsste Touristen heutzutage etwas geboten werden, um sie anzulocken. Dementsprechend vielfältig fällt sein "Natürlich.Schierke" aus, das Harzurlaubern sowohl im Winter als auch im Sommer ein umfangreiches Programm bieten soll. Dabei legt Müller auf den Wintersport nur geringen Wert, wie er zuletzt in einer Sitzung des Sonderausschusses für die Entwicklung Schierkes erklärt hatte: "Es muss sich ohne Schnee rechnen." Wintermonate, in denen die Witterung für Alpin-Ski ausreicht, dürften nur "der Kaviar auf dem Schinkenbrot sein".

"Das ist kein Pappenstiel, was in Schierke geplant ist."

Frank Armbruster, Umweltgutachter aus Bad Krozingen

Insgesamt sind im Schierke-Plan 40 Hektar Skipiste vorgesehen, wobei die Fläche laut Müller auch in kleinerem Ausmaß funktioniere. Das gesamte Gebiet soll mit den benachbarten Skianlagen in Braunlage verknüpft werden. Auch, um einen Gästeaustausch zwischen den beiden Orten zu ermöglichen. Der Naturerlebnispark auf Schierker Seite soll nach Angaben von Helmuth Müller 30 bis 40 Arbeitsplätze schaffen.

Die dort geplanten Attraktionen bezeichnete SPD-Stadtrat Siegel allerdings als "von vorgestern". Es werde vieles kopiert, was es in anderen Orten schon gebe. Das von Müller prophezeite Alleinstellungsmerkmal in Schierke könne Siegel nicht erkennen. Ins Detail ging er bei seiner Kritik allerdings nicht.

Ebenfalls deutliche Worte fand der Wernigeröder für die "wilde Vermischung" von privaten und öffentlichen Investitionen. "Wir wollten eine klare Trennung von dem, was öffentlich passieren und dem, was aus privater Hand finanziert werden soll", erinnerte Siegel. Im vorliegenden Konzept sei diese Trennung nicht mehr zu erkennen.

Bei fünf Enthaltungen und keiner Nein-Stimme entschieden sich die anderen Stadträte, die Planungen voranzutreiben.

Bereits im Vorfeld der Sitzung hatte Frank Armbruster die Pläne aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes unter die Lupe genommen. "Das ist kein Pappenstiel, was hier geplant ist", sagte der Umweltgutachter im Schierke-Ausschuss.

Die geplanten Waldrodungen mit einem Ausmaß von 35Hektar seien "massiv". Dennoch sei er optimistisch, dass die notwendigen Baugenehmigungen positiv beschieden werden. Dafür sollen vor allem großangelegte Ersatzpflanzungen sorgen. Positiv sei, dass das Gelände nur am Rande von Naturschutzgebieten liegt.

   

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