Geht es nach dem Willen der Schüler des Gymnasiums "Am Thie" (GAT) in Blankenburg, würde ab sofort Mario Hennig den Harz im Deutschen Bundestag vertreten. Bei der Juniorwahl erhielt der SPD-Mann 140 der 318 abgegebenen Stimmen. Bei den Zweitstimmen liegt dagegen die CDU mit 114 Zählern vor der SPD (61).

Blankenburg l Die sogenannte Juniorwahl, die bundesweit mehr als 500 000 Jugendliche in 2264 Schulen an die Wahlurnen gerufen hat, hat nicht nur in Blankenburg für einige Überraschungen gesorgt. So hätte es beispielsweise die FDP nach dem Willen der Schüler wieder knapp in den Bundestag geschafft. Am GAT erhielten die Liberalen sechs Prozent, im Bundesdurchschnitt 5,7 Prozent. Die Grünen wären dagegen nicht mehr im Parlament vertreten. Sie erhielten im Thie-Gymnasium nur 4,4 Prozent. Ganz im Gegensatz zu den Piraten, die auf 12,6 Prozent kamen. Obwohl die CDU als Partei 35,8 Prozent verbuchen konnte und stärkste Kraft wurde, fiel ihre Kandidatin Heike Brehmer mit 27,4 Prozent der Erst-Stimmen durch. Die Schüler gaben ihr keinen Bonus, sondern votierten mehrheitlich für den SPD-Kandidaten Mario Hennig. Er erreichte 44 Prozent.

Für Sozialkundelehrer Karl-Heinz Meyer ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich seine Schüler intensiver mit den Bewerbern und ihren Zielen auseinandergesetzt haben, als manch "echte" Wähler. "Dies ist das Resultat unserer Podiumsdiskussion, in der die Kandidaten Rede und Antwort standen. Die Qualität zeigt sich in diesem Wahlergebnis", erklärte er. Das sehen auch die Organisatoren der Juniorwahl von der Aktionsgruppe "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" so. "Mario Hennig hat sich am besten präsentiert", bestätigte Gregor Opfermann.

Während er sich vom schwachen Abschneiden der Grünen überrascht zeigte, hatte er ein starkes Ergebnis der Piraten erwartet. "Ihre Positionen sprechen junge Leute an", erklärte der Schüler der zehnten Klasse. Froh zeigte sich die Gruppe, dass die NPD weit abgeschlagen blieb: "Das zeigt, dass in unserer Schule gute Aufklärungsarbeit geleistet wird."

Auch Schulleiter Dr. Bernd Büchel wertete das Abstimmungsergebnis als "hochinteressant", besonders was das unterschiedliche Wahlverhalten bei den Erst- und Zweitstimmen anbelangt. Aus seiner Sicht verdeutliche es, dass junge Menschen sehr überlegt entscheiden, wen sie wählen. "Die Demokratie setzt ein gebildetes Volk voraus. Unser Wahlergebnis spiegelt das wider", ergänzte Karl-Heinz Meyer.

Die Ergebnisse der Junior wahl fließen nicht in das offizielle Wahlergebnis vom Sonntag ein. Die nächste Schülerabstimmung der achten bis zwölften Klassen am GAT wird übrigens zur Europawahl im Mai 2014 stattfinden.