Wernigerode/Schierke l Die neuesten Entwürfe für das geplante Eisstadion sind im Schierke-Ausschuss kritisiert worden. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit haben Architekten des Berliner Büros Graft den Ausschuss-Mitgliedern ihre Pläne vorgestellt.

Nach Volksstimme-Informationen bemängelten einige Lokalpolitiker, dass in dem Entwurf der Berliner keine Überdachung der Zuschauerränge vorgesehen sei. Darüber hinaus sei kritisiert worden, dass für den denkmalgeschützten Sprecherturm lediglich eine Sicherung und keine grundhafte Sanierung geplant sei. Wernigerodes Tourismuschefin Erdmute Clemens habe erste Ideen für eine Bewirtschaftung des Eisstadions genannt, jedoch ohne genaue Zahlen für die Folgekosten, die durch die Betreibung entstehen. Auch das wurde von den Stadträten kritisiert.

Die Berliner hätten im Schierke-Ausschuss nach ihrem Stegreif-Entwurf im Mai 2013 einen ersten Vorentwurf präsentiert, informierte Wernigerodes Rathaussprecher Andreas Meling auf Volksstimme-Nachfrage. "In der nächsten Sitzung werden ein konkretisierter Entwurf sowie das Betreiberkonzept mit Informationen zur Wirtschaftlichkeit des Eisstadions öffentlich vorgestellt", kündigte Meling an. Der nächste Schierke-Ausschuss sei für Ende März geplant. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Wie Volksstimme erfuhr, gehen die Architekten von einer Gesamtsumme von 5,99 Millionen Euro für das Bauprojekt aus. Die per Stadtratsbeschluss festgelegte Obergrenze von 6 Millionen Euro sei damit nicht überschritten worden. Der Startschuss für den Bau des Eisstadions soll noch in diesem Jahr erfolgen. Vorher müssen die Stadträte allerdings dem Projekt zustimmen.

"Ich möchte betonen, dass wir am Winterberg ein Ganzjahres-Erlebnisgebiet entwickeln wollen, in welches sich der Skisport integriert."
- Wirtschaftsförderer Rüdiger Ganske

Zuvor, im öffentlichen Teil der Sitzung, informierte Rüdiger Ganske von der Wirtschaftsförderung der Stadt zum aktuellen Stand des Winterberg-Projektes. Der Ausbau des Schierker Berges zum Tourismusmagneten mit Seilbahnen, Skipisten und Wanderwegen ist Kernstück der Ortsentwicklung. "In Hinblick auf die aktuellen Diskussionen um Klimawandel und milde Winter möchte ich noch einmal betonen, dass wir am Winterberg ein Ganzjahres-Erlebnisgebiet entwickeln wollen, in welches sich der Skisport integriert", so Ganske.

In den letzten Monaten sei das Wirtschaftlichkeitsgutachten vorbereitet worden. Es könne den Stadträten im März präsentiert werden. Auch der sogenannte Masterplan werde im Frühjahr vom beauftragten Salzburger Fachbüro vorgelegt, kündigte Ganske an. Das erforderliche Umweltgutachten sei ebenfalls in Arbeit. Von Anfang an wurde das Winterberg-Projekt von Umweltschützern kritisch beäugt, weil vorgesehen ist, große Flächen zu roden. Wald, der momentan noch dem Land gehört.

"Ist es bei der Entwicklung des Winterberges wirklich notwendig, Waldflächen mit dem Land zu tauschen?", wollte Uwe-Friedrich Albrecht (CDU) wissen. "Immerhin müssten wir dafür einen Teil unseres Stadtwaldes hergeben. Gibt es keine anderen Möglichkeiten?" - "Die gibt es", sagte Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos). So habe zum Beispiel Braunlage einen langfristigen Pachtvertrag mit dem Land Niedersachsen geschlossen. Das sei aber teuer. "Wenn wir den Wald tauschen, entstehen uns dagegen keine Kosten", so Gaffert. "Wir verlieren auch keinen Wald, sondern bekommen in Schierke wieder welchen dazu." Derzeit werde der Wert der 130 Hektar großen Waldfläche am Winterberg ermittelt. Im Stadtwald gebe es eine adäquate Fläche.

"Kostenneutral ist das nicht. Schließlich werden die Bäume am Winterberg gefällt. Den Wald können wir nicht mehr abernten."
- Stadträtin Martina Tschäpe

"Wirklich kostenneutral ist das nicht", warf Martina Tschäpe (SPD) ein. "Schließlich sollen die Bäume am Winterberg gefällt werden. Den Wald können wir nicht mehr abernten." - "Aber dafür profitieren wir dann vom Tourismus", entgegnete Gaffert.

Bei all den Großprojekten dürfe man die kleinen Probleme im Dorf nicht vernachlässigen, kritisierte Roland Jung aus Schierke. "Mangelhafte Schneeberäumung, fehlende Beleuchtung, das interessiert die Leute im Ort vorrangig", so Jung. "Und nicht, ob das Heine-Hotel saniert oder ein Eisstadion gebaut wird."