Wernigerode l Braucht Schierke eine Veranstaltungs-Arena mit extravagantem Dach? Diese Frage haben wir am Montag unseren Lesern gestellt. 801 Anrufer - das sind 66 Prozent - stimmten gegen das 6,4-Millionen-Euro-Projekt. 418 Leser - das entspricht 34 Prozent - halten die Investition für sinnvoll. Insgesamt beteiligten sich 1219Leser am Volksstimme-TED.

Am heutigen Dienstag entscheidet der Stadtrat. Zahlreiche Anrufer nutzten die Chance, ihre Meinung noch vor der Abstimmung am Lesertelefon kundzutun. Dabei haben sich im Gegensatz zum TED-Ergebnis fast ausschließlich Bürger zu Wort gemeldet, die das Projekt ablehnen.

So ist Hartmut Karthaus gegen "dieses futuristische Stadion". "Es ist viel zu teuer." Der Wernigeröder schlägt stattdessen vor, eine Straße über das Eckerloch nach Braunlage zu errichten. "Dort können die Touristen Schlittschuh laufen." Auch mit einer abgespeckten Variante ohne Dach und dafür mit Turm- und Tribünensanierung könnte er sich anfreunden. Der Entwurf der Berliner Architekten sehe gut aus, sagt Hans-Jürgen Kitzmann aus Wernigerode. "Aber er passt nicht in den Harz."

"Für Schierke muss etwas getan werden"
- Jürgen Lucke, Wernigerode

"Eine sinnlose Investition", urteilt Regina Bier aus Silstedt. "Und auf der anderen Seite müssen die Friedhofsgebühren erhöht werden." Die Stadträte seien gewählt worden, um verantwortungsvoll mit Steuergeldern umzugehen. "Für Schierke muss etwas getan werden", sagt Jürgen Lucke aus Wernigerode. Die Dimensionen der einzelnen Projekte hält er jedoch für überzogen. "Das fängt bei der Sandbrinkstraße, dem Parkhaus und der Arena an und hört beim Winterberg auf", so Lucke.

Wernigerodes Ex-Oberbürgermeister Ludwig Hoffmann lässt die Diskussion auch nicht kalt. "Ich bin für die überdachte Arena", so der SPD-Politiker. "Schierke und Wernigerode stehen in Konkurrenz zu anderen Tourismusregionen. Da darf man sich nicht als graue Maus verkaufen." Nicht nur Schierke, auch Wernigerode würde von dem Stadion profitieren.

Die meisten Schierker seien wie er für die Arena, sagt Hans-Peter Müller. Stadtpolitiker, die für Natureis plädieren, könne er nicht verstehen. "Sie wissen nicht, wie viel Arbeit es bereitet, eine Natureisfläche herzustellen." Über das extravagante Dach könne man allerdings diskutieren.

Der Schierker Wintersportler Oskar Winkler hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet. "Ich bin gegen das Eisstadion-Dach", so der ehemalige DDR-Meister der Junioren und Senioren im Bobfahren. "Banden und Tribünen sollten in Ordnung gebracht werden, dann kann man sehen, wie es angenommen wird und vielleicht später noch eine Überdachung planen - aber bitte nicht so ein Dach", betont der 84-Jährige. "Dieses Dach würde die Schneelasten niemals tragen. Die Planer kennen den Harzer Winter nicht."

"Dieses Dach versperrt die Sicht auf die Natur."
- Klaus Conradi, Schierke

So sieht es auch Klaus Conradi aus Schierke. Der ehemalige Eisschnelllauftrainer fühlt sich seit vielen Jahren mit dem Stadion verbunden. "Wir brauchen unser Eisstadion", sagt er. Das geplante Dach hält er für zu pompös. Die Eislaufstätte sei vor allem wegen ihrer romantischen Umgebung und der umgebenden Natur bei den Gästen beliebt. "Dieses Dach würde die Sicht versperren." Der Schierker hält eine billigere Überdachung für sinnvoll. Schließlich müsse Kunsteis vor Witterung geschützt werden.

Doreen Wölpke aus Darlingerode findet, dass das Geld "verpulvert" wäre und besser in Kindergärten und Schulen investiert werden sollte. "Ich verfolge die Debatte um die Schierke-Arena schon lange. Kultur betrifft uns alle - egal ob in Wernigerode, Ilsenburg, Schierke oder Darlingerode", sagt sie. "In Braunlage gibt es ein Eisstadion. Wer unbedingt Schlittschuhlaufen will, kann dahin fahren. Und ohnehin: Das Dach ist überflüssig, Veranstaltungen sind genauso schön unter freiem Himmel."

Das Natureisstadion sollte in geringem Umfang saniert werden, meint Peter Maintock aus Wernigerode. "Alles andere wäre Steuergeldverschwendung." Maintock und die Wernigeröderin Gertrud Schulze sind zudem überzeugt, dass zunächst die maroden Wernigeröder Straßen wie die obere Friedrichstraße in Schuss gebracht werden müssen.

Auch Gerhard Hauenschild aus Hüttenrode ist gegen den Bau der Schierke-Arena. "Ein Eisstation dort, wo es in der Nähe bereits ein anderes gibt, das ist hinausgeworfenes Geld", sagt er mit Blick nach Braunlage.