In einem deutsch-französischen Jugendaustausch ist nun auch das zweite Wasserrad der Regensteinmühle in Blankenburg restauriert worden. 2015 wird das erfolgreiche Projekt in Quedlinburg weitergeführt.

Blankenburg l Wer nicht erst zum Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag, 9. Juni, der Regensteinmühle in Blankenburg einen Besuch abstatten möchte, wird schon jetzt ins Staunen kommen. Im Rahmen eines Jugendprojekts der Kommunalen Beschäftigungsagentur (KoBa) und des VHS Bildungswerks wurden das Gelände vom Wildwuchs befreit, historische Fundamente und Grundmauern freigelegt, Hinweistafeln, Geländer und die Brücke über dem ehemaligen Wasserlauf erneuert sowie der alte Zulauf zur Mühle auf einer Länge von 600 Metern freigelegt. Zudem wurden diese Arbeiten ausführlich mit Bildern und Texten dokumentiert. Dabei bekamen die Projektteilnehmer eine Woche lang Hilfe von Jugendlichen aus dem französischen Belfort, der Partnerregion des Harzkreises.

"Die Zusammenarbeit der deutschen und französischen Jugendlichen hat trotz der Sprachbarrieren sehr gut funktioniert", schätzte Projektleiter Jürgen Beck ein. "Die Jugendlichen waren hoch motiviert und haben in kurzer Zeit eine super Arbeit geleistet", lobte er. Dazu trugen neben der Arbeit auch gemeinsame Veranstaltungen bei. Unter anderem der Besuch des Klosters Michaelstein, der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge, des Barockgartens und eine Teufelsmauer-Tour.

Diesen Worten schloss sich auch Lothar Tomaszewski an. Der Blankenburger Bergbauingenieur hatte die mittelalterliche Anlage 1988 wiederentdeckt, freigelegt und die ersten Wasserräder selbst konstruiert. Nach mehr als 20 Jahren hatte aber der Zahn der Zeit mächtig an den hölzernen Riesen genagt. "Alle Achtung, die Räder sind akkurat geworden", lobte Tomaszewski die Arbeit der jungen Handwerker, die vor wenigen Tagen das obere Wasserrad installierten. "Es sind Glücksmomente, wenn man sieht, wie die jungen Leute hier anpacken", sagte er den Tränen nahe.

Im vergangenen Jahr war bereits das untere Wasserrad erneuert und von deutschen und französischen Jugendlichen eingesetzt worden.

Hergestellt wurden die vier Meter hohen Wasserräder in den Werkstätten des VHS-Bildungswerks. Von der Bearbeitung der rohen Holzstämme, über den Zuschnitt und die Verklebung haben die jungen Männer und Frauen alle Arbeitsschritte der Rekonstruktion des Rades selbst ausgeführt. Diese praktischen Erfahrungen im Holzbereich und mehrmals monatliches Bewerbungstraining sollen den Jugendlichen bei der Suche nach Ausbildungs- oder Arbeitsplatz helfen. "Bei rund 50 Prozent hat das im letzten Jahr geklappt", zog Beck ein positives Resümee. Noch in diesem Monat starten sie zum Gegenbesuch nach Frankreich, um bei Projekten vor Ort helfen.

Im kommenden Jahr wird der Jugendaustausch fortgeführt, wie Michael Lütje von der KoBa erklärte. Dann werden französische Jugendliche bei einem Projekt in Quedlinburg eingesetzt.