Wernigerode l Siegfried Libora ist hochkonzentriert. Der 76-Jährige hält ein Tablet in der Hand. "Bin ich zu hören?", fragt Libora. Vor ihm steht ein Kamerateam - Studenten der Medieninformatik an der Hochschule Harz. Die Kamera läuft. Der Darlingeröder ist zusammen mit Ehefrau Sigrun Hauptdarsteller in einem wissenschaftlichen Projekt.

Zwei Tage lang drehten die Studenten eine Serie kurzer Filme unter Anleitung von Prof. Daniel Ackermann, und Prof. Birgit Apfelbaum. Dreh-ort: eine Musterwohnung der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft in der Kopernikusstraße8. Zu Beginn des Wintersemesters sollen die Streifen fertig sein.

"Die Filme werden zunächst für die Forschung genutzt und sollen später in Beratungsstellen Senioren motivieren, moderne technische Geräte auszuprobieren", erklärt Birgit Apfelbaum. "Gerade im Alter kann die Technik vieles im Alltag erleichtern."

In den Filmszenen benutzen die Eheleute technische Errungenschaften der heutigen Zeit wie beispielsweise ein sensorgesteuertes Bügeleisen, lesen ein elektronisches Buch in einem E-Book-Reader oder skypen mit der Enkelin am Laptop.

"Es war für uns sehr interessant. Spannend war vor allem, was alles dahinter steckt, um einen Film produzieren zu können", fasst die 72-jährige Sigrun Libora zusammen. Und Ehemann Siegfried ergänzt: "Etliches war uns nicht neu. Wir benutzen auch zu Hause viel Technik und skypen mit den Kindern oder lesen E-Books."

Mit den Clips sollen Rollenvorbilder - in der Fachliteratur "Alterspioniere" genannt - in Szene gesetzt und auf ihre Wirkungsmechanismen überprüft werden.

"Die Idee kommt aus der sozialwissenschaftlichen Alterns- und Demografieforschung", sagt Christian Reinboth von der Stabsstelle Forschung an der Hochschule Harz, die von Prof. Westermann geleitet wird. "Man weiß, dass Gleichaltrige für Senioren eher eine Vorbildfunktion einnehmen." Wenn ältere Menschen moderne Technik nutzen würden, ließen sich Personen der gleichen Altersgruppe eher zu einer Technikakzeptanz animieren. Es gebe noch keine wissenschaftliche Begründung dafür, warum das so ist und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. "Unser Projekt soll helfen, Antworten darauf zu finden", so Reinboth.

Gemeinsam mit Ideengeber Thomas Schatz, Dozent für Sozialwissenschaften, hat Reinboth mit der Suche nach Geldgebern für das Projekt Neuland beschritten. Nachdem die Projektidee geboren war, haben die Wissenschaftler auf einer Internetplattform ein neuartiges Finanzierungsmodell getestet.

Beim sogenannten Crowdfunding können Privatpersonen und Firmen Geld für die Initiierung wissenschaftlicher Projekte spenden. Reinboth: "Wir wollten schauen, ob diese Finanzierung für Hochschulprojekte taugt."

3500 Euro galt es in einem bestimmten Zeitraum zusammen zu bekommen. "Bereits im Februar hatten wir eine Spendensumme von 4500 Euro", sagt Schatz. Insgesamt 29 Unterstützer aus ganz Deutschland, darunter auch viele aus der Harzregion, sorgten für den Spendenertrag. "Für kleinere Forschungsvorhaben an der Hochschule kann diese Art der Finanzierung durchaus eine Option sein. Es gibt schon Interessenbekundungen für weitere Projekte", wirft Reinboth abschließend einen Blick in die Zukunft.

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