Blankenburg l Die Kunstpreisträgerin der Stadt Wernigerode, Edda Grossman, gibt im Kloster Michaelstein einen kleinen Überblick über ihr ungewöhnliches Werk. Zu sehen sind Bilder, bemalte Keramiken, plastische Arbeiten und Schuhleisten. Dargestellt auf den Ölgemälden, Aquarellen und Kreidezeichnungen finden sich großformatige Heiligenbilder, problemreiche Stadtansichten, ungewöhnliche Blumensträuße. Auf Kacheln, Tellern und Gefäßen erzählt sie kleine Geschichten. Mehrere Figuren wie der Achill auf der Schildkröte oder die lebensgroße Figur einer Gefesselten beleben die Ausstellung.

Die vielseitige Künstlerin lebt in Veckenstedt in der Kunstmühle, in der auch ihr Lebensgefährte Professor Karl Oppermann zu Hause ist. Die Malerin veranstaltet unter anderem Tangofestivals und leitet Tanzlehrgänge. Damit erreicht sie Tangobegeisterte über die Grenzen Deutschlands hinaus, die alljährlich in Veckenstedt zu den Klängen einer argentinischen Band ihrem Hobby frönen.

In der Ausstellung fallen zunächst ihre großformatigen Gemälde auf, in denen sie ihrer Sicht auf das Leben und die Welt Gestalt gibt.

Als Hommage an den Ausstellungsort fällt beim Betreten des Kreuzgangs ein großformatiges Gemälde auf. Der Erzengel Michael bewacht den Garten Eden und versucht, die Menschen vor der Sünde zu bewahren, zu der der Teufel sie verführen will. Die Kraft und Phantasie und die Liebe zum Detail mit der die Künstlerin das ausdrückt, vergisst man kaum.

Ganz ungewohnt neben der überbordenden Farbigkeit der meisten Bilder ist das fast nur in Grautönen gehaltene Gemälde "Der Untergang der Bernauerin". Der bayrische Herzog Albrecht hatte sich in die hübsche Gastwirtstochter Agnes Bernauer verliebt und sie geheiratet. Ein grober Verstoß gegen die Standesregeln. Auf Befehl ihres Schwiegervaters, des Herzogs, wird sie deshalb schließlich in der Donau ertränkt. Sterbend fleht sie auf dem Bild um Gnade und Hilfe und im Todeskampf werden ihr Henker und Geliebter eine Person. Warum?

Ein bisschen Kopfschütteln und Staunen lösen neun Paar Schuhleisten aus, die bunt bemalt in den Fensternischen stehen. Erst langsam wächst die Erkenntnis, das Schuhe Symbol für das Gehen, das Fortschreiten sein können. Wir gehen durch unser Leben von Station zu Station. Dabei bleiben wir trotz aller Veränderungen an und um uns doch immer der selbe Mensch. Mit dieser Arbeit interpretiert sie ein argentinisches Opernlibretto.

Nicht nur durch ihre Größe beeindruckt eine Frauenfigur. Lebensgroß, gehüllt in ein kostbares Gewand sitzt sie gefesselt in einer Art übergroßer Kiste. Sie hat, gebunden an die Umstände ihres Lebens und ausgeliefert dem Einen, dem sie angehört, ihre Persönlichkeit verloren und ist ein wehrloses Nichts geworden. Dabei war sie einmal eine schöne Frau. Das bemerkt man aber erst, wenn man ihr vernageltes Antlitz genauer betrachtet. Dann erkennt man unter dem Kopfputz ein paar schöne dunkle, ausdrucksstarke Augen. Vergangen!

Man sollte Zeit mitbringen, wenn man diese Ausstellung besucht. Es sind nachhaltige Erkenntnisse und Emotionen, die die Arbeiten von Edda Grossman, einer großen Künstlerin, auslösen.

Künstlerin führt selbst

Extra für diese Exposition hat Edda Grossman ein Portrait der Stadt Blankenburg und ein Gemälde des Heiligen Michaels, dem Schutzpatron und Namensgeber des Klosters, angefertigt. In einer persönlichen Führung wird sie diese und ihre anderen Werke am morgigen Sonntag, 29. Juni, einem interessierten Publikum vorstellen. Beginn ist um 11 Uhr.

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