Mit Sonne, Heu und Regenguss haben hunderte Neuwerker und Gäste die 130. Grasekönigin Jeanette Stammer gefeiert. Dazu drei andere Jubiläen. Gäste von Altenbrak bis Sorge feierten mit.

Neuwerk l Ein krachender Kanonenschlag hat am Sonnabend die Einwohner und Gäste Neuwerks aufhorchen lassen: Punkt 14 Uhr schossen Karl-Heinz Fischer, Wolfgang Adenstedt und Wolfgang Büschel mit Kanone und Böllerbüchse Salut. Es war das Zeichen zum Start für die bisher wohl größte Jubelfeier im Ort.

Mit dem Befehl "Präsentiert die Sichel!" von Hauptmännin Dörte Reulecke zogen die Grasedanzfrauen mit Blumen, Harken und Kiepen im 130. Festzug durch das nun 600 Jahre alte Neuwerk. Vorneweg der Spielmannszug Neuwerk, dessen Kinder- und Jugendabteilung um Markus Raschke und Kai Reulecke mittlerweile seit 90 Jahren besteht.

Hinterdrein zogen viele Bürger, so auch Schützen aus Rübeland, Bergleute aus Hüttenrode, Harzklubler aus Tanne, Elbingerode, Altenbrak und Rübeland, dessen Zweigverein sein "20-Jähriges" feiern kann. Jens Werner als Vereinschef der Abteilung Grasedanz erhielt für seinen langjährigen Einsatz das Ehrenzeichen des Harzklubs in Silber.

In einem Sternmarsch waren Harzfreunde auf den Hütteplatz Neuwerk gekommen, wo Moritz Werner für Elbingerode, Christina Vogel für Altenbrak/Treseburg und Werner Bleßmann aus Trautenstein, um nur einige zu nennen, Ehrenwimpel erhielten. Sie alle zogen dann durch Neuwerk.

Mittendrin marschierten Landrat Martin Skiebe (parteilos), Stadtbürgermeister Frank Damsch sowie Rübelands Ortschefin Monika Badstübner (beide SPD). Sie zeigten sich begeistert vom farbenfrohen Engagement, dankten allen Akteuren und wünschten Neuwerk auch für die nächsten 600 Jahre alles Gute.

Sinn des Umzugs war das Abholen der neuen Grasekönigin. Sie heißt Jeanette Stammer, ist 25 Jahre jung, stammt aus Neuwerk und arbeitet in Erfurt als Chemisch-technische Assistentin. Mit einem Lächeln nahm sie die bunte Krone entgegen und hielt freundlich Hof. Einen Prinzen für sich habe sie noch nicht gefunden, wie sie verriet. Jeanette I. wurde am Sonnabend per Los ermittelt und repräsentiert nun für ein Jahr Neuwerks Brauchtum.

Der Grasedanz geht zurück auf alte Zeiten, in denen jede noch so kleine Fläche zur Heugewinnung genutzt wurde. Den Frauen und Mädchen oblag es, das von den Männern geschnittene Heu für den Winter heimzuholen oder selber mit Sichel, Harke und Kiepe loszuziehen. Nach der Heuernte setzten sich die Frauen zu einer Feier zusammen und wählten die Grasekönigin. Unter Reichskanzler Otto von Bismarck, so Chronisten, wurde der Grasedanz dann in die Feste der Schützen integriert, die auch diesmal mitfeierten.

Bekannt ist diese Harzer Tradition auch in Treseburg und Altenbrak, wo Birkenfest gefeiert wird, sowie in Hüttenrode. In Neuwerk wurde am Wochenende mit Tanz und Musik sowie der Versteigerung von Heuhaufen bis weit in den Sonntag hinein gefeiert.

 

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