Vor wenigen Jahren noch waren sie die jüngsten Mitglieder im Wernigeröder Stadtrat - nun leiten André Weber (26, CDU), Kevin Müller (29, SPD) und Christian Härtel (35, Linke) drei der Ausschüsse. Volksstimme fragte sie und die erfahrenen Vorsitzenden Angela Gorr (CDU), Reinhard Wurzel (CDU) und Armin Willingmann (SPD) nach den großen Herausforderungen der nächsten fünf Jahre.

Wernigerode l Die Positionen in den Gremien des Wernigeröder Stadtrates sind neu besetzt. Dabei wurden die Vorsitze von drei Fachausschüssen deutlich verjüngt.

Der 26-jährige CDU-Stadtrat André Weberleitet künftig den Ordnungsausschuss. "Mein Vorgänger Siegfried Siegel (SPD) hat den Ausschuss durch eine sehr sachliche Führung geprägt. Das hat mir persönlich imponiert und das werde ich auch versuchen, fortzuführen", so der Student.

Er hofft, dass in Zukunft noch mehr Bürger die Einwohnerfragestunde nutzen. Um über die Stadtratsarbeit zu informieren, will er zusätzlich in Blogs und auf Facebook präsent sein. Sein Ziel: ein echter `Bürgerausschuss`, in dem Anregungen, Ideen und Probleme der Wernigeröder aufgegriffen und gemeinsam mit den Stadträten und der Verwaltung diskutiert werden.

"Der Ordnungsausschuss wird in Zukunft sicher deutlich häufiger tagen. Und ich möchte in regelmäßigen Abständen mit den Ausschussmitgliedern Vor-Ort-Termine organisieren." So können er und seine Mitstreiter außerhalb des Rathauses mit Betroffenen direkt ins Gespräch kommen. Herausforderungen sieht er zunächst im Verkehrskonzept für die Wernigeröder Innenstadt und in der überarbeiteten Friedhofsgebührensatzung.

Der 29 Jahre alte Kevin Müller ist der Nachfolger von Sabine Wetzel (Grüne) im Ausschuss für Jugend, Senioren und Soziales. Er möchte sich unbedingt noch vor der ersten Sitzung am 3. September mit der Wernigeröder Lehrerin austauschen. "Es ist positiv, dass die bisherige Ausschussvorsitzende weiterhin Mitglied im Ausschuss bleibt und ihre Erfahrungen einbringen möchte", so Müller, der ebenfalls Lehrer ist.

Wichtige Themen werden ihm zufolge unter anderem die Beibehaltung der hervorragenden Betreuungslandschaft mit den vergleichsweise hohen städtischen Zuschüssen, der Erhalt der Vereinslandschaft, die Jugendarbeit und der demografische Wandel sein. Er kann sich vorstellen, ein Jugendparlament anzustoßen. Um das Interesse der Wernigeröder an der Ratsarbeit zu wecken, will er regelmäßig in den SPD-Bürgernachrichten berichten und über die neuen Medien mit den Bürgern in Kontakt treten.

Christian Härtel (Linke) übernimmt den Vorsitz im Bau- und Umweltausschuss. Sein Vorgänger ist Hans-Jürgen Winkelmann (CDU), der aus gesundheitlichen Gründen noch während der laufenden Legislaturperiode seinen Vorsitz an Uwe-Friedrich Albrecht (CDU) abgab. Der 35-jährige Härtel setzt auf ein gutes Miteinander zwischen Stadtrat, Verwaltung und Bürgern. Wichtig ist ihm die Einführung eines qualifizierten Mietspiegels - "damit Wohnen in Wernigerode auch für kleine und mittlere Einkommen bezahlbar bleibt."

Der Bauausschuss werde sich zudem intensiv mit der Aufwertung der unteren Breite Straße und dem Abbau von Barrieren für Fußgänger auseinandersetzen. Eine organisatorische Änderung hat er sich bereits jetzt überlegt: "Den Beginn der Sitzung möchte ich mit Zustimmung der Mitglieder gern auf eine arbeitnehmer- und bürgerfreundlichere Uhrzeit von bisher 17 Uhr auf 17.30 Uhr verlegen." Bereits vier der sechs Fachausschüsse tagen jeweils ab 17.30 Uhr.

Auch im Finanzausschuss hat der Vorsitz gewechselt: Reinhard Wurzel übernimmt das vormals von Thomas Schatz (Linke) geleitete Gremium. "Die Leistungsfähigkeit der Stadt in Anbetracht der vielen Vorhaben nicht zu überfordern und dazu eine entsprechende Personalentwicklung festzulegen", sei dem CDU-Politiker zufolge eine wesentliche Zielstellung. Ändern wolle er am Modus der Ausschussarbeit nichts. Er versteht sie vor allem als Teamleistung - "und dabei soll es bleiben. Änderungsbedarf kann ich nicht erkennen."

Unverändert geblieben sind die Vorsitze im Wirtschafts- sowie im Kulturausschuss. "Der Kulturausschuss wird sich weiterhin als Fachausschuss mit der Entwicklung des Ganzjahreskonzeptes in Schierke beschäftigen", teilt Angela Gorr (CDU) mit. "Zukünftig soll eine Schulwegplanung zur Verbesserung der Verkehrssicherheit erarbeitet werden, die Quantität und Qualität der Stadtfeste bleibt im Blick."

Angela Gorr betont ausdrücklich, dass sie ihren Mitstreitern im Ausschuss inhaltlich nicht vorweggreifen möchte, bevor er am 8. September erstmals getagt hat. Erst dann werde man sich auf konkrete Ziele verständigen.

Armin Willingmann (SPD) ist weitere fünf Jahre Vorsitzender im Wirtschafts- und Liegenschaftsausschuss. Als wichtige Herausforderung nennt er "eine sinnvolle Ansiedlungspolitik für Dienstleistung, Gewerbe und Industrie, mit der zugleich dem Bevölkerungsrückgang entgegengewirkt werden kann."

Einen weiteren Schwerpunkt sieht er in einer "Wernigeröder Willkommenskultur", die mithilfe regionaler Partner wie der Harz AG ausgebaut werden sollte - auch um Perspektiven für Familien und junge Menschen zu schaffen. Augenmerk werde der Ausschuss zudem auf die Entwicklung der Wernigeröder Innenstadt legen. Gemeinsam mit Einzelhandel und Kaufmannsgilde könne diese forciert werden. Eine wichtige Aufgabe bleibe nach wie vor, die Ortsentwicklung Schierkes "mit Augenmaß und Zuverlässigkeit auch aus dem Ausschuss heraus voranzubringen", so Willingmann.

Als Vorsitzender möchte er einerseits transparent über die Ausschussarbeit informieren, sofern dies zulässig ist, gleichsam jedoch die gebotene Diskretion im Interesse von Unternehmern und Stadt bewahren, um Projekte zu unterstützen. Die erste Sitzung des Wirtschaftsausschusses beginnt am 9. September um 17.30 Uhr.

Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) bleibt Vorsitzender des Hauptausschusses sowie des zeitweiligen Ausschusses "Ortsentwicklung Schierke".