Schierke l Das altehrwürdige "Heinrich Heine"- einst das markanteste und berühmteste Hotel in Schierke, das die Stadt 2013 ersteigert hat - gleicht mittlerweile einer Ruine. Das hat ein Gutachter im Auftrag der Wernigeröder Stadtverwaltung bestätigt. So sei die Hälfte der Hotelanlage, die seit 1995 leer steht, reif für den Abriss.

"Es sieht schlecht aus", sagt Baudezernent Burkhard Rudo auf Volksstimme-Nachfrage. "Der Gutachter ist zu der Einschätzung gekommen, dass 50Prozent der Bausubstanz erhaltenswert sind. Damit stellt sich auch die Frage der Sinnhaftigkeit des Wiederaufbaus."

Rudo zufolge gibt es drei Möglichkeiten: Den Abriss der Ruine, einen teilweisen Erhalt und die Rekonstruktion der verfallenen Bausubstanz. "Die Rekonstruktion setzt voraus, dass wir Investoren finden", sagt er. "Der teilweise Erhalt ist ein nicht unübliches Verfahren, bei dem bestehende Bauwerksteile in ein neues Projekt integriert werden."

Die Kosten für einen Wiederaufbau würden im Millionenbereich liegen. Es seien Gespräche mit Interessenten geführt worden, sagt Rudo. "Wir geben dieses Projekt nicht von vornherein auf." Im Juli 2013 kaufte die Wernigeröder Stadtverwaltung das einstige Vorzeigehotel samt 25000 Quadratmeter großem Grundstück bei einer Zwangsversteigerung für 144850Euro.

Jeder Winter und jeder Regenschauer hat in der Vergangenheit zu weiteren Schäden am "Heine" geführt: Nässe weichte das Mauerwerk auf, Schimmelpilze breiteten sich aus, einige der Decken und Wände stürzten ein. Um den Verfall aufzuhalten, waren im Dezember 2013 offene Stellen im Gemäuer geschlossen, das Gebäude von Grün freigeschnitten, von Schutt befreit und gut durchgelüftet worden. 73000 Euro kosteten allein diese Sicherungsarbeiten. Die Kosten übernahm das Land.

"Die Architektur des Gebäudes nimmt einen starken gestalterischen Bezug auf die Harzregion", sagt Burkhard Rudo. "Das Ortsbild wurde durch Häuser wie das `Heine` entscheidend geprägt." Vor 115 Jahren wurde das Hotel als "Fürst zu Stolberg" eröffnet.