Mit Freude und Gebet ist eine restaurierte Glocke für die Bergkirche in Trautenstein wieder aufgehängt worden. Allerdings auch mit Bedauern, weil eine zweite Glocke beim Transport beschädigt wurde. Ein Glocken-Experte spricht von einer Katastrophe.

Trautenstein l Sowas sei ihm in seiner ganzen Laufbahn noch nicht vorgekommen, sagt Hanns-Martin Rincker von der gleichnamigen Glocken- und Kunstgießerei in der Gemeinde Sinn in Hessen. "Es ist eine wahre Katastrophe, ich bin entsetzt", so der Glockenexperte in der Firma in 13. Generation. Was war passiert?

Eine der beiden schon fertig restaurierten Glocken aus Trautenstein müsse beim Rücktransport vom Laster, Kran oder Gabelstapler gefallen sein, so Rincker auf Nachfrage. Genaueres sei mit der Speditionsfirma noch zu klären. Die Glocke sei die größere und mit dem Gießjahr 1422 auch der ältere und wertvollere Klangkörper aus Trautenstein. Sie ist laut Rincker an der sogenannten Krone und am Glockendeckel beschädigt. "Sehr ungewöhnlich, dass so etwas passiert", bedauert der Mann mehrfach am Volksstimme-Telefon. Der Schaden sei aber zu reparieren, nur werde das nun wohl etwas länger dauern.

Bei der Verwaltung der Stadt Oberharz und in der Kirchengemeinde Trautenstein hat der Glocken-Unfall Verwunderung und großes Bedauern ausgelöst. Pfarrer Stefan Gresing behielt trotz der Hiobsbotschaft die Ruhe und nahm gemeinsam mit Stadtbürgermeister Frank Damsch (SPD) wenigstens die erste, unbeschädigte kleine Glocke wieder in Empfang.

Das 77 Zentimeter im Durchmesser große und 229 Kilogramm schwere Teil aus dem Jahre 1664 wurde in einem Gottesdienst gefeiert und dann im Beisein der Kirchengemeinde von Bauleuten zum separaten Glockenturm auf dem Berg über der Kirche gebracht. Heute soll die heil zurückgekehrte Glocke mit ihrem "barocken Ton", so Rincker, endlich erklingen - erstmals wieder seit gut einem Vierteljahr.

Ende Juni waren beide Glocken demontiert worden, weil der Zahn der Zeit sehr an ihnen genagt hatte. Möglich wurde die Aufarbeitung durch den Einsatz vieler Partner. Die Trautensteiner Kirchengemeindemitglieder um Heidrun Meyer sammelten Geld, die Landeskirche Braunschweig legte noch etwas dazu, so dass der größte Brocken von insgesamt rund 21 000 Euro für die Reparatur zusammenkam. Die Stiftung der Kreissparkasse Wernigerode legte etwas dazu. Um die Initiative zur Pflege des Kulturgutes zu unterstützen, wie Wilfried Schlüter vom Vorstand der Stiftung beim Einbau der Glocke sagte. Die Sparkassenstiftung freue sich immer über Anträge, mit der die Jugendarbeit oder der Sport vor Ort unterstützt werden kann, so Schlüter. Auch die Stadt Oberharz hat nach ihren Möglichkeiten Geld für die Restaurierung beigesteuert.

Es sei ein Glücksfall und selten, sagte Bürgermeister Damsch, dass zwei so alte Glocken alle Kriege seit den Gießjahren überstanden haben. Um so mehr sei es Verpflichtung, die Glocken weiter zu pflegen. Gemeinsam beobachteten die Gäste den Einbau der Glocke. Oberlandeskirchenrat Dr. Jörg Meyer als Chef der Finanzabteilung bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Braunschweig dachte dabei aber auch bereits an die schnellstmögliche Behebung des Schadens an der 2. Glocke.

Sein Bemühen trifft sich inzwischen mit dem von Bürgermeister Damsch und Gießereichef Rincker ebenso wie mit der Hoffnung vieler Trautensteiner - darauf, dass bald wieder beide Glocken läuten.

   

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