Wernigerode l Greta Garbo, Marlene Dietrich, Jean Harlow - mit wenigen Federstrichen bannt Robert Nippoldt die Hollywood-Diven auf Papier. Mit Hilfe des Computers färbt er seine Schwarz-Weiß-Zeichnungen ein, bringt sie anschließend zum "Drucker seines Vertrauens". Das Ergebnis sind ausdrucksstarke Siebdrucke, farblich reduziert und dennoch intensiv, die den Charme und den Geist längst vergangener Zeiten lebendig werden lassen.

Einen Teil seiner Werke präsentiert der Künstler derzeit in der Galerie im Ersten Stock in Wernigerode. "Von Berlin bis Hollywood" ist die Ausstellung überschrieben. Sie gibt einen Überblick über das Schaffen des 37-Jährigen.

Mit drei Buchprojekten machte der Münsteraner die Kunst- und Verlagsszene in den letzten Jahren auf sich aufmerksam. Mit seinem Erstling "Gangster. Die Bosse von Chicago" verwirklichte er sich einen Traum. "Das Thema hat mich fasziniert. Ich war schon immer ein Fan von Gangsterfilmen wie `Scarface` und `Der Pate`." Die Stimmung dieser Filme versucht er auf seinen Zeichnungen zu transportieren. Mit dem Prototyp des Buches sei er damals von Verlag zu Verlag gegangen. Mit Erfolg, sein Werk wurde veröffentlicht und öffnete ihm die Türen in die Buchbranche.

"Jazz im New York der wilden Zwanziger Jahre" sei die logische Fortsetzung gewesen. "Die Gangster früher hörten Jazz. Al Capone zum Beispiel war ein großer Jazzliebhaber." Das Buch mit seinen Zeichnungen, den Texten von Hans-Jürgen Schaal und einer beigefügten CD mit Originalaufnahmen wurde 2008 von der Stiftung Buchkunst zum schönsten deutschen Buch des Jahres gewählt.

In "Hollywood in den Dreißiger Jahren" - ebenfalls preisgekrönt - widmet er sich der goldenen Ära der Traumfabrik. "Ich habe versucht, die Geschichte Hollywoods anhand von Porträts zu erzählen." Dafür habe er Fotos der Schauspieler und deren Filme studiert, um den jeweiligen Charakter zu erspüren. Selten gelinge ihm eine Zeichnung gleich beim ersten Versuch. "Das ist ein Prozess. Jean Harlow habe ich bestimmt 20 Mal gezeichnet, bis das Bild so war, wie ich es mir vorgestellt hatte", verrät er.

Momentan arbeitet der vielbeschäftigte Künstler an einem Buchprojekt über das Berlin der 1920er Jahre. Außerdem erscheint sein "Hollywood"-Buch in wenigen Tagen in englischer Sprache.

Die Werke von Nippoldt sprechen für sich selbst. Darüber hinaus ist es ein Vergnügen, den Künstler persönlich kennenzulernen - wie die Besucher der Ausstellungseröffnung in der Galerie im Ersten Stock erlebten. Robert Nippoldt mit Hut, Stoffhose und Hosenträgern sah aus, als sei er geradewegs aus einem seiner Bücher entsprungen. Durch seine Projekte habe er die Zeit der 1920er und 1930er Jahre inzwischen lieben gelernt, fühle sich nicht nur in der Kleidung wohl, sondern interessiere sich auch für die Filme und Musik dieser Jahre. So gab er mit seiner Frau an der singenden Säge einen Klassiker von Friedrich Holländer zum Besten, der das Publikum sichtlich amüsierte. Ebenso wie der selbst produzierte Stummfilm, der die Entstehung seines "Hollywood"-Buches zeigt.

Die Ausstellung ist bis zum 4. Januar dienstags bis freitags von 11 bis 12 Uhr und 14 bis17Uhr, sonnabends von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

 

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